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30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine innige Liebesgeschichte, 21. Dezember 2007
Der norwegische Autor Edvard Hoem ist Schriftsteller, Shakespeare Übersetzer und Theater Regisseur. In diesem großartigem Buch erzählt er von dem Leben seiner Eltern. Das Buch ist einerseits eine Biographie, weil es ja die Eltern wirklich gab, anderseits ein Roman, weil der Autor die Leerstellen gekonnt mit seiner Phantasie füllt. Leerstellen gab es, denn seine Eltern haben nur wenig erzählt, waren wie viele ihrer Generation eher wortkarg, Briefe und sonstige Zeitdokumente waren auch nur spärlich vorhanden. Edvard Hoem hat mit viel Liebe und Bewunderung recherchiert, wie sich das Leben im ländlichen Norwegen, in den dreißiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts gestaltete. Nicht selten herrschte bittere Armut, Tradition wurde gepflegt, Hoffnungen, Enttäuschungen, Sehnsüchte, Träume und unbeugsames Christentum bestimmten den Alltag.
Der Bauernsohn Knut, ein ernsthafter und gläubiger Mensch zieht als Prediger über die Dörfer, bringt Gottes Botschaften zu den Leuten. In sein Heimatdorf, auf den elterlichen Hof, kommt er nur im Sommer, um bei der Ernte zu helfen. Doch die Eltern werden zunehmend älter, können eines Tages den Hof nicht mehr allein betreiben, Knut muss ihn übernehmen. Er sucht eine Frau und trifft 1945 auf die verzweifelte neunzehnjährige Kristine. Die ist hoch schwanger, von einem deutschen Besatzungssoldaten, der sie im Frühjahr nach einem Kinobesuch in Lillehammer kennen gelernt hat. Sie hat den deutschen Soldaten wirklich geliebt, der hat sie jedoch betrogen und sitzen gelassen. Knut kommt ins Dorf und für ihn ist klar, ich nehme sie zur Frau. Die ersten Jahre ihrer Ehe sind nicht krisenfrei, denn Kristine liebte ihren "Erlöser" nicht von Anfang an. Andere Chancen, als die in ihrem engen Lebensfeld, gab es jedoch für die Menschen nicht, sie mussten das Beste aus ihrem Schicksal machen. Und so berichtet dieses schöne Buch auch darüber, dass Paare die keineswegs füreinander bestimmt sind, ihr Glück finden können. Kristine und Knut führten über lange Jahre eine glückliche und harmonische Ehe. Ihr erstes gemeinsames Kind ist Edvard.
Mit der Hommage an seine Eltern schenkt uns Edvard Hoem mit "Die Geschichte von Vater und Mutter" ein wunderbares Buch mit einer rundum gut und einfühlsam erzählten rührenden Liebesgeschichte.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine bewegende Geschichte über Menschen, die ihr Leben religiös interpretieren ohne Strenge und dabei einen Lebenssinn finden, 14. Februar 2008
Edvard Hoem ist als Schriftsteller, Theaterregisseur und Shakespeare-Übersetzer in Norwegen in der Literatur- und Kulturszene ein fester Begriff. Schon 1974 , als er seinen ersten Roman vorlegte, der unter dem Titel "Fährfahrten der Liebe" 1987 in Deutschland veröffentlicht wurde, wurde er in Norwegen berühmt.
Wenn man das vorliegende Buch "Die Geschichte von Mutter und Vater" ausgelesen hat, nimmt es einen nicht Wunder, dass dieses bewegende und tiefgehende literarisch-biographische Zeugnis schon kurz nach seinem Erscheinen 2005 in Norwegen ein Bestseller wurde. Edvard Hoem bekommt offenbar, selbst mitten in seinen Fünfzigern, irgendwann das starke Bedürfnis, dem Leben und dem Schicksal der Menschen nachzugehen, die ihm das Leben geschenkt, ihn aufgezogen und in seinem Werdegang wie auch immer geprägt haben. Er gibt uns in diesem wunderbaren Buch keinen Hinweis darauf außer einer Erinnerung, die das Buch einleitet.
"'Mama, liebst du den Papa?', fragte ich Mutter einmal in meiner fernen Kindheit... Ich war vielleicht sechs Jahre alt. Dann war das im Jahr 1955."
Der kleine Junge rechnet damit, dass, wie immer bei der Mutter die Antwort kurz ausfallen würde. "Aber dieses mal antwortete Mutter nicht so leichthin und abwesend wie eigentlich sonst immer. Sie hielt inne und sah mich mit einem Ausdruck an, den ich nie zuvor gesehen hatte. Sie öffnete den Mund und schloss ihn wieder, zweimal. Dann sagte sie mit fremder Stimme das, was mich fünfzig Jahre nicht loslassen sollte:
'Ich hatte Vater nicht lieb, als ich mit ihm zusammenkam, aber ich habe ihn liebgewonnen, weil er beständig war, beständig und treu, und das ist genauso wichtig wie Liebe.'
An diesem Abend öffnete sich eine Tür ins Unbekannte. Im Leben von Mutter und Vater gab es etwas, worüber nicht gesprochen werden sollte, aber nun hatte sie es mir anvertraut, dass es das gab."
Und dann, an einer bestimmten Stelle in seinem eigenen Leben, beschließt Edvard Hoem, dem Leben und der Geschichte seiner Eltern nachzugehen. Er hat dafür über eine lange Zeit im Gudbrandsdal, dort wo sein Vater sein Leben lang als Laienprediger für die Innere Mission gearbeitet hat, schriftliche Zeugnisse ausgewertet und viele Menschen befragt, die ihm etwas erzählen konnten von den Familien und der Geschichte seiner Mutter und seines Vaters. Seine wichtigste Quelle war eine Art Tagebuch, in dem sein Vater über Jahrzehnte sorgfältig alle Bibelarbeiten und die Orte, an denen er sie gehalten hatte, notierte.
