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TOP 1000 REZENSENTam 13. August 2012
Felbers Buch enthält den gegenwärtig vielleicht elaboriertesten Versuch, eine alternative Wirtschaftsordnung innerhalb einer freiheitlich, demokratischen, marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaft zu entwerfen.

Große Unternehmen und Banken werden vergemeinschaftet (nicht verstaatlicht), d.h. Belegschaft und Gesellschaft werden unabhängig von der Eigentumsfrage an Unternehmensentscheidungen beteiligt. Regionale Wirtschaftskonvente besprechen Strategien und Konzepte, die alle Belange betroffener Menschen berücksichtigen. Kleine und Mittelständische Unternehmen bleiben in Privatbesitz bzw. selbstbestimmt.

Einkommensscheren, Erbschaften und Vermögen werden gedeckelt (Vorschläge des Autors: Einkommen bis zum 10fachen des Mindestlohns, Privatvermögen 10 Mio., Erbschaften 500.000). Das Wettbewerbsprinzip wird durch das Kooperationsprinzip ersetzt. Statt zu konkurrieren soll es zu einem Austausch von Know How, Technologie, gegenseitiger finanzieller Unterstützung usw. kommen. Das Prinzip Gewinnmaximierung wird durch das Prinzip Gemeinwohlorientierung ersetzt - gute Arbeitsbedingungen, ökologisches Wirtschaften, Beteiligungs- und Lohngerechtigkeit. Alles zusammen ergibt die Gemeinwohlbilanz.

Jedes zehnte Jahr ist arbeitsfrei. Die Arbeitszeit wird auf 30-33 Wochenstunden begrenzt. Wer nicht arbeiten will, wird trotzdem finanziell gestützt. Das Bildungssystem fokussiert besonders eine gute Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bzw. Heranwachsenden ebenso wie Wissensvermittlung.

Auf den ersten Blick sieht das alles linker als links aus. Bei genauerem Hinsehen unterscheidet sich das Konzept jedoch in wesentlichen Positionen von den klassisch linken. Zum Einen hebt es sich sehr wohltuend vom Klassenkampfjargon ab. Bei Felber hat man den Eindruck, dass er nicht erzwingen, sondern begeistern, gewinnen und einbinden möchte. Obwohl Felberts Ansatz von Grund auf ethisch-moralisch ist, schwingt er nicht die Moralkeule.

Des Weiteren findet man bei ihm keine Staatsgläubigkeit, und schon gar keinen EU- oder gar Globalzentralismus. Sein Konzept ist Bottom up, basisdemokratisch. Auch bei der Durchsetzung denkt er nicht an Zwangsmaßnahmen von oben, sondern setzt auf Transparenz und Abstimmung durch den Käufer bzw. Konsumenten. Flankiert freilich durch ein steuerliches Anreizsystem, dass positive Gemeinwohlbilanzen eines Unternehmens belohnt und negative bestraft". Es ist auch durchdachter als linke Konzepte, weil es über bloße materielle Aspekte und Gerechtigkeitskriterien weit hinausgeht und v.a. das gesellschaftliche Miteinander in den Blick nimmt.

Auf die oft gestellte Frage, ob das vorgestellte Wirtschaftsmodell nicht zu Wachstumseinbußen und somit Verlust von Lebensqualität führt antwortet Felber:

Wenn die Flüsse, Seen, Felder wieder Erholungswert bieten; wenn die Wohnungen und Häuser infolge guter Dämmung , natürlicher Materialien und intelligenter Bauweise kein Öl und Gas benötigen (und die reichen Länder keine Ressourcenkriege führen); wenn die Möbel nach Naturholz duften und Augen und bloßen Füßen schmeicheln; wenn die Lebensmittel nähren und mit Energie erfüllen; wenn alle wichtigen Tagesziele zu Fuß oder mit komfortablem öffentlichem Verkehr erreichbar sind; wenn das Arbeitsklima stressfrei, entspannt und und wertschätzend ist; wenn die Armut und das Betteln von den Straßen und öffentlichen Plätzen verschwindet; wenn alle im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben mit gleichen Chancen und Rechten integriert sind; und wenn alle wissen, dass ihr Lebensstil Menschen in anderen Ländern der Erde und zukünftigen Generationen keine Existenz- und Entwicklungschancen raubt, dann lebt es sich schlicht und ergreifend besser."

