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Die Geschichte der Wolken: 99 Meditationen
 
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Die Geschichte der Wolken: 99 Meditationen [Gebundene Ausgabe]

Hans Magnus Enzensberger
2.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 152 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 4 (17. März 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518413910
  • ISBN-13: 978-3518413913
  • Größe und/oder Gewicht: 24,2 x 16 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 259.041 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Hans Magnus Enzensberger
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Produktbeschreibungen

Amazon.de Hörbuch-Rezension

Wer sonst würde sich Gedanken über so etwas Flüchtiges wie die Wolken machen, wenn nicht die Dichter und Träumer: „Ihre hohen Wanderungen / sind ruhig und unaufhaltsam. / Es kümmert sie nichts. / Wahrscheinlich glauben sie / an die Auferstehung, gedankenlos / glücklich wie ich, der ihnen / auf dem Rücken liegend / eine Weile zusieht“. Der Blick zum Himmel kann froh stimmen, aber uns auch Gelassenheit und Bescheidenheit lehren. Die Wolken haben keine Ahnung vom Sterben, „ihrer Vergänglichkeit kann sowieso keiner das Wasser reichen“.

Von der Geschichte der Wolken handeln nur 12 der 99 Gedichte, aber der Wolkenzyklus gibt den Ton vor für die restlichen “Meditationen“: Schwebend, heiter-melancholisch und vielgestaltig. Hans Magnus Enzensberger ist mit 75 längst nicht mehr der „angry young man“ der deutschen Lyrik. Politische Gedanken findet man noch da und dort, aber gleichzeitig erlaubt er sich, neben den Wolken weitere scheinbare Nichtigkeiten ins Visier zu nehmen: Gedichte über Knöpfe ebenso wie über die Kartoffel, schwarze Schwäne, Hausschlüssel und Fischmesser oder „die Schneeflocke auf dem flaumigen Arm einer Frau“. Und gleichzeitig hat sich da hörbar einer die Neugier und das Staunen erhalten, auch nach so vielen Jahren des Dichtens ein „ewiger Anfänger, der du, solange du denken kannst, bist“.

Weise, gelassen und altersmilde klingt auch Enzensbergers Stimme in diesem Hörbuch. Gerade, wenn man alle Gedichte nacheinander hört, sie akustisch ineinander übergehen und einen großen Bogen spannen, spürt man, was es mit dem Untertitel „Meditationen“ auf sich hat. „Mit dem Rücken zur Gegenwart / an die Reling gelehnt / sieht man weiter / sogar im Dunkeln. [...] So bemerkt man manches / erwartet wenig / versäumt nichts“

