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Die Gene im Kopf - der Fötus im Bauch. Historisches zum Frauenkörper
 
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Die Gene im Kopf - der Fötus im Bauch. Historisches zum Frauenkörper [Taschenbuch]

Barbara Duden

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Die Gene im Kopf - der Fötus im Bauch. Historisches zum Frauenkörper + Der Frauenleib als öffentlicher Ort: Vom Mißbrauch des Begriffs Leben + Geschichte des Ungeborenen: Zur Erfahrungs- und Wissenschaftsgeschichte der Schwangerschaft, 17. - 20. Jahrhunderts (Veroffentlichungen Des Max-Planck-Instituts Fur Geschichte)
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Disziplinierte Entfremdung

Barbara Duden über Körperwahrnehmung

«Ich bin auf der Spur von Fleisch, und nicht von Text» – der methodische Schlüsselsatz der Körperhistorikerin Barbara Duden sticht ins Auge, zumal sie sich – wie alle historiographisch Tätigen – auch auf Texte stützen muss. Wie nur kommt sie nicht dem Papier, sondern dem Fleisch und sogar dessen «Saft» auf die Spur? Im Satz spricht sich das wissenschaftliche Selbstverständnis einer kompromisslosen Wissenschafterin und prägnanten Stilistin aus. Barbara Duden hat das sukzessive Auflaufen des Interesses am Körper zur wissenschaftlichen, ästhetischen, biotechnologischen und gesellschaftspolitischen Hochkonjunktur von Anfang an ebenso empathisch wie kritisch beobachtet. Mit Scharfsinn und Vehemenz tritt sie auch der «Auflösung» des Körpers im postmodernen Diskurs entgegen, und zwar mit ihrem wahrnehmungskritischen Projekt zu den biomedizinischen Utopien unserer und vergangener Zeiten. Sie hat horchen gelernt, nicht erst heute, sondern mit dem Eisenacher Dr. Storch.

In langjähriger Arbeit hat Barbara Duden die inneren Erfahrungswelten, wie sie dieser Mediziner des 18. Jahrhunderts aus den Berichten seiner Patientinnen herausgehört hat, zu fassen und zu ordnen gesucht. Das daraus entstandene Projekt nennt sie «historische Somatologie». Sie sieht sich selbst mit Fleisch und Blut in diese Wahrnehmungsgeschichte involviert und erlebt «Alterität» – Andersheit – in mannigfachen, längst nicht mehr nur retrospektiven Brechungen. Sie ortet sie im Hier und Jetzt, denn ihr Erkenntnisinteresse hält Schritt mit den technologischen und gesellschaftspolitischen Neuerungen. – Duden praktiziert «disziplinierte Entfremdung» für jene Ärzte, Hebammen, Genforscher und Wissenschaftshistoriker, die sie im vergangenen Jahrzehnt als Referentin zu ihren Kongressen eingeladen haben, sowie auch für das Lesepublikum des eben erschienenen Sammelbandes. Bereits sein Vorwort macht deutlich, wie die Autorin subkutane Wahrnehmungsprägungen erkenntnishistorisch und sprachkritisch einordnet. Sie legt den Finger auf die blinden Flecken der Körperwahrnehmung, auf Erfahrungen, welche die Entwicklungen in der Visualisierungstechnologie, der Genetik, der Pränataldiagnostik und der Fortpflanzungsmedizin allmählich getilgt haben. In den einzelnen Beiträgen spürt sie der Archäologie dieses Fleisches nach. Es sei auf dem Weg in die Moderne «ausgetrocknet» und in unserer «unsinnlichen Gegenwart» virtualisiert worden.

Erfahrungen, die dem Ich zugeschrieben werden, kann es nicht mehr selbst machen und verantworten. Dieser Erfahrungsbegriff unserer Zeit zeitigt gesellschaftspolitische Folgen, die in allen von Barbara Duden anvisierten Bereichen unabsehbar sind. Nur aus dem Blick auf ein Damals heraus vermag sie beispielsweise zu zeigen, dass die Fortsetzung der Schwangerschaft heute zur unheimlichen Option geworden ist, dass die Frau dafür verantwortlich und die vorgeburtliche Diagnose des Fötus zur sozialen Pflicht gemacht wird. Inzwischen hat die pränataldiagnostische Oberhoheit über das intrauterine Kind ihr Janusgesicht enthüllt: das eingeforderte Recht auf Nicht-Geburt. Auch im genetischen Diskurs ist lebensbestimmend geworden, was nie in die somatisch-sinnliche Erfahrung eines Menschen kommen kann. Das Genom ist in Zeiten, denen Gott abhanden gekommen ist, zu einer neotranszendenten Grösse geworden, die das Ich immer nur im Kopf haben wird, nie aber in die Erfahrung bekommen kann. So gerät der Mensch in eine «Schizoaisthesis», wie Barbara Duden die gegenwärtigen Wahrnehmungsmuster am diesjährigen Schweizer Historikerinnentag an der Universität Zürich diagnostizierte. «Körpergeschichte» ist ein Phänomen, für das es in den achtziger Jahren nicht einmal ein Wort gegeben hat. Barbara Duden bringt die darin wahrnehmbare Beklemmung – eine diffuse Angst vor der Entkörperung – ins Bewusstsein und wendet sich gegen einen biowissenschaftlich verwischten Erfahrungsbegriff, der technologisch generierte Phantome in unser Selbstwissen einschleust. Relevanter für die Gegenwart kann historische Forschung schwerlich sein. Hildegard Elisabeth Keller

Kurzbeschreibung

Barbara Dudens öffentliche Interventionen zeigen, wie aufschlussreich es ist, aus dem Verständnis vergangener Erfahrungswelten auf die Gegenwart zurückzublicken: Auf die "Rute" zwischen den Beinen, als auch Frauen sie hatten. Auf das Monatsblut, bevor es uterine Schleimhaut war. Auf die Schwangerschaft vor dem Stethoskop, dem Test, dem Ultraschall, ja dem Embryo. Auf die Gene.
Nur aus einer bewusst gepflegten historischen Distanznahme begreifen wir die ungeheuerlichen Veränderungen im Selbstbewusstsein und in der gesellschaftlichen Praxis der Gegenwart.


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