Ist das Konzept sozialromantisch? Ein wenig ganz sicher! Den Leistungs- und Konkurrenzdruck aus einem Unternehmen heraus zu nehmen bedeutet noch längst nicht, dass die Arbeitsatmosphäre besser wäre. Und auch wenn der Autor mit der Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen argumentiert, die belegen, das Kreativität und Leistungsfähigkeit in einem kooperativen Klima besser ist als unter Konkurrenzdruck - die Erfahrung aus sozialistischen Betrieben, im Beamtenapparat, im sozialhelferischen Berufsfeld usw. zeigen, dass zwischen Lebensrealität und dem Versuchsaufbau" sozialwissenschaftlicher Experimente doch eine nicht unerhebliche Kluft besteht. Auch bedeutet mehr Einkommen nicht automatisch mehr Lebensglück. Etc. Etc.

Und dennoch - Felbers Entwurf hat Charme, ist ein wirklich bedeutsamer Beitrag zum gegenwärtigen Diskurs um das Themenfeld Wirtschafts- und Finanzordnung" und stellt eine gute Ausgangsbasis für weitere Überlegungen dar.
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55 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. August 2010
Zuallererst. Es ist kein ausgereiftes Wirtschaftsystem, das vorgestellt wird, jedoch eine ausgesprochen interessante Ausgangsbasis für ein neuartiges Wirtschaften zugunsten des Allgemeinwohls (Mensch und Umwelt).

Die Gemeinwohl-Ökonomie bietet ein Denkmodell an, das es sich lohnt, genauer zu betrachten. Bis dato gab es viele einzelne Ideen, wie eine Wirtschaft "neu" aussehen könnte, aber es gab noch keinen so konkret durchdachten Ansatz dazu. Christian Felber, der gemeinsam mit den Attac-UnternehmerInnen und vielen engagierten Attacies das im Buch vorgestellte Konzept als Ausgangsbasis und konkreten Vorschlag zum Weiterdenken entwickelt hat, wird in den Medien wahrscheinlich (wie leider so oft) als Utopist abgetan werden. Man kann seine Gedanken jedoch nicht mehr ins linke Eck drängen, denn die Gemeinwohl-Ökonomie stellt eine echte Alternative zu den bisher gekannten Systemen (Kapitalismus und Kommunismus) dar, einen dritten möglichen Weg des Wirtschaftens.

Somit ist dieses Buch eine echte Errungenschaft - ein Grundlagenwerk - und kann zum Ausgangspunkt - zum Eckstein für eine neue Gesellschaft werden.

Was bedarf es dazu?
Sich mit dem Denkmodell auseinanderzusetzen, selbst wenn es nicht realistisch scheint (viele seinerzeit gedachten Utopien wurden bereits Wirklichkeit).
Sich von der Apathie, die uns angesichts der täglichen Schreckensmeldungen in den Medien erstarren lassen, zu lösen und konstruktiv mit- und weiterzudenken.
Sich denjenigen anzuschließen, die bereits solidarische Gemeinschaften zugunsten des Allgemeinwohls gebildet haben.

Und es braucht immer mehr Menschen, die erkennen, dass Glück und Zufriedenheit nur durch Beziehungen (die von gegenseitiger Wertschätzung, Ehrlichkeit, Zuhören, Empathie, Kooperation, gegenseitiger Hilfe und Teilen geprägt sind) erreicht werden können. Nur durch gelungene Beziehungen können wir wieder Vertrauen zueinander entwickeln und zu einem friedvollen und letztlich gewaltfreien Miteinander finden.

Und letztlich (oder vor allem?) braucht es neue Politiker, die nicht handeln, um die nächsten Wahlen zu gewinnen, sondern im ursprünglich gedachten Sinn dem großen Ganzen dienen - unabhängig von Parteizwang und Eigennutz.

So bleibt noch viel zu tun, aber der erste Schritt in eine hoffnungsvolle Zukunft ist getan.

