"Genieverehrung setzt historisches Gefühl voraus. Die Masse aber lebt ganz in der Gegenwart. Folglich wünschte sie den ganzen Komplex der Ruhmesbildung in die Gegenwart verlegt."
So sieht es Fernau, und als Ergebnis nervte ihn schon vor über 50 Jahren (1953) der heutige Starkult der Medien um Nichtigkeiten. In diesem Buch holt er daher weit aus und stellt aus 1000 Jahren einige der Persönlichkeiten vor, die der deutschen Geistesgeschichte entscheidende Wendungen gegeben haben:
* Otto I. (912-973)
* Albertus Magnus (1193-1280)
* Albrecht Dürer (1471-1528)
* Martin Luther (1493-1546)
* Nikolaus Kopernikus (1473-1543)
* Rembrandt (1606-1669)
* Johann Sebastian Bach (1685-1750)
* Immanuel Kant (1724-1804)
* Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803)
* Ludwig van Beethoven (1770-1827)
* Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
* Albert Einstein (1879-1955)
Fernaus eleganter Schreibstil ist stets ein Genuss zu lesen, und auch die Idee, die Entstehung des Zeitgeistes und der Kultur der Deutschen anhand ihrer "Genies" zu verfolgen, ist geschickt. Bei einigen Persönlichkeiten fand ich es grandios gelungen, etwa bei Einstein oder Albertus Magnus. Doch bei anderen hat er sich schwer getan, und dann ist er streckenweise - zumindest für meinen Geschmack - zu lange ins Philosophisch-Fabulierende abgedriftet. Da hätte etwa ein Luther bei seinen Taten die "Freiheit der Verantwortung" im Sinn gehabt oder ein Kopernikus die "Souveränität des Denkens". Das waren Kapitel und Zwischenkapitel, bei denen ich mich gelangweilt habe. Der spätere Fernau hat prägnanter und griffiger geschrieben! Fazit: Das Buch ist eines seiner frühen Werke und könnte vielleicht 100 Seiten kürzer sein. Eingefleischte Fans werden auch hier mit zahlreichen guten Passagen belohnt, Fernau-Einsteigern empfehle ich jedoch, mit einem seiner anderen grandiosen Werke zu beginnen. Speziell zu Deutschland bietet er noch
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Deutschland, Deutschland über alles (eine Geschichte der Tage)
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Und sie schämeten sich nicht (eine Geschichte der Nächte)