Pressestimmen
09.08.2004 / Focus: Die besten 7 Bücher für junge Leser "Dieses hervorragende Erdkundebuch bietet einen informativen und spannend geschriebenen Überblick über die Geschichte und Gegenwart eines bunten Kontinents."
12.08.2004 / Die Zeit: Ein Jugendbuch nicht nur für junge Leser "Man kann nur wünschen, dass 'Die Geschichte Afrikas' zahlreiche Leser findet und zum Weiterlesen über den Kontinent anregt."
03.09.2004 / Süddeutsche Zeitung: Afrika, von den Urmenschen bis in die Gegenwart "Das erste Werk, das für Jugendliche und für die Arbeit in Schulen geeignet ist ... Lebendig und anekdotisch, farbig und kompetent."
15.09.2004 / Brigitte: Es war einmal in Südafrika... "Auch für Erwachsene wärmstens zu empfehlen, detailreich und liebevoll."
18.11.2004 / GEO.de: Die Geschichte Afrikas "Auch Erwachsenen als Einstiegshilfe in ein besseres Afrika-Verständnis empfohlen."
26.11.2004 / Stuttgarter Zeitung: Ein schwarzer Kontinent gewinnt Farbe "Ein schönes Beispiel dafür, dass Bücher, die für ein jugendliches Publikum geschrieben sind, auch Erwachsenen einen guten Einstieg in ein Thema bieten."
21.12.2004 / Damals: Neuer Blick auf Afrika "Wer van Dijks Buch liest, versteht Afrika besser."
01.02.2005 / Eselsohr: Zwischen Mythos und Realität "Durch den Wechsel von allgemeiner Darstellung und der Schilderung einzelner paradigmatischer Episoden, durch die vielen zitierten Quellen und Interviews und nicht zuletzt durch eindrucksvoll gemalte Porträts bedeutender Afrikaner werden Wissen und Engagement des Autors deutlich. Wer immer irgendein Buch über Afrika liest, sollte dieses daneben liegen haben."
03.02.2005 / Associated Press: Neue Blicke auf Afrika "Ein lesenswertes Buch mit einem umfassenden Einblick in und neuen Blickwinkeln auf die Geschichte Afrikas." -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Der Verlag über das Buch
Krieg, wirtschaftlicher Niedergang, Korruption oder romantische Verklärung des Exotischen der europäische Blick auf den afrikanischen Kontinent ist oft durch Klischees getrübt. Lutz van Dijk schreibt die bunte und vielfältige Geschichte Afrikas jenseits von Stereotypen.
Armut neben Reichtum, imposante Landschaften neben Dürre, moderne Lebensart in den Metropolen und traditionelle Kulturen im Hinterland, wirtschaftliche Katastrophen bei großem Wirtschaftspotenzial und nicht zuletzt eine Geschichte voller Hoch- und Tiefpunkte: Afrika ist ein Kontinent der Gegensätze. Kulturell gesehen gibt es in Afrika die größte Vielfalt von Menschen auf der Erde. Die mehr als 850 Millionen AfrikanerInnen gehören mehreren tausend ethnischen Gruppen an, mit insgesamt gut 1000 anerkannten Sprachen, die in mehr als 50 Staaten leben.
Aus europäischer Perspektive wird die afrikanische Vielfalt oft nicht wahrgenommen. Einseitige Bilder von politischen Schreckensszenarien oder exotischer Folklore erschweren den vorurteilsfreien Umgang mit Afrikas Geschichte und Kultur. Dagegen zeigt Lutz van Dijk seinen Lesern die kulturelle Vielfalt Afrikas: von der Kultur des Islam im Norden zu christlichen und traditionell-afrikanischen Religionen im Süden, vom ursprünglichen Leben der San in der Steppe zum pulsierenden Leben der Großstädte, von den friedfertigen Werten der »Pygmäen« zu den Pyramiden der Ägypter. Er berichtet von den Narben der Kolonialisierung und vom Mut, neue Wege der Versöhnung zu gehen.
Im Mittelpunkt des Buches stehen die Menschen Afrikas: der Häuptling Shaka Zulu, der Politiker Patrice Lumumba, die Sängerin Miriam Makeba, die ehemalige Kindersoldatin China Keitetsi, Nelson Mandela und viele mehr, die Leid und Hoffnung Afrikas verkörpern. Der Autor erweckt die afrikanische Geschichte durch die Stimmen ihrer Menschen zum Leben und ebnet damit den Weg für ein neues Verständnis von Afrika und seiner Geschichte jenseits eurozentristischer Klischees und Vorurteile. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Über den Autor
Auszug aus Die Geschichte Afrikas von Lutz van Dijk. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Wir werden diese Geschichte erst zu erkennen beginnen, wenn wir bereit sind, neue Fragen zu stellen, Gewohntes infrage zu stellen. Und manchmal auch nur still zu sein und zuzuhören.
