Die DVD versucht, die Entwicklung der deutschen Kriegsmarine zwischen den Jahren 1914 bis 1945 in "umfassender Form" nachzuzeichnen. Dies gelingt der Dokumentation auf den ersten Blick recht gut. Farbaufnahmen sind zwar eher die Ausnahme, aber das Bildmaterial vermittelt zumindest einen Eindruck vom Werdegang und Schicksal der deutschen Seestreitkräfte in diesen gut 30 Jahren. Besonders imposant sind dabei die Aufnahmen von einem Bachstelze-Hubschrauber, der von einem U-Boot startet. Da kann man auch verschmerzen, daß die Aufnahmen vom Untergang des K.u.k. Schlachtschiffes "Szent Istvan" in der Aria zur Illustration der Skagerrak-Schlacht Verwendung finden. Oder daß vom Untergang der "Scharnhorst" Weihnachten 1943 im Eismeer berichtet wird und dann urplötzlich zurückgeblendet und das im Mai 1941 versenkte Schlachtschiff "Bismarck" gezeigt wird. Oder daß man in Passagen über den Krieg im Mittelmeer die "Gneisenau" zeigt, die niemals dort im Einsatz war. Viel schlimmer sind Ungenauigkeiten, ja Falschaussagen, im Filmkommentar. An erster Stelle möchte ich hier die Aussage nennen, ein gewisser "Hendriksen" sei im Ersten Weltkrieg Kommandant des deutschen U-Bootes U 9 gewesen. U 9 versenkte am 22.9.1914 hintereinander drei englische Panzerkreuzer und sein Kommandant war Kapitänleutnant Otto Weddigen. Wer "Hendriksen" war, weiß ich nicht. Aber einen damaligen Volkshelden und Pour le Merite-Träger im Film falsch zu benennen, stellt den Machern der DVD kein gutes Zeugnis aus. Auch die Aussage, das Passagierschiff "Lusitania" habe "auf Bitte der Briten" eine Kursänderung in u-boot-verseuchte Gewässer vorgenommen, ist unklar. Die "Lusitania" ist ja ein britisches Schiff. So aber fehlt die Angabe der britischen Institution, die den Dampfer zum Kurswechsel veranlaßt hat. Der von den Briten versenkte deutsche Zerstörer war nicht die "Eckholdt", sondern korrekt die "Friedrich Eckholdt". Wenn es heißt , die "Armee kämpfte auf verlorenem Boden", ist richtigerweise das Heer gemeint. Schließlich muß es zum finalen Luftangriff auf das Schlachtschiff "Tirpitz" heißen, ein Turm explodiert und nicht "der Turm explodiert". Das Schiff hatte vier schwere Geschütztürme. Zu guter Letzt sei noch angeführt, daß die These, Roosevelt habe bereits vorab vom Angriff der Japaner auf Pearl Habour gewußt und diesen billigend in Kauf genommen, um die Bevölkerung kriegsbereit zu machen, zumindest umstritten ist. In der Dokumentation wird sie als Fakt dargestellt. Die Firma PolarFilm produziert normalerweise gut recherchierte militärgeschichtliche Filmdokumentationen. Die DVD zur Geschichte der deutschen Kriegsmarine gehört leider nicht in diese Kategorie.