Zuallererst. Es ist kein ausgereiftes Wirtschaftsystem, das vorgestellt wird, jedoch eine ausgesprochen interessante Ausgangsbasis für ein neuartiges Wirtschaften zugunsten des Allgemeinwohls (Mensch und Umwelt).
Die Gemeinwohl-Ökonomie bietet ein Denkmodell an, das es sich lohnt, genauer zu betrachten. Bis dato gab es viele einzelne Ideen, wie eine Wirtschaft "neu" aussehen könnte, aber es gab noch keinen so konkret durchdachten Ansatz dazu. Christian Felber, der gemeinsam mit den Attac-UnternehmerInnen und vielen engagierten Attacies das im Buch vorgestellte Konzept als Ausgangsbasis und konkreten Vorschlag zum Weiterdenken entwickelt hat, wird in den Medien wahrscheinlich (wie leider so oft) als Utopist abgetan werden. Man kann seine Gedanken jedoch nicht mehr ins linke Eck drängen, denn die Gemeinwohl-Ökonomie stellt eine echte Alternative zu den bisher gekannten Systemen (Kapitalismus und Kommunismus) dar, einen dritten möglichen Weg des Wirtschaftens.
Somit ist dieses Buch eine echte Errungenschaft - ein Grundlagenwerk - und kann zum Ausgangspunkt - zum Eckstein für eine neue Gesellschaft werden.
Was bedarf es dazu?
Sich mit dem Denkmodell auseinanderzusetzen, selbst wenn es nicht realistisch scheint (viele seinerzeit gedachten Utopien wurden bereits Wirklichkeit).
Sich von der Apathie, die uns angesichts der täglichen Schreckensmeldungen in den Medien erstarren lassen, zu lösen und konstruktiv mit- und weiterzudenken.
Sich denjenigen anzuschließen, die bereits solidarische Gemeinschaften zugunsten des Allgemeinwohls gebildet haben.
Und es braucht immer mehr Menschen, die erkennen, dass Glück und Zufriedenheit nur durch Beziehungen (die von gegenseitiger Wertschätzung, Ehrlichkeit, Zuhören, Empathie, Kooperation, gegenseitiger Hilfe und Teilen geprägt sind) erreicht werden können. Nur durch gelungene Beziehungen können wir wieder Vertrauen zueinander entwickeln und zu einem friedvollen und letztlich gewaltfreien Miteinander finden.
Und letztlich (oder vor allem?) braucht es neue Politiker, die nicht handeln, um die nächsten Wahlen zu gewinnen, sondern im ursprünglich gedachten Sinn dem großen Ganzen dienen - unabhängig von Parteizwang und Eigennutz.
So bleibt noch viel zu tun, aber der erste Schritt in eine hoffnungsvolle Zukunft ist getan.
Sehr empfehlenswert! Unbedingte Leseempfehlung zum Weiterdiskutieren.