Spieldauer: ca. 105 Minuten, 2 CDs, ungekürzte Autorenlesung. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Zeit, 05.06.2003
Man könnte gleich am Anfang der Besprechung durch Jochen Jung stutzig werden: selten beginnt eine Rezension mit solchem Generallob des Autors, selbst wenn selbiger, 73-jährig "altersheitere Gedichte", wie die Unterzeile zur Rezension verheißt, vorgelegt haben soll. Auch das Lob des "mit Aufwand" hergestellten Buches macht misstrauisch - und so wartet man nicht vergebens auf die Kritik der vorgelegten Gedichte. Mit einem "na ja" und einem "nun denn" kommentiert Jung ein paar der "hübsch beschriebenen" Dinge, die in den letzten Zeilen der Gedichte dem Leser dann eben doch eher belehrend vor die Nase gehalten werden. Jung nennt es darauf "aufmerksam machen wollen", was ihm am Essayisten Enzensberger über die Jahre so gefallen hat, am Dichter jedoch wohl weniger beeindruckt. Dennoch gibt es am Ende wieder Lob, insbesondere für die titelgebenden Wolkengedichte. Hier zeigt Enzensberger, "der immer schon das leichte, Federnde, Zauberische und Veränderliche geliebt und beherrscht hat", etwas, das einfach nur da ist, wenn "nicht wichtig, dann doch widerspruchsfrei, unmissverständlich und glorios". Soll also, nach so vielem Denken, am Ende nur "das Wetter" übrig geblieben sein, fragt Jung sich selbst. Aber nein, es sind, wie Enzensberger selbst sie genannt hat, "Meditationen", schreibt Jung, und erklärt sich wieder ganz einverstanden mit dem von ihm so Bewunderten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 30.06.2003
Ein Poet befindet sich stets auf der Suche nach neuen Metaphern, und so behilft sich die jüngste Lyrik häufig mit Formeln aus dem Fundus der Naturwissenschaften, behauptet Ijoma Mangold und bezeichnet diesen Semantik-Transfer als "in aller Regel eine poetische Erschleichung" oder auch als "verschwiemelte Synthese aus Präzision und Mysterium", der selbst Hans-Magnus Enzensberger seiner Meinung nach schon häufiger erlegen ist. Im neuesten Gedichtband ist das alles ganz anders, beteuert Mangold. Zwar nehme Enzensberger Naturphänomene ins Blickfeld, doch gerade dort, wo der Reduktionismus der Naturwissenschaften das Phänomen selbst zu beseitigen droht, erklärt Mangold seine Begeisterung, schalte sich der Lyriker Enzensberger ein und verhelfe der "emergenten Form" zu ihrem Recht. Ein flüchtiges Recht, weil ein flüchtiges Phänomen, und gerade deshalb könne man sich eigentlich gar keinen besseren Gegenstand vorstellen, gesteht Mangold, da Wolken ununterbrochen Bedeutung erzeugen und wieder auflösen. Der Wolken-Zyklus bildet den Abschluss des Gedichtbandes, der für Mangold eine ungeheure ästhetische Leichtigkeit birgt, so dass er sich, gesteht er, manches Mal gefragt habe, ob nicht die Grenze zur Leichtfertigkeit überschritten sei. Aber nein, winkt er ab, das Leichte gelte es als kostbares Gut zu hüten, eine moralische Implikation, die Enzensberger in geglückter Form reflektiere.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sehr weich gezeichnet 19. September 2003
Von Klaus Grunenberg VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Enzensberger kann anders. Das weiß jeder, der ihn kennt.
Hier in seinen 99 Meditationen zeichnet er weich und milde ist sein Geist. Und das ist gut so.

Wenn man mit Leuten über Dichter spricht, über Lyriker, dann hört man oft die Meinung: mit dem Alter, da geht es dann bergab!

Ja, das hört man dann und wieget seinen Kopf und meint, einen guten Griff getan zu haben in die Kiste der Begriffe.

Doch hier in seinen 99 Meditationen gibt ein ganz Großer seines Faches einen Abriss über sich.

Das heißt, er öffnet sich. Und was immer das bedeuten mag, mir bedeutet es viel, wenn jemand so distanziert über seine Beobachtungen spricht und wenn jemand z.B. so liebevoll über sein Frau redet, nein malt.
"Ruhige Gespräche beim Dichter im vierten Stock,
eingeschneit in seine Manuskripte,..."
heißt es in einem seiner Texte.

Und so sehe ich ihn. Hut ab vor dem Künstler, der sich als Mensch zeigt!

