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Die Geschichte der Medien, Band 2: Medien und Öffentlichkeiten im Mittelalter 800 - 1400: BD 2
 
 
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Die Geschichte der Medien, Band 2: Medien und Öffentlichkeiten im Mittelalter 800 - 1400: BD 2 [Broschiert]

Werner Faulstich

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Neue Zürcher Zeitung

Literatur

Von der Höhlenzeichnung zum Online-Dienst

Eine ambitionierte Mediengeschichte im Überblick

Die lange Geschichte der Medien von den Höhlengraffiti bis zu den Online-Diensten will Werner Faulstich in insgesamt zehn Bänden darstellen. Mittlerweile sind die ersten Bücher des beeindruckenden Unterfangens erschienen. Dieses Zwischenergebnis von Faulstichs Vorhaben, einen Gesamtüberblick zu schaffen, dürfte deswegen nicht nur Medienpädagogen interessieren, weil der Autor weit über die bisher der Mediengeschichte zugeordneten Sachverhalte hinausgreift – in zeitlicher, räumlicher und fachbezogener Hinsicht.

Kulturgeschichtlich interessierte Leserinnen und Leser finden in den drei Bänden eine grosse Menge an mediengeschichtlich interessanten Fakten. Dass der Medienbegriff auf Grund seiner Erweiterung noch unklarer wird, als er es bis anhin bereits ist, wäre angesichts des Informationswertes der infolgedessen hinzukommenden Quellen und Sachverhalte zwar in Kauf zu nehmen. Allerdings macht Faulstich weder Angaben zu deren Auswahl, noch begründet er sein Vorgehen. Angesichts der Gefahr der dadurch aufkommenden Beliebigkeit wiegt dieser Vorwurf schwerer.

Faulstich unterscheidet zwischen «Menschmedien», «Gestaltungsmedien» und «Schreibmedien». Dies erlaubt es – mit Blick auf die Altertumswissenschaft, die Kunst-, Literatur- und Theaterwissenschaft sowie die Ethnologie –, die Ausdifferenzierung und Funktionsverschiebung der «Medien» im Verlauf der Zeiten zu schildern. Die Untersuchung von «kulturellen Verständigungsformen» bezieht etliche Themenbereiche ein, welche der Medienwissenschaft bisher fremd gewesen sind.

Abgesehen von der wissenschaftstheoretischen Schwierigkeit, diese Medienkulturgeschichte als Metawissenschaft zu positionieren, kann der Autor nun die Entwicklung von den Menschmedien über die Gestaltungsmedien zu den Schreibmedien skizzieren. Im ersten Band (Altertum bis 800 n. Chr.) schildert er den Weg von der kultischen Medienkommunikation unter Menschmedien zur kulturellen Medienkommunikation. Im zweiten Band (Medien und Öffentlichkeiten im Mittelalter) wird der Übergang von den Menschmedien zu den Schreibmedien anhand der Ausbildung bezeichnender Teilöffentlichkeiten (Dorf, Hof/Burg, Stadt, Kloster/Universität, Kirchenraum) erörtert. Im dritten Band zur Medienkultur der frühen Neuzeit (1400–1700) kommt die Geschichte der Medien «zwischen Herrschaft und Revolte» zur Sprache.

Infolge ihrer konzeptionellen Anlage eröffnet Faulstichs Arbeit Einblicke in die abendländische Kulturgeschichte. Diese in der Perspektive der Entwicklung der Medien vorstellen zu können, ist das Verdienst des Autors. Wissenschaftstheoretische Probleme dürften den kultur- und mediengeschichtlich orientierten Lesenden angesichts des Materials, das Faulstich unter einer diskussionswürdigen These präsentiert, kaum stören. Für die Medienwissenschaft und die Medienpädagogik allerdings bringt Faulstichs Mediengeschichte eine Reihe von Herausforderungen mit sich, die dann zu diskutieren sein werden, wenn die geplanten Bände erschienen sind.

Hans-Ulrich Grunder

Kurzbeschreibung

Die Medien im Mittelalter: kommunikative Funktion, soziale Bedeutungm historische Entwicklung Über das Mittelalter sind in den letzten Jahren viele Bücher erschienen. Sie behandeln Herrscher und Ritter, den Klerus, Klöster, Städte und Bürger, Bauern und Bettler. Über die Kommunikation und die Medien im Mittelalter dagegen erfährt man fast nichts. Aber auch damals haben die Menschen über große Entfernungen miteinander kommuniziert, sind Nachrichten verbreitet, ist Wissen gespeichert worden, gab es Propaganda und Unterhaltung - ohne Kino und Fernsehen, ohne Zeitung, Telefon und EDV. Medien im Mittelalter? Selbstverständlich, nur andere als heute. Auch im Mittelalter war das Leben zu einem wesentlichen Teil von Kommunikationsmedien bestimmt. Werner Faulstich zeigt, daß die mittelalter-liche Ständeordnung in medienwissenschaftlicher Sicht als ein System unterschiedlicher Teilöffentlichkeiten, d.h. bestimmter, aufeinander bezogener Kommunikationsräume zu verstehen ist. Und er stellt die verschiedenen Medien und ihre historische Entwicklung in Einzelstudien vor. Besonders zu erwähnen: viele Abbildungen. Text und Abbildungen zusammen führen vor Augen, wie beeindruckend die Bandbreite von Formen und Medien kultureller Kommunikation in jenen Jahrhunderten war. Manches Bekannte erscheint in neuem Licht, eine ganze Epoche der Medienkulturgeschichte wird sichtbar. Mit diesem Band beginnt eine auf zehn Bände angelegte "Geschichte der Medien" zu erscheinen. Inhalt Einleitung: Mediengeschichte im Mittelalter? / 1. Überblick: Mittelalterliche Teilöffentlichkeiten in der Konkurrenz von Kaiser und Papst / 2. Mediale Funktionen am Beispiel des Historiographen und der höfischen Rollen / 3. Die Medien der Burg / 4. Medien auf dem Land / 5. Klosterbibliotheken, Skriptorien, Händler: Das Schreibmedium Buch / 6. Mnemotechniken: Magister und Scholaren an der Universität / 7. Die Bedeutung der Bettelmönche als Medium / 8. Die Medien des Kirchenraums / 9. Von Oster- und Krippenspielen zum Theater als weltlichem Medium / 10. Das Theater auf dem Marktplatz der Stadt / 11. Die Fahrenden (Vaganten, Spielleute) als Medium / 12. Der Bedeutungswandel des Schreibmediums Brief / 13. Medien und Öffentlichkeiten im Mittelalter: Zusammenfassung Der Autor Dr. Werner Faulstich ist Professor für Medien und Öffentlichkeitsarbeit an der Universität Lüneburg.


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