Schwülstig, übertrieben:
Dafür schlage ich das Buch an einer beliebigen (!) Stelle auf: Die Freude an seiner einzigartigen Persönlichkeit - in Gestalt seines tief in mir steckenden Schwanzes - mischte sich mit dem Schmerz der Erinnerung an den Anblick seiner geliebten Männlichkeit im Geschlecht einer fremden Frau." S. 89, nur MasochistInnen lesen weiter!
Unreflektiert:
Die Geschichte der M." (ziemlich anmaßende Verballhornung der Geschichte der O") handelt von einer Frau, die behauptet, mit beiden Beinen im Leben zu stehen (eine häufige Einleitung für Geschichten dieser Art), und sich in einen dominanten Typen verliebt. Sie weiß zwar schon, dass sie devot veranlagt ist, aber er zeigt ihr, was das wirklich bedeuten kann. ER erzieht sie, ER zeigt ihr neue Dinge, ER ist beleidigt, wenn sie seine Meinung nicht gleich teilt, ER ist ihr Meister, sie himmelt IHN an. Das wäre ja noch in Ordnung, wenn die Autorin wenigstens darüber reflektieren würde. Tut sie aber nicht.
Uninteressant:
Anhand des Klappentextes glaubt man, einen Erfahrungsbericht über eine SM-Beziehung zu kaufen. Das stimmt nur bedingt. Eigentlich geht es um einen Typen, der seine Frau zum Swingen "erzieht". Das Buch beschreibt eine eineinhalbjährige Swingerbeziehung, deren Schilderung damit endet, dass das Swingen wieder aufgegeben wird. Wozu also die Lektüre?
Außerdem kommt im letzten Viertel noch ein bisschen pro-forma-SM vor: Der Meister ist ein Allroundgenie, das Peitschen selber bastelt und die Erzählerin in den siebten Himmel quält. Sehr bemüht.
Amerikanisch:
Extravagante Swingerclubs, perfekte Frauen mit großen Brüsten, der Meister mit seinem unglaublich großen Schwanz, dem kein anderer Kerl das Wasser reichen kann. So ein Schmonzes ist nur von einem amerikanischen Buch zu erwarten. Die Sprache ist außerdem typisch für eine amerikanische Übersetzung, auch wenn mir die Erfahrung fehlt, das genauer zu begründen.
Ein Lesenachmittag, der verschenkt wurde.