War diese Rezension für Sie hilfreich?
21 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von oben herab 30. März 2003
Format:Gebundene Ausgabe
1957 betrat ein 28-jähriger mit einem Gedichtband die literarische Bühne und revolutionierte und prägte sie nachhaltig mit seinem Erstlingswerk und zahllosen, in dichter Folge erscheinenden Büchern. „verteidigung der wölfe" hieß der Band, in dem sich Gedichte wie „Bildzeitung" fanden, die seither in keiner Anthologie moderner Lyrik fehlen dürfen, und Hans Magnus Enzensberger der „zornige junge Mann", wie ihn Alfred Andersch nannte. Hier sprach ein neuer Dichter mit einer unverkennbaren eigenen Stimme, setzte Reim wie freien Vers gleichermaßen gekonnt ein, beherrschte überdies die verschiedensten Gedichtformen, verfügte über enormes Wissen und Esprit und - wohl das Entscheidenste, das programmatisch sein ganzes Werk auszeichnen sollte - sah keinen Widerspruch zwischen Poesie und Politik, im Gegenteil: sie waren und blieben ihm untrennbar miteinander verbunden, eines Bedingung des anderen. Kein Wunder, daß da in der Rezeption schnell Namen wie Heinrich Heine und Theodor W. Adorno bei der Hand waren, Clemens Brentano natürlich auch, über den Enzensberger 1955 promoviert hatte, und Peter Rühmkorf, mit dem ihn nicht nur das gleiche Geburtsjahr, sondern auch eine ähnliche Sicht auf Wirklichkeit und Literatur verband.
Als dann 1960 sein zweiter Gedichtband „landessprache" und das „Museum der modernen Poesie" erschienen - eine beispiellose Sammlung von damals im deutschsprachigen Raum kaum bekannten und hier erstmals übersetzten Dichterinnen und Dichtern der Welt, die ungeahnte Bezüge über alle (Sprach-)Grenzen hinweg herstellte -, war klar, daß man es nicht nur mit einem begabten Dichter, sondern im besten Sinn des Wortes „poeta doctus" zu tun hatte. 1963 erhielt Enzensberger als bis dahin jüngster Dichter den Büchner-Preis.
Zu dem in den folgenden Jahrzehnten stetig wachsenden vre zählen neben Gedichten v.a. zahllose Essays, Romane, Dramen, Opernlibretti, Kinderbücher und Übersetzungen. Besonders hervorzuheben die Gründung der Zeitschriften „Kursbuch" (1965) und „TransAtlantik" (1980) sowie die Herausgabe der „Anderen Bibliothek" (seit 1985) und das unter dem Pseudonym Andreas Thalmayr erschienene „Wasserzeichen der Poesie" (1989), mit denen er sich in die nicht nur deutsche Geistesgeschichte einzuschreiben vermochte.
Dennoch war Enzensberger nie unumstritten. Von Dandy und Snob war immer wieder zu lesen, von einem Hans Dampf, einem Chamäleon und einem Mann mit untrüglichem Riecher für den richtigen Zeitpunkt, einem Vielschreiber und Sammler, der sich die Arbeit anderer gekonnt zu Nutze mache. Kein Wunder bei einem Dichter und Denker, der sich formal wie inhaltlich immer wieder weit hinauslehnt und damit Angriffsflächen genug bietet - und dies nicht nur für Gegner und Neider.
Warum ich so weit aushole, hat mit seiner jüngsten Publikation zu tun: „Eine Geschichte der Wolken" heißt sie und trägt den Untertitel „99 Meditationen". Vorangestellt ist als Motto ein Satz von Andrew Marvell, einem Pamphletisten und Vertreter der Metaphysischen Dichter Englands des 17. Jahrhunderts, was wohl einen Hinweis auf die Ausrichtung der versammelten Texte geben soll: politisch und religiös; und - das evoziert der Untertitel - meditativ. Doch damit beginnt schon das erste Problem: Titel, Untertitel und Motto wecken Erwartungen, die die Texte nicht einlösen, handelt es sich doch um Gedichte und, allzu oft, Predigten in belehrendem Tonfall, aber nicht um Meditationen - es sei denn, man bezeichnete damit jede über Gott und die Welt reflektierende und wie in diesem Fall räsonierende Äußerung. Aber auch die Gattungsbezeichnung „Gedicht" ist unbefriedigend. Gewiß, einige wenige Texte sind gereimt, alle verfügen über Verse und die meisten über Strophen, aber ein besonderer Gestaltungswille - also gerade das Merkmal von Poesie im allgemeinen und Enzensbergers Lyrik im speziellen - fehlt hier. Man ist geradezu verleitet, von Prosa im Zeilenbruch zu sprechen, um nicht gleich das berüchtigte Diktum Marcel Reich-Ranickis von den „Gedachten" (statt Gedichten) zu zitieren.
