Zugegeben, das Buch ist kurz, und ja, man kann es recht zügig lesen, und ja, es geht in die Richtung von Coelhos "Alchimisten". Allerdings ist an allen Punkten nichts Verwerfliches zu finden. Die Geschichte ist sehr schön erzählt, sehr nachdenklich. Sie spielt mit den Träumen vom eigenen Weg, vom Ziel, das man noch nicht kennt und von dem man doch weiß, dass es irgendwo wartet. Die unbekannte Insel ist die Metapher dafür, aber sie ist nicht der Mittelpunkt der Geschichte. Die dreht sich eher um den Mut, seinen Weg zu gehen und um die Ängste, mit denen man dabei konfrontiert wird bzw. sich selbst konfrontiert.
Wer moniert, dass Saramagos Zeichensetzung bzw. seine Art, die Dialoge zu schreiben, dazu führen würde, dass man nicht wüsste, wer spricht, der hat wahrschienlich generell wenig Spaß an Saramago, den im "Zentrum" macht er das genauso und das Buch ist deutlich länger. Fakt ist allerdings, dass es nicht schwierig ist, den Dialogen zu folgen, denn einerseits ist durch den Inhalt immer klar, wer sich gerade äußert, andererseits sollte man die Geschichte sowieso aufmerksam lesen, und wer das tut, der hat keine Probleme, den Dialogen zu folgen.
Das Buch bekommt trotzdem nur vier Sterne, weil es doch einigermaßen stark an Coelho erinnert und dieser von mir keine fünf Sterne bekommen würde, weil er eher (manchmal zu seichte) Lebenshilfen als große Literatur produziert. Es stimmt allerdings, dass es ein wunderschönes Geschenk für liebe Menschen ist!