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Das vorgelegte Kompendium hält Rückschau auf die Festtage der Fußballgeschichte und wirft einen analytischen Blick voraus auf die WM in zwei Jahren. Das jeweilige Turnier wird mit grundlegenden Berichten geschickt eröffnet; durch Porträts wichtiger Spieler und Statistiken gewinnt das Autorenteam schnell Feldüberlegenheit, um dann mittels einer fundierten gesellschaftspolitischen Einordnung der Ereignisse zum entscheidenden Treffer einzuschießen. Das Standardwerk unterstreicht auch 2004 noch seine Leuchtturmfunktion. Neu sind die Darstellung der ersten WM auf asiatischem Boden in Japan und Südkorea 2002 und eine umfassende Vorschau auf die WM 2006 in Deutschland (incl. Spielorte/Stadien).
Man fragt sich als Leser, wie man Jahre zuvor die Publikationen einer ‚Tchibo-Poschmann-Schnellschuss'-WM-Rückschau ertragen konnte. Kindheits- und Jugenderinnerungen werden wachgerufen. Angenehm ist, dass die schwarz-rot-goldene DFB-Brille abgenommen wurde und so auch die Leistungen anderer Nationen gebührend gewürdigt werden (etwa Uruguay, Ungarn). Auch die spieltaktischen Neuerungen der einzelnen Turniere - wie der Catenaccio oder der uneingeschränkte Offensivfußball der Niederländer - finden Erwähnung. Neben Glanz und Gloria erlebt man aber auch die moralischen Tiefpunkte der DFB-Riege zwischen 1978 und 1986 unverfälscht nach.
Fazit: das Werk ist fachlich sauber recherchiert und spannend geschrieben. Allerdings werden Anhänger des offiziellen DFB-Fanclubs nicht immer ihre Freude daran haben. In einer Zeit, in der wahrer (Sport-)Journalismus zur Randerscheinung verkommt (der Niedergang des ZDF hinsichtlich ‚das aktuelle Sport-Studio' und ‚sportspiegel' hat hier Symbolkraft), ist das Buch wie eine duftende, wenn auch sehr stachlige Rose, die dem kargen schweizerischen FIFA-Bergmassiv trotzt. Hoffen wir, dass sie nicht ent-‚blattert' wird wie derzeit das Erbe Jules Rimets."
So lässt die Recherche der Autoren vereinzelt zu wünschen übrig. Auf S. 88 etwa wird ausgeführt, dass Indien bei der WM 1950 nicht teilnehmen konnte, weil die Inder nur mit Bandagen antreten wollten. Die FIFA bestand aber auf ordentliches Schuhwerk, "das sich die indischen Fußballer jedoch finanziell nicht leisten konnten". Auf S. 412 dagegen heißt es, dass Indien auf die Teilnahme "verzichtete". Richtig ist wohl, dass der finanzielle Aspekt keine Rolle spielte.
Ein weiteres Beispiel für die teilweise ungenaue Darstellung findet sich auf S. 367. Dort heißt es in der Bildunterschrift, dass der US-amerikanische Nationalspieler Alexis Lalas in der Mitte hinten steht. Wo allerdings bei sechs Personen die Mitte ist, bleibt dem Leser überlassen.
Auch werden nicht immer alle Fragen beantwortet. So wird auf S. 332 über die WM 1990 berichtet, bei der Kamerun mit ihrem Star Roger Milla angetreten ist. Milla traf bei dieser WM drei Mal und wurde "mit seinen Toren ... zum ältesten Torschützen in der WM-Geschichte". Ob das heute immer noch gilt, bleibt offen. Zumindest wäre ein Hinweis hilfreich gewesen, dass Milla auch vier Jahre später noch einmal traf. Er war also nicht 38 Jahre, sondern 42 Jahre bei seinem letzten WM-Tor.
Das Werk ist weniger als Lexikon zu verstehen als vielmehr ein Abriss der bisherigen WM-Turniere. So sucht man im Statistikteil vergebens nach den Torschützen der einzelnen Spiele. Als Nachschlagewerk ist dieses Buch nur bedingt geeignet. Wer im Sommer aber mitreden möchte, der ist mit dem Buch gut bedient. Trotz der genannten Mängel ist das Werk in Anbetracht des bevorstehenden Titelgewinns ein Muss.
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