Irgendwie beschleicht einen das Gefühl, der Autor habe es sich mit den vorliegenden Texten leicht gemacht, und das trifft auch auf den Inhalt zu: zu beliebig erscheint die Zusammenstellung der Texte, zu oberflächlich, ja geradezu plakativ viele Äußerungen. Natürlich finden sich auch treffende, aphorismusartige Sätze („Unser Gehirn / ist zu klein, um zu begreifen, / wie klein es ist."), daneben aber leider sehr viele sprachliche wie inhaltliche Entgleisungen, die wohl in keiner Schreibwerkstatt durchgingen („die beiden Wärmen"; „Am besten, ihr fallt / übereinander her, so lange, / bis keine Gekränkten / mehr übrig sind."); dazu kommen der predigthafte Ton (den Enzensberger allerdings nur allzu gerne und schon seit seiner ersten Publikation anzuschlagen bereit ist), die bevorzugt am Textende angesiedelte moralisierende Anrede des Lesers bzw. des lyrischen Ichs („und du?", „Ob das gesund ist?") und der Blickwinkel dessen, der weiß, wo und wie es langgeht. Schlimmer aber wiegt in vielen Texten die fragwürdige Aussagerichtung: zu mißverständlich (oder zu salopp) artikuliert sich hier der Dichter. Wenn er z.B. in dem Gedicht „Immer kleiner werdende Unterhaltungen" nach dem Vers „o Wissenschaft! Ecstasy! Euthanasie!" schlußfolgert „Manchmal ist man froh, / daß manche der Ewiggestrigen / unter den Jüngeren / noch ein paar Fragen haben.", dann drängt sich die nicht unwichtige Frage auf, was seiner Meinung nach unter „Ewiggestrigen" zu verstehen sei, welche Fragen diese im Zusammenhang mit Euthanasie wohl stellen würden und v.a. warum man darüber froh sein soll.
Davon macht selbst das zwölfteilige Titelgedicht keine Ausnahme, das überdies keine Geschichte der Wolken, sondern, wenn schon, eine über die Wolken ist und zudem mit esoterischen Anflügen oder, je nach Lesart, verunglückten Bildern oder - auch das wäre in Betracht zu ziehen - schwer zu folgender Ironie aufwartet („Wolkenarchäologie - eine Wissenschaft / für die Engel."; „Wahrscheinlich glauben sie die Wolken / an die Auferstehung").
„meine weisheit ist eine binse" - so beginnt Enzensbergers erstes Gedicht seines ersten Gedichtbandes, was sich durchaus als (Lebens- und poetisches) Motto lesen läßt. Allerdings scheint der Autor vergessen zu haben, wie er es weitergehen ließ: „schneide dich in den finger damit / um ein rotes ideogramm zu pinseln."
„Was wird mit ihm geschehen, wenn der Zorn einmal nachläßt, wenn nicht mehr Empörung die leichte Hand regiert?" fragte bereits 1958 Alfred Andersch. Ich fürchte, Hans Magnus Enzensberger hat uns mit diesem Buch seine Antwort gegeben.
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5 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von 2ve
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Ich bin sicher, daß, würde ein junger, noch vor seinem Debut stehender Autor das Manuskript mit den 99 Medidationen zu Suhrkamp schicken, man ihm die Publikation verweigern würde. Enzensberger hingegen hat schon einen Namen, das macht es leichter.

Mag sein, daß ich ihm hier Unrecht tue.
Mag sein, daß ich vielleicht zu schnell Urteile.
Mag sein, daß ich Nuancen übersehe.

Ganz ohne Zweifel hat Enzensberger für die deutschsprachige Dichtung enorm viel geleistet. Er wird als einer der Großen Literaten der Nachkriegszeit in die Geschichte eingehen. Aber es scheint, daß er in diesem Buch die Altersmilde etwas zu weit getrieben, die Altersweisheit etwas zu sehr auf das Banale, Augenfällige angewendet hat. Gewiß, das Banale, Alltägliche birgt für den Kontemplativen die Tiefen des Seins, darin hat der Autor vollkommen Recht. Aber hätte die dem Seienden innewohnende Tiefe, das Wunder der Dinge, nicht auch etwas mehr Dichtung, etwas mehr sprachliche Tiefe verdient ?

Enzensberger bleibt zu sehr an der Oberfläche, das Thema hätte ein wundervolles Buch ergeben können.

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