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Michael Nerlich, ausgewiesener Kenner von Umberto Ecos riesigem Werk und Verfasser mehrerer Bücher über diese italienische Ausnahmeerscheinung im zunehmend spezialisierten Kulturraum meint, "Die Geschichte der Hässlichkeit" sei von größerer Bedeutung als "Die Geschichte der Schönheit". Dem möchte ich auch deshalb zustimmen, weil das Hässliche nie die Aufmerksamkeit auf sich zog, die es schon allein wegen seiner Verbreitung verdient hätte. Gäbe es dank dem Reclam Verlag keine aktuelle Neuauflage von Karl Rosenkranz' "Ästhetik des Hässlichen" aus dem Jahre 1853, so würden wir bei der Definition des Hässlichen noch mehr im Dunkeln tappen, als wir es ohnehin schon tun.

Umberto Eco ist es nun zu verdanken, dass wir uns dem Hässlichen auch über seine künstlerische Darstellung annähern können und nicht allein auf sprachlich eingefangene Formalitäten angewiesen sind. Denn wie bereits bei der "Geschichte der Schönheit" wartet Umberto Eco mit einer Fülle an Bildmaterial auf, das so einzigartig und beeindruckend ist, dass ich bei der Bewertung keine Sekunde überlegen oder nach Kritikpunkten suchen musste. Und Eco überzeugt einmal mehr nicht nur durch sein fabelhaftes enzyklopädisches Wissen, sondern auch durch seine Kenntnisse des aktuellen Geschehens. So finden wir in den letzten beiden Kapiteln "Der Geschmack der anderen, Kitsch und Camp" und "Das Hässliche heute" Bildmaterial, das vielen unbekannt sein dürfte. Allein dass Eco auch das Gemälde "Basement Bunker: Painted Queen Small Blue Room" von Paul McCarthy, das Plattencover von Barry Godber für King Crimson, ein Standbild aus "The Rocky Horror Picture Show", Mae West, Marilyn Manson, Punks und Filmfiguren von George Lucas oder Steven Spielberg aufnimmt, stellt Bezüge her, die wir in den üblichen Schriften zur zeitgenössischen Ästhetik vergeblich suchen.

Seine theoretischen Ausführungen mit eigenen Texten und Einbindung kurzer sowie längerer Zitate wichtiger Geistes- und Kunstgrössen bettet Umberto Eco in eine chronologische Reihenfolge ein. Das macht auch deshalb Sinn, weil unsere ästhetischen Urteile zu einem großen Teil von der Schule und damit vom "altphilologischen" Bild der Antike geprägt wurden. Überflüssig zu sagen, dass diese Anthologie des Hässlichen gleichzeitig eine Kultur- und Geistesgeschichte in Bildern ist. Und dass sie bis in die Neuzeit reicht, wird schon bei den Betrachtungen über die Apokalypse, die Hölle und den Teufel klar. Denn da lässt Umberto Eco unter anderen auch den amerikanischen Schriftsteller Don DeLillo zu Worte kommen, indem er Textpassagen aus dessen Werk von 1997 "Die Unterwelt" zitiert.

Da dem Leser schon nach der Lektüre und Betrachtung der ersten Seiten klar wird, dass es mit der Abgrenzung zwischen dem Schönen und dem Hässlichen nicht so einfach ist, wird er sich auch gerne auf philosophische und kunstgeschichtliche Ausflüge mitnehmen lassen. Zumal Umberto Eco natürlich zu den Reiseführern gehört, die ihr Publikum nicht mit Fakten zudröhnen, sondern es mit Geschichten verführen wollen und dies auch können. Eco und seine Zeugen berichten von Monstern und Wundern, vom Komischen und Obszönen, von Hexerei, Satanismus und Sadismus, vom Unheimlichen und der Befreiung des Hässlichen in der Romantik, von hässlichen Frauen, Missgeburten und einer Avantgarde, die dem Hässlichen zum Triumph verhilft. Nur wenn es um das Hässliche seines politischen Intimfeindes Silvio Berlusconi geht, schweigt Eco vornehm.

