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Produktinformation
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Zu der Zeit, als ich noch auf Bäume kletterte, lebte in unserem Dorf ein Mann mit Namen >Herr Sommer<. Kein Mensch wußte, wie Herr Sommer mit Vornamen hieß, und kein Mensch wußte auch, ob Herr Sommer einem Beruf nachging. Obwohl man über die Sommers und insbesondere über Herrn Sommer so gut wie nichts wußte, kann man doch mit Fug und Recht behaupten, daß es im Umkreis von mindestens sechzig Kilometern um den See herum keinen Menschen gab, Mann, Frau oder Kind - ja nicht einmal einen Hund -, der Herrn Sommer nicht gekannt hätte, denn Herr Sommer war ständig unterwegs. Es mochte schneien oder hageln, es mochte stürmen oder wie aus Kübeln gießen, die Sonne mochte brennen, ein Orkan im Anzug sein, Herr Sommer war auf Wanderschaft.
»Eine klassische Novelle.« Der Spiegel Hamburg
»Die typische Süskind-Mischung aus teils poetisch Zartem, teils Gewitztem.« Joachim Kaiser Süddeutsche Zeitung, München
»Patrick Süskind erzählt mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit, die dennoch nichts vom Schmerz der frühen Jahre unterschlägt. Er trifft genau den richtigen Erinnerungston zwischen Komik und Sehnsucht.« Werner Fuld / Frankfurter Allgemeine Zeitung -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .
"Die Geschichte von Herrn Sommer" ist eine merkwürdige Geschichte. Sie wird uns erzählt von einem älteren Mann, der sich an Erlebnisse aus seiner Kindheit erinnert. Diese Erinnerungen schlagen Purzelbäume; sie tauchen so schnell und ungeordnet auf, daß sie den Erzähler förmlich überholen. Die ersten drei Seiten kommen ohne Punkt und Komma aus; der Erzähler rennt durch seine Kinderwelt, und rennt und rennt, und rennt, und er rennt genauso schnell wie einst Herr Sommer rannte. Egal, wo sich der Erzähler als kleiner Junge herumtrieb: Stets eilte Herr Sommer auf seinen zwei storrigen Beinen unter Zuhilfenahme seines Stocks, den er wie ein drittes Bein bewegte, vorbei. Niemand, der Herrn Sommer nicht kannte; jedem Kind, ja! jedem Hund war Herr Sommer ein Begriff. Doch: letztlich kannte ihn niemand wirklich. Das Rasen dieses Mannes verwirrte das Kind sehr, hatte es doch selbst alle Zeit der Welt. Nun aber, da der Junge von damals selbst ein Mann etwa im Alter jenes - soviel sei verraten - inzwischen verstorbenen Herrn Sommers ist, rast auch er - und zwar beim Erzählen. Er rast und rast und rast, daß dem Leser schwindlig wird. Und die Erinnerungen sind so komischer Natur, daß sie Lachkrämpfe hervorrufen, und daß die Tränen nur so an den Wangen hinunterlaufen. Und seine Sprache ist so leicht, daß wir die Geschichte ohne eine einzige Unterbrechung bis zum Schluß miterleben wollen.
Der Schluß ist tragisch. Zumindest erscheint er uns so; das Lachen bleibt uns im Halse stecken, und wir wünschen uns, die Geschichte, die wir hautnah miterleben durften, niemals gehört zu haben. Sie macht uns hilflos, sie macht uns verlegen, sie macht uns ohnmächtig. Sie stellt uns vor schwierige Rätsel, deren Lösungen wir nur spekulieren können. Doch wir können dieses Buch nicht erleichtert aus der Hand legen, ohne das Ende verstanden zu haben.
Ich kenne niemanden, der eine plausible Erklärung für die zuletzt geschilderten Erlebnisse nach der ersten Lektüre hatte, und manch einer hat sie auch nach der zehnten noch nicht. Doch es gibt sie. Und kaum daß wir sie erkannt haben, müssen wir die Geschichte von Herrn Sommer hassen und lieben zugleich. Keine andere Geschichte kommt so einfach und beschwingt daher und ist doch so schwer und bedrückend. Patrick Süskind hat mit dieser Erzählung ein ganz großes Stück Literatur geschaffen, und sie sollte - früher oder später - einem Literaturkanon beigefügt werden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Herrn Sommer kennt Jeder; er ist der Mann, der bei jedem Wetter und zu jeder Stunde schnellen, hastigen Schrittes spatzieren geht- tagein, tagaus.
Herr Sommer ist stets gegenwärtig, fast wie ein Spiegelbild, ein Schatten oder ein Gewissen.
Man hat das Gefühl, dass der Erzähler mit der gleichen Geschwindigkeit durch seine Kindheitserinnerungen eilt, wie Herr Sommer durch die Landschaft.
Die Nachbarn sprechen oft über ihn, sie versuchen sich sein Verhalten zu erklären; Zitat: "Herr Sommer hat Klaustrophobie, und das ist eine Krankheit, bei der man nicht mehr ruhig in seinem Zimmer sitzen kann."
Aus diesen und anderen Erklärungsversuchen wird deutlich, dass Herrn Sommer keine Lebensqualität eingeräumt wird. Doch in Wirklichkeit ist er ein Synonym für das Leben zu dieser Zeit und zugleich für alle Menschen, die er umgibt ohne dass sie es erkennen.
Patrick Süskind hat es geschafft die Frage an das Leben mit einer humorvollen und witzigen Beschreibung einer Kindhheit zu einer Symbiose zu vereinen.
Während des Lesens musste ich oft schmunzeln, da ich mich in vielen so treffend beschriebenen Situationen wiederfand; wie zum Beispiel in der Szene mit der Klavierlehrerin, die an Witz und Einmaligkeit kaum zu übertreffen ist.
Ich empfehle dieses Buch Jedem, der sich gerne nocheinmal an die Sehnsüchte und an die Verwirrung erinnert, die das Kindsein mit sich brachte und Denen, die bereit dazu sind sich über die Kürze und die Schnelligkeit des Lebens Gedanken zu machen.
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