Der Autor hat sich überlegt, worum es sich bei dem mysteriösen Voynich-Manuskript handeln könnte, und seine Idee ist auch durchaus originell und spannend umgesetzt. Da das Manuskript tatsächlich existiert und im Internet eingesehen werden kann, kann sich jeder Leser selbst ein Bild machen. Vor diesem Hintergrund hat mir Cordys "Auflösung" sehr gefallen, da sie irgendwie stimmig war und den mysteriösen Charakter des Manuskripts bewahrt. Allein für diesen Aspekt lohnt es sich das Buch zu lesen.
Allerdings ist die Handlung nicht sehr komplex und bisweilen langweilig vorhersehbar, im Großen und Ganzen ein Dschungel-Abenteuer-Roman ohne großes Potential, aber immer noch gut lesbar. Die Charaktere haben mich nicht umgehauen, aber sie sind glaubwürdig und stimmig.
Was wirklich sehr störend war, ist die Darstellung der katholischen Kirche, ein Thema, das zur Zeit ziemlich viele Schriftsteller beschäftigt. Leider sind die meisten nicht in der Lage diese Religionsgemeinschaft anders als eine Art machthungrige, verlogene bisweilen mörderische Gottesanbeterin zu betrachten, die alle, die sich ihr unvorsichtig nähern, sofort einverleibt und ihnen Freiheit, freies Denken, Spiritualität und mitunter auch Leben nimmt. Alle dunklen Geheimnisse ihrer 2000jährigen Geschichte dienen nur dazu, ihr "wahres Gesicht" aufzuzeigen, was ich ehrlich gesagt ein bißchen einfältig finde, abgesehen davon, dass es auch ungerecht ist.
Cordy bemüht sich zwar, die beiden verschiedenen Weltanschauungen Atheismus und Glaube in seine Geschichte einzubauen und gleichmäßig zu würdigen, aber der böse, mörderische Jesuiten-Pater ist dann doch etwas zu böse, zu uneinsichtig und zu mörderisch. Es ist einfach langweilig, schon wieder den alten Mist über die fiesen Katholiken zu hören. Und es macht die Geschichte nicht besser, gerade weil man das Potential erahnt, dass ein etwas mehr grau gestalteter Priester gehabt hätte.