Sehr empfehlenswert! Unbedingte Leseempfehlung zum Weiterdiskutieren.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. September 2011
In einer Gemeinwohl-Ökonomie ist alles anders. Das Streben nach Gewinn wird ersetzt durch das Streben nach Gemeinwohl, denn Menschenwürde ist der höchste Wert dieser Wirtschaftsweise, dem ordnet sich alles andere unter.
Der österreichische Attac-Aktivist Christian Felber legt mit großer Ernsthaftigkeit dar, wie er sich eine andere Ökonomie vorstellt, die nach seiner Überzeugung eine "unmittelbar umsetzbare Alternative zu dem Wirtschaftssystem, in dem wir derzeit gefangen sind" darstellt. Dessen Ursache sieht er in einem Anreizsystem, das Konkurrenz und Gewinnstreben belohnt.

Er identifiziert 10 Krisen des Kapitalismus, zum Beispiel Konzentration und Missbrauch von Macht, Soziale Polarisierung und Angst, Ausschaltung der Demokratie. Diese Fehlentwicklungen möchte er korrigieren und unternehmerischen Erfolg neu definieren. Gemeinsam mit etwa 30 Attac-UnternehmerInnen hat er einen Entwurf einer Gemeinwohl-Bilanz und eine zugrunde liegende Gemeinwohlmatrix entwickelt, mit den Werten Menschenwürde, Vertrauen, Solidarität, Ökologische Nachhaltigkeit, Soziale Gerechtigkeit und Demokratische Mitbestimmung. Auf der Suche nach betrieblicher Selbstverwaltung finde ich unter dem letztgenannten Punkt auf der Ebene der MitarbeiterInnen die "Freiwillige Basisdemokratie".

Unternehmen, die in den angesprochenen Bereichen mehr tun, als nur die gesetzlichen Mindeststandards einzuhalten, sollen dafür Gemeinwohlpunkte bekommen. Dafür soll es verschiedene Arten der Belohnung geben, zum Beispiel Steuervergünstigungen, Bevorzugung bei der öffentlichen Auftragsvergabe, Fördermittel etc. Denn: "Die Gemeinwohl-Ökonomie ist somit nicht primär eine Strafökonomie, sondern eine Belohnungsökonomie."

Die Idee

Weitere Aspekte der Gemeinwohl-Ökonomie: Gewinne sollen nicht mehr beliebig privat angeeignet, aber zum Beispiel auch nicht an Parteien gespendet werden können. Und jeder Mensch soll alle 10 Jahre ein Jahr von der Erwerbsarbeit freigestellt werden ' damit wäre auch die Arbeitslosigkeit in der EU beseitigt.
Für mehr Gleichheit zwischen den Menschen sollen die höchsten Gehälter maximal das 20-fache des Mindestlohns betragen, das Privateigentum soll begrenzt werden. Es kann dann noch private Kleinunternehmen geben, große Firmen müssen sich jedoch in gemeinschaftlichem Besitz befinden. Daneben soll es in Schlüsselbereichen demokratisch kontrollierte Unternehmen ("demokratische Allmenden") geben.

In dieser anderen Ökonomie soll auch die Finanzwirtschaft umgestaltet werden, ein wichtiger Bestandteil ist die Demokratische Bank, an deren Vorbereitung Christian Felber in Österreich bereits arbeitet, und die er hier ebenfalls kurz vorstellt. Die Finanzmärkte sollen abgeschafft werden, es gibt keine Aktiengesellschaften mehr, Geld wird ein öffentliches Gut.

Der Autor bezieht seine Ideen auf Europa, räumt aber ein, dass es auch sein könnte, dass Lateinamerika schneller ist mit der Umgestaltung seiner Ökonomie. Global möchte er - wie schon in den 1940er Jahren von Keynes vorgeschlagen - eine internationale Welthandelswährung einführen.

Dabei beruft sich Christian Felber auf eine Reihe von Studien, die zum Beispiel belegen, dass Gleichheit glücklich macht, oder dass eine intrinsische (innere) Motivation wirksamer ist und bessere Arbeitsergebnisse bringt als Druck und Konkurrenz. Statt miteinander zu "konkurrenzieren", kooperieren die Menschen in einer Gemeinwohl-Ökonomie, und dabei geht es allen besser. Die Erziehung und Bildung ist auf dieses Menschenbild ausgerichtet.

