Die Autorin Silvia Kirschner berichtet in ihrem Buch über den ca. achtjährigen Leidensweg eines depressiven Mädchens vom Teenageralter bis zur jungen Frau. Dabei beschreibt die junge Maria in Tagebuchausschnitten ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle während ihrer schlimmsten Zeit; Dinge, die sie nicht mit ihren Eltern besprechen möchte und kann, trägt sie lange mit sich selbst herum und vertraut diese nur nach und nach ihren Freundinnen an. Es ist ein Auf und Ab der Gefühle und Stimmungen. Einzig ihre Schulkameradinnen spielen dabei als emotionale Bezugspartner eine stützende Rolle und helfen ihr immer wieder über besonders schwierige Momente hinweg. Eine weitere Bezugsperson, die das Ende der Geschichte wesentlich prägt, stellt ihr erster Freund dar, der bis zuletzt an eine Genesung Marias glaubt.
Die authentischen Tagebuchaufzeichnungen sind gekonnt in eine auktoriale Gesamtgeschichte eingebettet und dienen gleichsam als Momentaufnahmen innerhalb der berichteten Krankheitsentwicklung. Von den ersten unergründbaren Traurigkeitszuständen der Betroffenen über depressive Schübe mit Selbstverletzungsgedanken bis hin zu ernstzunehmenden Todessehnsüchten wird ein sehr persönliches aber auch realistisches Verlaufsbild der Depressionssymptomatik wider gegeben. Dieses Buch entspricht somit einem persönlichen Erfahrungsbericht. Wer reißerische Höhepunkte in der Handlung vermutet, irrt allerdings. Die Langatmigkeit und Eintönigkeit der Tristesse, die nun einmal in dieser Symptomatik liegt, wird dem Leser vielleicht etwas Geduld abverlangen. Aber gerade da heraus, wird der Leidensdruck der depressiven Persönlichkeit sehr deutlich. Den Verlauf einer lang andauernden Depression so zu beschreiben, dass der Leser nicht das Interesse verliert, erfordert deshalb ein gewisses Geschick, welches die Autorin bewiesen hat.
Das Buch empfehle ich nicht als Fachbuch über Depressionen, sondern als Erfahrungsbericht zum Reflektieren über das Krankheitsbild. Menschen, die selbst darunter leiden, können sich nach meinem Erachten vor allem in den Tagebucheintragungen wiederfinden.
Fazit: Eine gelungene Darstellung eines individuellen Krankheitsverlaufs mit fachlichem Analyse- und Wiedererkennungswert.