Aber Hoem geht in diesem außergewöhnlichen Buch noch weiter zurück. Er beleuchtet die Kindheit und Jugend seiner Eltern, lange bevor sich die beiden begegneten. Und so erfährt der Leser nicht nur viel über die konfessionelle Landschaft in Norwegen vor und nach dem Krieg, er liest von dem Leben und dem Alltag von einfachen Bauern, die, ohne bigottisch zu sein, ihr Leben unter das Wort Gottes stellen und den durch das Land wandernden oder mit dem Fahrrad fahrenden Predigern oft über Wochen Obdach geben, deren Mitarbeit auf dem Hof aber ablehnen, weil sie sich auf die Vorbereitung der abendlichen Andacht konzentrieren sollen, und die ihn ihren bescheidenen Bauernhöfen oft einen Bischofszimmer" genannten Raum haben, der nur für diese Prediger vorgehalten wird.
Wir erfahren viel über die schwere Zeit der deutschen Besatzung Norwegens und wie die Menschen dort damit umgegangen sind. Hoems Vater Knut, der Prediger, hatte 1940, kurz nachdem die Deutschen das Land überfallen und besetzt hatten, mit seiner hauptamtlichen Predigertätigkeit begonnen.
Knut hatte sich noch während des Kriegs in eine junge Bauerstochter verliebt, sich mit ihr auch verlobt. Doch die Verlobung wurde wieder gelöst, weil er weder auf dem Hof seiner Eltern der ewige Sohn sein wollte, noch auf dem Hof der Eltern seiner Braut der Jungbauer. Er hatte schon früh sein Leben dem Wort Gottes geweiht, und hat von dieser Tätigkeit nicht gelassen bis er alt wurde.
Hoems Mutter Kristine hatte sich während der deutschen Besatzung in einen Soldaten verliebt und bekommt kurz nach der Kapitulation 1945, der Soldat hat sitzengelassen, ein Kind. Von den anderen als Naziflittchen verachtet, begegnet sie irgendwann dem Prediger Knut, der sie nach einiger Zeit des Werbens heiratet. Sie liebt ihn nicht, doch, wie das Eingangszitat beschreibt, sie wachsen zusammen. Sie führt den Hof während seiner langen Missionsreisen und wenn er über den Sommer zu Hause ist, packt er mit an, ohne jedoch jemals an der bäuerlichen Tätigkeit wirkliche Freude zu haben.
Hoems Buch ist der gelungene Versuch einer literarischen Annäherung an seine verstorbenen Eltern. Er tut es leise und zart. Dabei ist sein Buch nicht nur Biographie, sondern auch ein Stück Sozial- und Konfessionsgeschichte eines Norwegen, das längst vergangen und von der Moderne abgelöst worden ist. Auch wegen diesem Charakter des Buches hatte es in Norwegen einen solchen Erfolg.
Es ist eine bewegende Lektüre über Menschen, die ohne geistliche Strenge ihr Leben und ihren Alltag religiös interpretieren und dabei einen Sinn für ihr Leben finden.
Ich kann dieses außergewöhnliche Buch nur empfehlen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wunderbares Buch, 5. Juni 2008
In Norwegen wurde das Buch bereits kurz nach seinem Erscheinen zum Bestseller - kein Wunder, stehen doch die Geschichten der Eltern stellvertretend für mindestens eine Generation norwegischer Bauern. Das Buch vereint also Zweierlei: zum einen die individuelle "Geschichte von Mutter und Vater", zum anderen aber auch eine Geschichte der norwegischen Gesellschaft und des norwegischen Lebens einer Zeit, die geprägt ist von Armut und harter Arbeit, von Tradition und christlichem Glauben, vom Zweiten Weltkrieg und deutscher Besatzung. So spürt Hoem auf sehr liebevolle Art und Weise den Geschichten seiner Eltern nach und zeichnet zugleich ein Bild des Lebens im ländlichen Norwegen der dreißiger und vierziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
Langsam, zärtlich und leise nähert sich der Autor dem Leben zweier Menschen an, die ihm nahe stehen, nicht jedoch dem Leser. Ein grundsätzliches Interesse an individuellen Lebenswegen sollte man also haben, wenn man dieses Buch mit Freude lesen will. Nicht jeder wird der ruhigen Art des Autors viel abgewinnen können oder auch der Geschichte zweier Eltern, die in einem Norwegen aufwachsen, das es nicht mehr gibt.
Allen anderen aber sei "Die Geschichte von Mutter und Vater" sehr empfohlen, denn Hoem schreibt gefühlvoll, aber nicht pathetisch. Sein Buch rührt den Leser, wirkt aber niemals rührselig. Die beiden Hauptfiguren werden immer liebevoll betrachtet, nicht jedoch unkritisch oder unreflektiert. Hoem schafft mit seiner Sprache eine schöne Balance zwischen Distanz und Nähe. So wird die Suche für den Leser nachvollziehbar und zugleich wird die Geschichte der Eltern aus ihrer Individualität herausgehoben und steht exemplarisch für eine ganze Generation. Zudem ermuntert das Buch den eigenen Eltern neu zu begegnen, ihre Träume und Hoffnungen zu ergründen, ihre Lebenswege nachzuzeichnen und sie so vielleicht neu oder anders zu verstehen.
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