Christian Felbers optimistische und eingängige Art der Erläuterung und Argumentation wirkt sehr idealistisch, seine Vorschläge beinhalten nicht viel Neues - können sie die reale wirtschaftliche und politische Entwicklung beeinflussen? Und könnten richtige Anreize Unternehmen in größerem Stil auf freiwilliger Basis zu einer anderen Unternehmenspolitik bewegen? Wer hätte die Macht, solche Anreize zu setzen?

Der Autor beansprucht nicht, ein vollständiges Modell zu erstellen, sondern führt aus, dass die Details in demokratischen Prozessen festgelegt werden sollen. Diese reißt er auf den verschiedenen Ebenen kurz an. In einem 3-Säulen-Modell ergänzt er die repräsentative parlamentarische Demokratie durch Elemente direkter Demokratie (z.B. BürgerInneninitiativen und Volksabstimmungen) und partizipativer Demokratie (z.B. demokratische Allmenden und Beteiligungsbudgets). Zu zentralen Themen wie Wirtschaft, Bildung, Daseinsvorsorge und Medien sollen jeweils die Betroffenen in Konventen mit Entscheidungsbefugnis zusammentreten. Branchenbezogene Kooperationsausschüsse ersetzen die bisherige Konkurrenz durch gemeinsame Maßnahmen zur Entwicklung ihrer Branche im Sinne des Gemeinwohls.

Und die Praxis?

Immerhin gibt es einige, vor allem kleinere Unternehmen, die nun mit der Gemeinwohl-Bilanzierung beginnen. Es bleibt abzuwarten, ob sie aufgrund dessen reale Änderungen einführen, oder sich nur mit dem neuen Instrumentarium marketingstrategisch besser darstellen, und welche gesellschaftspolitische Relevanz sie damit entfalten können.
Unangenehm aufgestoßen ist mir das häufige und undifferenzierte "wir" und "unser", weil ich es gewohnt bin, nach Interessenslagen zu differenzieren. Aber in sich ist die Argumentation des Autors schlüssig, denn er geht davon aus, dass eine solche Wirtschaft das Leben für alle verbessern würde, auch für diejenigen, die ihre materiellen Privilegien verlieren. Die potentiell totalitäre Dominanz der Interessen der Gemeinschaft über die Interessen Einzelner reflektiert Christian Felber in diesem Buch nicht.

Wenn der vom Autor eingeführte neue Trinkspruch "Zum Gemeinwohl" wenigstens in einem kleinen Teil der Unternehmenslandschaft eine sozial, ökologisch und basisdemokratisch verbesserte Unternehmenskultur andeutet, wäre immerhin schon etwas gewonnen.

Diese Rezension erschien im März 2011 in CONTRASTE - Monatszeitung für Selbstorganisation
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29 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Dezember 2012
ich möchte nicht übertreiben: das ist das Beste Buch, dass ich in den letzten Jahren gelesen habe;
mit dem größten persönlichen Gewinn.
(vielleicht noch Katharina Ohanas: "Gestatten Ich", aber das ist ein ganz anderes Thema...)

Gemeinwohlökonomie ist jetzt kein spannender Krimi, sicher, aber es liest sich fast wie einer.
vielleicht eher wie eine Liebesgeschichte..?

warum ist dieses Buch so gut?
Christian Felber zeigt dem Leser in klarer Sprache, sachlich fundiert aber nicht zu (pseudo-)wissenschaftlich, seine Vision von einer (viel) besseren Wirtschaft und mithin Gesellschaft.
In diesem Buch macht die richtige und wichtige Kritik an bestehenden Verhältnissen (derer wir z.T. schon müde sind) nur den kleineren Teil aus. Der größere Teil ist sein >VISION<.

Kritik gibt es im Überschuss.
Visionen sind selten. Visionen sind wertvoll.
Deshalb ist dieses Buch unglaublich wertvoll für mich.

Andere Rezensenten mögen das anders sehen, ich finde Felber durchweg angenehm sachlich und bodenständig. Er verirrt sich nicht in Pathos und nicht in Schwarz-Weiß-Gut-Böse-Schemata.
Seine Ideen gründen m.E. auf einer soliden und beinahe leidenschaftslosen (sic!*) Analyse der Probleme, deren Ursachen, des Möglichen, des Gangbaren und der nächsten Schritte.
"Seine" (in Wirklichkeit eher ein Gemeinschaftsprojekt) "Utopie" hat ein erkennbares Für und Wider.
Er führt uns diese Vision nicht als alleinigen Heilsweg vor, sondern bedacht als einen möglichen Weg, der zur Disposition steht.

