Es ist immer wieder schön über kleine, aber feine Filme zu stolpern, die abseits des Mainstreams angegliedert sind und einen erheitern und nachdenklich machen. Dies und vieles andere gelingt dem Film "Die Geschwister Savage" (OT: The Savages), der ein sehr schwieriges Thema behandelt ohne jedoch dabei im geringsten prätentiös zu sein. Im Gegenteil, der Film ist geradezu leichtfüßig inszeniert, mit Fingerspitzengefühl und feinsinnigem, lebensechtem Humor. Viele heutzutage produzierten Independet-Filme sind mittlerweile selbst zu einem Klischee geworden, bei "Die Geschwister Savage" hat man jedoch nie dieses Gefühl.
Der Film handelt, wie es der Titel schon andeutet, von den beiden New Yorker Geschwistern Wendy und Jon Savage, die plötzlich von der Nachricht überrascht werden, dass ihr Vater, von dem sie sich schon lange entfremdet haben, langsam Anzeichen von Demenz zeigt. Jedoch lebt dieser im wert entfernten Sun City in Arizona. Als dann noch seine langjährige Lebensgefährtin stirbt, bleibt dem exzentrischen Geschwisterpaar nichts anderes übrig, als ihrem Vater zu helfen.
Hier driftet der Film jedoch nicht in Kitsch oder Sentimentalität ab, sondern präasentiert lebensechte Personen, die versuchen müssen, ihr Leben in den Griff zu kriegen. Sie ist ohne echte Bindung, hat lediglich eine Affäre mit einem älteren, verheirateten Mann und versucht schon seit längerem ihre Karriere als Schriftstellerin anzukurbeln.
Er ist ebenfalls Literat, ist Professor und Dozent für Theaterwissenschaften und gerade dabei ein Buch über Bertolt Brecht zu schreiben. Diese Konstellation erinnert unweigerlich an die Filme von Woody Allen, in dessen Filme auch häufig intellektuelle Literatenkreise dargestellt werden. Der tragikomische Ansatz erinnert ebenso an Allens Werke.
"Die Geschwister Savage" ist jedoch nicht nur fantastisch von Tamara Jenkins geschrieben, sie wird auch von brillanten Akteuren unterstützt, die ihre Vision erst lebendig machen. Wendy Savage wird von der wunderbaren Laura Linney gespielt, bei der es wirklich Spaß macht und fasziniert ihr zu zusehen. Sie spielt enorm facettenreich und kreiert eine Figur, die sämtliche Höhen und Tiefen durchmacht, am Ende aber doch zu sich findet. Hierfür wurde sie ebenso wie Jenkins mit einer Oscar-Nominierung und vielen anderen Auszeichnungen geadelt.
Die selbe Bezeichnung passt auch zu Philip Seymour Hoffman, der wie immer faszinierend spielt und auch diese Rolle zu was besonderem macht, gerade wenn man bedenkt, wie wandelbar er doch in all seinen Filmen ist.
Diese lebensechte Dynamik in Familien und das Herangehen an die Themen Tod und Altern entsteht wahrscheinlich auch zum Teil dadurch, dass Regisseurin/Autorin Tamara Jenkins selbst vergleichbare Erfahrungen in ihrem Leben gemacht hat, wie sie im Making-Of zum Film berichtet. Dennoch kann der Film für manch einen, der vielleicht direkt mit dem Thema vertraut ist, ein klein wenig unangenehm sein, trotz des lebensbejahenden und kathartischen Effektes.