Bei einem solchen Thema Gemeinplätze "Wie das Hässliche hat viele Gesichter" oder "Das Hässliche ist der Gegensatz zum Schönen" zu vermeiden, ist alles andere als selbstverständlich. Aber Umberto Eco schafft dies auch, indem er viele Urteile einfach den Betrachtern und Lesern überlässt und nur dort korrigierend eingreift, wenn er die Gefahr wittert, dass persönliche Meinungen zu einer allgemein gültigen Theorie der Ästhetik erhoben werden. Bei den Ausführungen über Ekel, Angst und Schmerz, die das Hässliche auslösen kann, habe ich mir allerdings gedacht, dass mit den Erkenntnissen der Emotionsforscher ein Ansatz gefunden werden könnte, der über bekannte Theorien der Kunstgeschichtler hinausgehen könnte.

Mein Fazit: Ob broschiert oder gebunden, dieses Werk enthält so viele erhellende Texte und beeindruckendes Bildmaterial, dass ich es jedem empfehlen kann, der sich bei diesem Thema nicht in Gemeinplätzen verlieren will und unreflektiert Lobgesänge auf das Schöne und Gute anstimmen möchte. Großartig und wahrscheinlich nur von einer Ausnahmepersönlichkeit wie Umberto Eco zu schaffen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. Dezember 2010
"Dem Wahren, Guten und Schönen" sieht sich in der Geschichte die Kunst und auch die Philosophie meist verpflichtet, aber die Kunst- und Kulturgeschichte kennt auch die Darstellung des Hässlichen, ja oft sogar die Huldigung des Abseitigen und Obszönen.

Umberto Eco, ein wahrer Meister seiner Kunst, hat in einem faszinierenden Werk, das nun endlich auch als Taschenbuch erschwinglich erhältlich ist, eine "Geschichte der Hässlichkeit" erzählt. Unzählige Abbildungen, die mit genialen und eindrücklichen Texten interpretiert und eingeordnet werden, sammeln sich an zu einem "Panorama des Gegenteils" wie ich es nennen möchte. Nur mit diesem Gegenteil, nur mit dieser Nachtseite zu dem von der ganzen abendländischen Kulturgeschichte so hoch gelobten Schönen, Edlen, Göttlichen und Guten, wird das Bild vollständig vom Menschen und seinen Höhenflügen und seinen oft verdrängten Abgründen.

Die "Geschichte der Hässlichkeit" vermittelt mehr Erkenntnisse darüber als so manches der unzähligen schönen Bücher und Darstellungen.

Ein aufregendes, anregendes - ein faszinierendes Buch in Wort und Bild.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Man sollte nicht meinen, was es alles in der Kunst an Hässlichkeit zu sehen gibt. So viele Künstler haben sich mit der Hässlichkeit beschäftigt und so viele Werke sind zu diesem Thema entstanden.

Die Geschichte der Schönheit ' das kann man ja noch verstehen, aber muss man ein Buch über die Geschichte der Hässlichkeit lesen? Ich habe mir diese Frage mit Ja beantwortet.

Inhalt und Gliederung:
================

Einführung

Kapitel 1 Das Hässliche in der Welt der Antike
Kapitel 2 Leidenschaft, Tod und Martyrium
Kapitel 3 Die Apokalypse, die Hölle und der Teufel
Kapitel 4 Monster und Wunder
Kapitel 5 Das Hässliche, das Komische und das Obszöne
Kapitel 6 Die hässliche Frau von der Antike biszum Barock
Kapitel 7 Der Teufel in der Neuzeit
Kapitel 8 Hexerei, Satanismus und Sadismus
Kapitel 9 Physica curiosa
Kapitel 10 Die Befreiung des Hässlichen in der Romantik
Kapitel 11 Das Unheimliche
Kapitel 12 Eisentürme und Elfenbeintürme
Kapitel 13 Die Avantgarde und der Triumph des Hässlichen
Kapitel 14 Der Geschmack der anderen, Kitsch und Camp
Kapitel 15 Das Hässliche heute

Textnachweis
Namenregister zu den Zitaten
Namensregister zu den Abbildungen
Filmbilder
Abbildungen ohne Angabe des Künstlers
Rechteinhaber der Fotografien

Jedes der Kapitel ist jeweils nochmals in 2-4 Unterkapitel gegliedert.

Diese Gliederung ist perfekt gewählt, weil man sich so in der Geschichte der Hässlichkeit sehr gut zurechtfinden kann, wenn man ein bestimmtes Werk sucht.

Man beschäftigt sich mit dem Schönen in der Kunst ' das ist nachvollziehbar, aber wer hat schon das Hässliche herausgefiltert, das es ' siehe Buch ' unbestreitbar gibt ??? Umberto Eco hat sich die Arbeit gemacht und alles Hässliche, was in der Kunst erschaffen wurde, 'gelistet'.