Vielleicht gibt es aus wissenschaftlicher Sicht Schwächen, die ich nicht beurteilen kann? Ich habe nicht Ökonomie oder eine Gesellschaftswissenschaft studiert, sondern bin in diesen Feldern eher Laie.
Als solcher kann man das Buch gut verstehen, aber auch, wenn man mit wissenschaftlich-methodisch geschultem Auge herangeht, scheint es noch recht solide. (da bin ich kein Laie) Felber zitiert, belegt im Rahmen einer populären Monografie reichlich und nennt Quellen.

Ich erschöpfe mich jetzt im Lob und ende mit einer unverholen-enthusiastischen 6-Sterne Leseempfehlung, besonders für alle, denen der Unmut über das gegenwärtige Wirtschaftssystem bis zum Hals steht und die sich mit der "Alternativlosigkeit" nicht abfinden wollen.
An alle, die auf eine Vision gewartet haben.

vielen Dank, Christian Felber!

* für mich ist Leidenschaftslosigkeit ein sehr nötiges Adjuvanz für alle, die große Dinge - Menschen, Gesellschaften etc. - ändern wollen.
Wenn einer nicht hasst, was er verbessern will, ist mir das ein Zeichen seiner Reife und ein Merkmal einer guten Idee.
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39 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ich habe das Buch mit Gewinn gelesen und teile seine Haupttendenz: wirklich gute Vorschläge für eine demokratische Wirtschaft. Allerdings mit ein paar gravierenden gedanklichen Schnitzern: 1. Ganz im Anfang: Eigennutz ist nicht Egoismus, Herr Felber! Nicht jedes Verfolgen eines Nutzens und Vorteils ist ungerechte Vorteilsnahme, ist Übervorteilung. (Ich hab darüber in "Sprung aus dem Teufelskreis" geschrieben.) Jedes Gewinnstreben, ja jede Selbsterhaltung und Leistung (die vom Autor später als notwendig eingeräumt werden) hängt auch mit natürlichem Eigennutz zusammen. Kein Wesen ist ohne diesen lebensfähig, vom Saugen an der Mutterbrust an. Die soziale, kooperative Komponente leugne ich deshalb keineswegs. Sie ist übergeordnet. Wie das Volk richtig weiß, aber nicht praktiziert: Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Die Handlungs- und Werte-Ebenen müssen differenziert und gestuft, nicht als sich vermeintlich "wissenschaftlich" ausschließende entgegengesetzt werden. Sonst bekommt das Ganze unnötigerweise den Anstrich eines zu blauäugigen, unglaubwürdigen Gutmenschentums (das ist der berechtigte Sinn dieses bösen Wortes!) - obwohl die Hauptsache, eine auf Kooperation beruhende und am Gemeinwohl orientierte Ökonomie so extrem wichtig ist.

2. Dementsprechend ist keineswegs jeder Wettbewerb, jede Darstellung individueller Fähigkeiten ein Niedermachen des Konkurrenten, nicht jede Konkurrenz "Kontrakurrenz". Von Anfang an setzt Felber Marktwirtschaft mit Kapitalismus gleich - etwas, was z.B. die Freiwirtschaftler (aus der Gesellschen Schule) mit vollem Recht stets ärgert, auch in der öffentlichen Politiker-Debatte. Erst spät unterläuft dem Autor irgendwo beiläufig, dass es auch nicht-kapitalistische Marktwirtschaft gibt. Nirgends wird aber ausgeführt, dass das Marktprinzip ein wichtiger natürlicher Verteilungsmechanismus ist. Es wird infolgedessen kein scharfer Begriff von Kapitalismus und den aus ihm folgenden Übeln gegeben. Die meisten Übel folgen aber nicht aus dem Marktprinzip, dessen Freiheit sich allerdings nicht von selbst ergibt, sondern politisch herzustellen ist, sondern aus dem Kapitalismus-Prinzip: aus leistungslosen bzw. vorenthaltenen Einkommen.

