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sozusagen als Gastgeschenk begehrte. Die Frau konnte man die ganze Geschichte keinesfalls erzählen." -
dieser Rothsche Satz macht auf der Buchklappe dem potentiellen Leser Appetit auf die Geschichte. Eine
Geschichte, die an den berühmten Film ,,Ein unmoralisches Angebot'' erinnert, allerdings über ein
halbes Jahrhundert älter ist, erzählt von einem Meister der Sprache: Joseph Roth. Märchenhaft mutet
nicht nur der Titel an, der stark an die berühmte Sammlung aus dem Orient erinnert, sondern auch die
Rahmenhandlung der Geschichte: Der (zweimalige) Besuch des Schahs von Teheran in Wien. Alle weiteren
Geschehnisse wirken eher irreal und absurd als märchenhaft. Taittinger, Vertreter des österreichischen
Militärs, hat es eigentlich auf die Gräfin W. abgesehen, doch als diese ihm den Laufpass gibt, wähnt
er ihre Doppelgängerin gefunden zu haben: Die Mizzi Schinagl. Er geht eine Liason mit ihr ein, jedoch
nur, bis sie ein Kind von ihm erwartet. Zufällig hat es auch der Schah auf die Gräfin W. abgesehen -
er fordert sie für eine Nacht, was jedoch der Moral im Lande nicht entspricht. Also wird ihm die Mizzi
aufgeputzt und zugeführt, Mizzi, die inzwischen im Freudenhaus ihr Dasein fristet. Joseph Roth der
große Moralist, der Menschen und ihre Träume, Sehnsüchte, Nöte kennt wie kaum ein anderer läßt
Verstrickungen deutlich werden, die fern der angeblichen Moral liegen. Er deckt (Selbst)lügen auf und
menschliche Fehler. Niemand ist frei von Schuld, niemand ist makellos. ,,Mit Menschenkenntnis,
Sprachgewalt und echter, liebesgieriger Verzweiflung schafft Roth die stummen Tragödien der schlichten
Herzen, die intelligente Poesie im Dasein der Einfältigen, das wunder-volle Leben der Leute von der
Straße, in den abgelegenen kleinen Städten. Er malt einen alt-österreichischen Exotismus, eine Art von
verschollenem und märchenhaftem Wild-Ost.'' - so fast der Roth-Kenner Hermann Kesten zusammen. Auch in
der Geschichte von der 1002. Nacht besticht Roth wieder mit seiner so typischen klangvollen Sprache,
mit seiner Melancholie und Sehnsucht. Eine liebenswerte Erzählung, ein faszinierendes Werk der genauen
Beobachtung. Ein Text, der uns immer wieder Spiegel sein kann.
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