Hässlichkeit ist wahrlich der Gegensatz zum Schönen, oder ist jemand anderer Meinung ' klar alles ist über den jeweiligen Geschmack des Betrachter definierbar '

Obszön und bizarr wird die Hässlichkeit in diesem Buch textlich und vor allem Bildhaft in einem etwas anderen Bildband von der Antike bis in die heutige Zeit beleuchtet und ist alles in allem ein super interessantes Werk geworden, welches der Geschichte der Schönheit in keinem nachsteht, im Gegenteil, diese noch ergänzt. Es gibt beides, die Schönheit und die Hässlichkeit, warum also soll man nicht beides miteinander vergleichen können ' auch in der Kunst ???

Das Buch ist anregend, aufregend, erregend auf eine gewisse Weise und auf jeden Fall interessant, aufschlussreich, abwechslungsreich und reich bebildert und illustriert.

Schön ist, dass zu den angeführten Gemälden immer textlich zusammenfassend der Künstler namentlich genannt ist, der Titel des Kunstwerkes, der Entstehungszeitraum und der Ort, wo man das Kunstwerk heute betrachten kann.

Jedes Kapitel beginnt mit einem ganzseitigen Gemälde, teilweise auch Ausschnitt oder Detail welches beispielhaft für das Thema des Kapitels ist. Danach folgenden textliche Erklärungen zum Thema. Innerhalb der Texte sind auftauchende Künstlernamen z. B. fett gedruckt oder andere wichtige Begriffe wie z. B. Titel von Kunstwerken kursiv gedruckt. Dies erleichtert das Zurechtfinden im Text und evtl. spätere Heraussuchen bestimmter Abschnitte oder Passagen wesentlich.

Zu den gezeigten Gemälden hat man nicht nur die Daten und zusammenfassenden Erkärungen, sondern immer auch ansprechende und interessante passende ' auch hässliche -Textausschnitte ' Gedichte und Ausschnitte aus Texten, die wider geben, was man auf dem Gemälde sehen kann.

Auch kann man z. B. von Lessing einen Text über Hässlichkeit beim Dichter und Maler lesen. Ich habe echt nicht geahnt, wie viel man sich doch in der Kunst mit der Hässlichkeit beschäftigt hat und noch immer beschäftigt.

Eco muss wirklich jahrelang geforscht und recherchiert haben, um ein solche umfassendes und komplexes Werk zum Thema Hässlichkeit und Kunst zusammentragen zu können. Auf so vielfältige Weise stellt er die Hässlichkeit interessant zur Schau. Hier werden z. b. die Schöne und das Biest angeführt, oder aber Beispiele von Skulpturen aus dem Park der Monster in Bomarzo, aber auch Alberto Savinios 'Roger und Angelika' und dazu ein Ausschnitt aus Kafkas Verwandlung.

Die Fotos und Abbildungen sind meist ganzseitig, aber auch detailliert zwischen den Texten zu finden, lockern diese also auf und erläutern sie zusätzlich bildhaft.

Ich muss gestehen, ich habe noch lange nicht das gesamte Buch durchgelesen, es lädt auch einfach dazu ein, darin zu blättern, sich immer mal wieder einzelne Passagen vorzunehmen, auch darin nachzuschlagen und natürlich zu betrachten und zu lesen.

Aber eines kann ich sagen, es ist ein Buch für Menschen, die sich für Kunst interessieren, die aber auch das Gegenstück zur Schönheit erfahren möchten. Hässlichkeit hat in der Kunst viel zu bieten, das ist mir klar geworden.
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am 28. März 2013
Eco gelingt es, Kunst einem breiten Publikum verständlich zu machen. Die kunst- und geistesgeschichtlichen Teile sind sehr gut und eindringlich geschrieben und das Konzept des Buches, alle Facetten des Begriffs Hässlichkeit darzustellen, überzeugt nicht nur durch breite Bilderauswahl, sondern auch durch gute Literaturhinweise.
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9 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Oktober 2011
der Preis für ein 464-seitiges TASCHENBUCH ist einfach grotesk überzogen. Vor allem für eine Version des fast 4 Jahre alten Buches.
In Italien kostet das Taschenbuch übrigens unter 12€. Scheint ja eine phenomenale Marge für den deutschen Taschenbuch Verlag beim Verkauf rauszuspringen.
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