3. Das Demokratieproblem kommt erst spät und in einer der Ökonomiefrage untergeordneten Weise zum Zuge. Dass die Demokratiefrage - die Frage nach menschengerechter Gemeinschaft und Gesellschaft - nicht allein ökonomisch gelöst werden kann, ist den vorwiegend ökonomisch Ineressierten wie auch der Bevölkerung noch immer nicht klar. Wirtschaft stellt zwar die fundamentale Ebene des Gemeinwesens dar, das Untergeschoss des gesellschaftlichen Hauses, darf aber nicht die dominierende bleiben wie derzeit, auch nicht in einer Gemeinwohl-Ökonomie. Das auch vom berechtigten Eigennutz geleitete Wirtschaftsleben muss von den höheren Ebenen des sozialen Ganzen (von der Rechtspolitik, der Kultur und den Grundwerten) bestimmt werden, statt umgekehrt diese zu dominieren. Wie dann die durch eine ständige, eigens direkt gewählte parlamentarische Kammer (nicht durch einen einmaligen "Konvent") mögliche Wirtschaftsdemokratie aussehen könnte, dazu gibt das Buch wertvolle Anregungen. Besonders, was die alten, immer noch aktuellen Fragen des Eigentums an Land und Ressourcen sowie an den Produktionsmitteln angeht.

Bereits 1928 erschien das Buch "Wirtschaftsdemokratie" von
dem Gewerkschaftler Fritz Napthali. Darin stehen - neben so vielem, was die "Gemeinwohl-Ökonomie" mit gefälligerem Vokabular wieder will - klarsichtige Sätze, die damals zum Unheil aller nicht beachtet wurden, wie: "Für jede Entwicklung in die Richtung zur Wirtschaftsdemokratie ist (...) die politische Demokratie notwendiger Ausgangspunkt und unerlässliche Voraussetzung" (Neuauflage 1966, 20). Inzwischen wissen wir besser, wie beides miteinander zu erreichen wäre. Kooperieren wir, Christian Felber, statt miteinander zu konkurrieren - durch Ignorieren!
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Felber ist möglicherweise ein Visionär, also eine Person, die Vorstellungen von der Zukunft entwickelt. Er könnte aber ebenso ein Phantast sein, also ein Träumer, ein Mensch mit überspannten Ideen. Auch ich stelle mir immer wieder ähnliche Fragen wie Felber: wie wird es mit der Wirtschaft, mit der Beschäftigung, mit dem Geld weitergehen, mit der Preisspirale? Die Ansätze von Felber klingen einfach und oft logisch: Banken dürfen nur mehr ihre Selbstkosten erwirtschaften und keine Gewinne erzielen; Unternehmen sollen ein Art Gemeinwohl-Ökonomie-Zertifikat erhalten: zahlen sie weiblichen Arbeitnehmern denselben Lohn, beteiligen sie Mitarbeiter an Unternehmensentscheidung, produzieren sie Umweltschonend usw; Unternehmer selbst dürfen nur ein bestimmtes Vielfaches des Mindestlohnes ihrer Mitarbeiter verdienen; Konkurrenz soll verboten werden; Besitz soll limitiert werden (besitzt jemand eine über die erlaubte Zahl an Wohnungen oder Häusern, z. B. durch Erbschaft, soll er gezwungen werden, das Zuviel zu teilen oder zu verschenken u.a.).

Felber glaubt an eine globale, alle Menschen erfassende Gemeinwohl-Ethik. Keiner soll mehr übermäßig viel verdienen, alles soll vernünftig günstig sein, der einzige Grund noch Unternehmer zu werden, liegt darin, sich seinen Mitmenschen gegenüber ethisch anständig zu zeigen und es allen gut gehen lassen. Liest man sich tiefer ins Buch, werden zwei Dinge schwierig: das Lesen, weil oft etwas zu breitgetreten und ausufernd geschrieben wird (wohl um dem Buch eine gewisse Seitenanzahl zu garantieren). Das Verstehen: Beispiel: wenn ein Unternehmen nur mehr einen bestimmten Betrag verdienen darf, ab einer gewissen Unternehmensgröße alle Mitarbeiter bei Unternehmensentscheidungen mitreden müssen usw. kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand Lust hat, sein privates, beschränktes „Vermögen“ noch für andere zu investieren und dann dabei gar nicht mehr mitreden darf, was damit geschieht.

