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Nachdem die Auswahl des DFB doch noch mit Ach und Krach den Sprung in die Endrunde geschafft hatte und sich die Erwartungshaltung von Funktionären, Spielern und Fans gleich wieder auf höchstem Niveau bewegte, wird der WM auch in Deutschland ein gigantisches Interesse sicher sein. Dabei dürfte es schwierig sein, sich informativer und unterhaltsamer als mit dieser WM-Geschichte auf die Spiele vorzubereiten. Nicht wenig haben sich die beiden Autoren vorgenommen -- und sie lösen den eigenen Anspruch an umfassende Information, Originalität und kritischen Kommentar weit gehend ein.
Über die reinen Fakten von Uruguay 1930 bis Frankreich 1998 hinaus liefern Schulze-Marmeling und Dahlkamp kleine Fußballhistorien der Veranstaltungsländer, beleuchten in höchst interessanten Einwürfen Besonderheiten der einzelnen Turniere, des Regelwerks, der fußballerischen Entwicklungen und charakterisieren bedeutende Persönlichkeiten des internationalen Fußballs. Selbst ausgebuffte Alleswisser dürften mit Erstaunen zur Kenntnis nehmen, das Pelé nach damaliger Aussage des brasilianischen Teampsychiaters für die WM 1958 zu infantil sei -- oder das während der WM 1982 in Spanien vermutlich ein Gasangriff auf die jugoslawische Kabine unternommen wurde.
Das Werk ist chronologisch geordnet und verfügt über einen ausführlichen und sorgfältig konzipierten Anhang mit biografischem Lexikon, einem Ergebnisüberblick aller Qualifikations- und Endrundenspiele sowie einer Auswahlbibliografie, die auch ungewöhnliche Publikationen zum Thema berücksichtigt. Der durchaus kritische Blick der Autoren rundet den hervorragenden Gesamteindruck des Buches ab. Nach dieser Lektüre ist jeder Fan für die Weltmeisterschaft und gegen die Waldis und Faßbenders unserer Fernsehwelt bestens gerüstet. --Ulrich Deurer
eke. 1950 sprachen die englischen Zeitungen von einem «zweiten Dünkirchen» angesichts der Katastrophe, die sich da im fernen Belo Horizonte abgespielt hatte. So bizarr schien dieses eine Ergebnis in der Vorrunde zur Fussball-WM 1950 in Brasilien, dass einige Blätter zunächst an einen Druckfehler geglaubt und die 0:1-Niederlage gegen den Fussball-Zwerg USA kurzerhand in einen 10:1-Kantersieg umgemünzt hatten. Aber es stimmte: Das englische Team mit Stars wie Alf Ramsey und Billy Wright, das mit drei Millionen Dollar bei Lloyds versichert worden war, hatte gegen die US-Boys verloren. Nach einer weiteren 0:1-Niederlage gegen Spanien fuhren die hoch bezahlten Profis nach Hause ein Debakel. Das arrogante Selbstverständnis der Engländer als Nabel der Fussballwelt hatte schwer zu leiden. Das ist nur eine Episode aus dem 480 Seiten umfassenden Buch «Geschichte der Fussball-Weltmeisterschaften», mit dem Dietrich Schulze-Marmeling und Hubert Dahlkamp ein Standardwerk vorgelegt haben. Denn die beiden Autoren begnügen sich nicht mit den üblichen Statistiken des Weltturniers, sondern sie betten die grossen Turniere in den kulturellen, sozialen und organisatorischen Mantel des internationalen Fussballs und der jeweiligen Gastgeberländer ein.
Es dauerte bis in die Fünfzigerjahre, bis sich das Fussball-WM-Turnier zu dem entwickelte, was es heute ist: das zweitgrösste Sportereignis der Welt. Jetzt erst wurden auch Teams aus Asien oder Afrika einbezogen, jetzt erst beschleunigte der mediale Einsatz die notwendige Verbreitung. Das Zusammenwachsen äusserst verschiedener Fussballkulturen und -verbände war nicht frei von Komplikationen, wie die WM 1962 in Chile bewies: Nach der wohl härtesten Partie in der WM-Geschichte, einer wahren Schlacht zwischen Italien und Chile, dachte Fifa-Präsident Rous tatsächlich an separat auszutragende Meisterschaften. «Wir kommen nicht mehr zueinander», sagte er in seiner Verzweiflung. «Ich halte es für das Beste, wenn in Zukunft die Südamerikaner ihre Meisterschaft ausmachen und wir Europäer unsere.» 36 Jahre später waren diese Probleme passé an der WM 1998 beteiligten sich 198 Verbände an Qualifikation und Turnier. Kein Zweifel, die Geschichte der Fussball-WM ist die Geschichte eines einzigartigen Erfolgs. In Südkorea und Japan wird die Story ihre Fortsetzung finden.
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