Es ist irgendwann kurz nach Mitternacht. Ich liege in Hamburg im Studentenwohnheim mit dem Rücken auf meinem Bett. Das kleine Zimmer teile ich mit einem anderen Jungen, der mit seinen siebzehn Jahren gut zwei Jahre jünger ist als ich. Er summt etwas vor sich hin, ganz leise, um mich nicht zu stören. Wir können beide nicht einschlafen. Ich frage ihn: "Tony, was singst du?" "Ein Lied meines Großvaters." "Wohnt der auch in Lagos?" "Nein", antwortet Tony leise, "er kommt aus dem Norden Nigerias und ist schon viele Jahre tot."
Wir schweigen wieder eine Weile. Draußen lässt der Herbststurm ein paar Zweige gegen unser Fenster schlagen. Der Sommer war kurz dieses Jahr, schon Anfang September ist es ungewöhnlich kühl geworden. Ich schimpfe über die Kälte, Tony klagt nicht. Dann fragt er plötzlich: "Willst du wissen, wie das Lied geht?" Ich brumme Zustimmung. Zuerst singt Tony in seiner Muttersprache, dann für mich in Englisch:
"Schwarz hat so viele Farben,
schwarz ist das Licht, das wir finden.
Schwarz ist so bunt,
schwarz ist dunkel nur für den Blinden ..."
Einen Monat später kommt ein älterer Bruder aus Paris und holt Tony ab, von einem Tag auf den anderen. Ich habe Tony Igbokwe niemals wiedergesehen. Die Melodie seines Liedes erinnere ich bis heute.
Wer Bücher zur Geschichte Afrikas liest, muss in den meisten Fällen den Eindruck bekommen, als habe die Existenz jenes Kontinents erst mit dem Anlanden der europäischen Handelsschiffe vor gut 500 Jahren begonnen. Selbst dort, wo wohlmeinende Historiker einige Kapitel über "Afrika als die Wiege der Menschheit" oder untergegangene Königreiche des Altertums hinzugefügt haben, herrscht die herkömmliche Sichtweise vor: Wer hatte die Macht wie lange über welches Gebiet? "Oben und unten" - was ist eigentlich so erhellend an diesen Kategorien?
Am Ende der Grundschulzeit kommt Frau Sobirey zu uns. Sie hat eine ungewöhnliche Fächerkombination: Erdkunde und Religion. Und sie ist sehr dick und alt, jedenfalls erscheint sie uns Kindern uralt mit ihren wallenden grauen Haaren und den schweren Falten, die ihr rundes Gesicht durchfurchen. Ich mag sie auf Anhieb, obwohl vom ersten Tag an klar ist, dass sie es schwer haben wird, sich in unserer Berliner Schulklasse durchzusetzen. Wir sind über 40 Kinder, von denen die meisten aus einer nahen Obdachlosensiedlung kommen. Frau Sobirey ist schwerfällig und vor allem zu gutmütig.
Manchmal bringt sie Fotos mit - aus ihrem Leben. Denn als sie jung war, hat sie viel gesehen von der Welt. Von der Kirche war sie in mehrere Länder Afrikas geschickt worden. Wir sehen ein junges Mädchen in weißer Schwesternuniform inmitten vieler dunkelhäutiger Kinder. Es sind immer wieder solche Fotos, mit denen es ihr gelingt, für wenige Minuten die Aufmerksamkeit aller zu erringen.
Einmal fragt mein Freund Achim, der neben mir sitzt, warum Afrika unten an der Weltkugel hängen würde. Und Frau Sobirey antwortet: "Das ist gar nicht so! Afrika ist ganz oben!" "Achim schüttelt entrüstet den Kopf: "Stimmt nicht, können Sie jeden Abend in den Fernsehnachrichten sehen - Afrika hängt unten."
Frau Sobirey bittet Achim, nach vorne zu kommen und ihr zu helfen, den schweren Kartenständer in die Mitte vor die Tafel zu schieben. Dann entrollt sie die bereits bekannte Weltkarte - und hängt sie verkehrt herum auf.
"Das muss anders 'rum!", ruft Achim.
"Wieso eigentlich?", fragt Frau Sobirey - und einen Moment ist es tatsächlich still in der Klasse.
Es soll noch Jahre dauern, bis ich begreife, warum sie mit einem dicken Filzstift selbst die Äquatorlinie tiefer eingetragen hat, als wir es gewohnt waren. Frau Sobirey hatte mir den ersten Hinweis gegeben, über oben und unten - und Afrika und uns in Europa - anders als gewohnt nachzudenken. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.