Es führe zu weit, hier alle sinnhaften und fragwürdigen Thesen von Felber anzuführen. Natürlich sind in vielen Theorien sinnvolle Ansätze, ja meines Erachtens auch durchaus realistische, praktikable Lösungen. Aber einerseits zieht Felber über Reglementierungen und Gesetze her, andererseits verlangt er neue. Einerseits soll der Staat neue Kontrollinstitutionen einrichten, andererseits sollen ethische und umweltschonende Unternehmen keine Steuern mehr zahlen – woher aber das Geld, um alle sonst formulierten Gemeinwohl-Einrichtungen zu erhalten? Beim Lesen beschlich mich so das Gefühl, Christian Felber würde gerne bequem leben - wer nicht - aber dafür sorgen sollten „die anderen“ und meint damit sehr oft Unternehmer.

Wie sich der Leser an der Realisierung beteiligen kann, erläutert Felber natürlich auch. Aber von den acht Vorschlägen kann man im Moment nur zwei verfolgen. Die anderen gehen erst, wenn Felber’s Ideen realisiert wurden. Wie oben erwähnt, es ist etwas schwierig, den Visionär zu verstehen. Oder ist der doch ein Phantast?
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 100 REZENSENTam 19. November 2014
Christian Felber kommt ohne eigenes Verschulden aus Salzburg - und bewusst aus dem Attac-Umkreis. Er konstatiert in "Gemeinwohl-Ökonomie" das Versagen des jetzigen Systems. Insbesondere die Betonung des Eigennutzes und der Konkurrenz sind ihm ein Dorn im Auge. Der Mensch sei eher auf Kooperation und Gemeinwohl ausgerichtet wie in Kleingruppen, wie in Familien. Wenn man jetzt nicht gerade als Jurist oder Ökonom massiv anders auf das Eigennutz-Dogma hin gedrillt wurde, klingt das sehr plausibel, wobei wir Menschen wir vielleicht doch beides in uns haben. Und bereits aus Gründen der Ökologie (und auch von Gerechtigkeitsgefühlen) geht es so jedenfalls nicht einfach weiter. Wachstum ist für Felber mit Leopold Kohr nur "ein Mittel zur Erreichung der optimalen Größe" und sicher kein Selbstzweck. Dem Finanzgewinn als Messgröße will Felber gleich mit den Zahn ziehen.

Neben der Kritik am Existierenden werden vor allem Gegenbeispiele hierzu aufgeführt und Gegenprinzipien postuliert. Das Kontrapunkt-Buch zu Felber wäre übrigens wohl Hayeks "Road to Serfdom" (oder vermutlich die diversen Ayn-Rand-Schinken), der Mitte des 20. Jahrhunderts sinngemäß fragte, welcher Supermächtige denn dann bitteschön Gemeinwohl definieren und Tugend einfordern dürfe und ob der Markt hingegen nicht herrlich kontrollarm wäre. Felber argumentiert dagegen und auch gegen diverse Standard-Totschlagargumente.

Gelesen habe ich es gemeinwohlökonomisch aus der Stadtbücherei. Dass "Gemeinwohl-Ökonomie" zumindest mich auch in allen Punkten überzeugt, inhaltlich wie stilistisch, mag freilich noch ein paar überarbeitete Neuauflagen dauern. Dreieinhalb bis vier Sterne.
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21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Februar 2011
Soziale Ökonomie ist ein schwieriges Thema.
Vorzeigbare Beispiele müssen doch tatsächlich im Umfeld der real existierenden politisch-ökonomischen Regeln aufgezeigt werden.

Das versuchen manche Veröffentlichungen zum Thema natürlich.
Hier mal ein Fahrradgeschäft, da mal eine Schreinerei, dort ein Bio-Kollektiv ... nein das überzeugt nicht.
Ich habe einige Bücher dazu gelesen. Und war danach eher deprimiert. Fallbeispiele exotischer ökonomischer Kleinstlebensformen, aber keine Perspektiven.

Dem Autor Christian Felber gelingt es mit diesem Buch jedoch überraschend anschaulich darüber hinaus den freien Markt zu hinterfragen und politische Alternativen aufzuzeigen, die auf das Belohnungssystem unserer Wirtschaft einwirken.

Im Grunde propagiert er mit guten Argumenten "Belohnung für positives Verhalten gegenüber der Gesellschaft" statt "Auslagern gesellschaftlicher Kosten und ökologischer Schäden auf die Gemeinschaft".
Und das OHNE das erfolgreiche Prinzip von Konkurrenz und Marktwirtschaft aufzugeben und in Planwirtschaft zu verfallen.

Das beste mir bekannte Buch um Thema. Und auch die beste, sprachlich und inhaltlich anschauliche Zusammenfassung des vom Autoren angestrebten 3. Weges zwischen Kapitalismus und Sozialismus.
Inspirierend.
Dafür tatsächlich 5 Sterne.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. September 2014
Felber vertritt in seinem Buch zur Gemeinwohlökonomie die These, dass grundlegende menschliche Werte - wie etwa Solidarität, Kooperation und Teilen -, die wir im normalen Umgang miteinander und in der Gesellschaft insgesamt wertschätzen, auch im Bereich der Wirtschaft gelten sollten.

So wichtig dieses Anliegen ist, so hätte man sich doch einige Präzisierungen gewünscht, ganz zu schweigen von der schwierigen, um nicht zu sagen aussichtslosen Umsetzung seiner Ideen. Was die Präzisierungen betrifft: Man ist doch einigermaßen überrascht, dass für Felber "Wirtschaft" per se als Konkurrenzunternehmen angesehen wird, in der es nur darum geht, sich gegenseitig gleichsam "fertig zu machen". Gilt dies auch für jeden Handwerker, jeden Ortsbäcker, jeden Landwirt? "Wirtschaft" gerät in Felbers Buch zur Chiffre für ein rein egoistisches Gewinnstreben - eine differenziertere Sichtweise wäre hier sicher von Vorteil gewesen.

Eine weitere Schwierigkeit, die im Buch aber kaum thematisiert wird, ist die Frage der konkreten Umsetzung im Rahmen einer globalisierten Ökonomie. Der Vorschlag, Schutzzölle für jene Gebiete einzurichten, in denen bereits nach der Gemeinwohlökonomie gewirtschaftet wird, mutet jedenfalls ziemlich anachronistisch an.

Obwohl manche Ideen im Buch durchaus überlegenswert erscheinen, ist der z.T. radikale Duktus mancher Formulierungen wenig geeignet, bestehende Gräben zu überwinden bzw. um Verständnis für die eigene Position zu werben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. November 2014
Ein inspirierendes Buch zu dem, was machbar wäre. Obwohl es utopischen Charakter hat, führt Herr Felber Schritt für Schritt den Leser dazu anzuerkennen, dass sein Modell tatsächlich im Bereich des Möglichen liegt.
Alle gesellschaftlich relevanten Bereiche (Politik, Wissenschaft, Bildungswesen etc.) werden angerissen, wobei der Schwerpunkt auf der Wirtschaft und deren Umgestaltung liegt. Dass auf eine "Allianz der Willigen" hingearbeitet wird, macht die Konzepte so sympathisch und nimmt den Nimbus des Utopischen (bei mehr als 100 das Konzept anwendenen Firmen auch nachvollziehbar.
Den Inhalt wiederzugeben, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen.
Etwas weniger gut gefiel mir der Ersatz des "bedingungslosen Grundeinkommens" durch ein Sabbatjahr alle 7 Jahre und das Verbot feindlicher Übernahmen. Lieber eine "Dreckschleuder" feindlich übernehmen und stilllegen oder sanieren, als auf die Vernunft hoffen.
Die Überbewertung des Faktors Arbeit ist m.E. ein weiteres Manko. Hier besteht sicher noch Handlungsbedarf in der Diskussion innerhalb der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung.
Alles in Allem aber ein wunderbares Buch, das einem zum Nachdenken bringt und der Menschheit Hoffnung schenkt jenseits jeglichen Profitstrebens.
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Geld: Die neuen Spielregeln von Christian Felber (Gebundene Ausgabe - 17. März 2014)
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