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Weil er selber von Arthur Goldens US-Bestseller Die Geisha begeistert gewesen ist, war John Williams schon lange interessiert, bei einer möglichen Verfilmung den Score zu komponieren. Als nun sein langjähriger Freund Steven Spielberg die Rechte daran erworben hatte, ließ Williams sogar seine Harry Potter-Folgeaufträge sausen. Weiteres Argument für ihn: Er sah darin eine gute Möglichkeit, mit zwei seiner favorisierten Instrumentalisten zu kooperieren. Itzhak Perlman hatte Williams bereits bei der legendären Schindler's Liste-Filmmusik und Yo-Yo Ma bei Sieben Jahre in Tibet eingesetzt sowie CDs von beiden produziert. Nun sind also alle drei vereint und das bei einem 85-Millionen-Dollar-Projekt, an dem Spielberg nach einigen Drehbuchentwürfen ausgestiegen ist und die Regie Rob Marshall (Chicago) erteilt wurde. Er machte aus dem Roman, der eine Ende der Zwanziger Jahre angesiedelte Geschichte erzählt vom Aufstieg des gesellschaftlich wie sexuell unterdrückten Aschenputtels Chiyo zur Geisha, die reichen Männern durch Konversation, Schönheit, Gesang und Tanz die Zeit vertreiben soll, eine 145-minütigen Liebens- und Leidensmär im Stil einer "erlesen fotografierten Kimono-Party" (Der Spiegel).
Während die bildgewaltige Bestsellerverfilmung bei Kritikern umstritten ist - "Mehr als eine gediegen, kitschige Illustration für's gesetzte Publikum, das sich einen Prestige-Film pro Jahr gönnt, ist das nicht". (Cinema) - gibt es über den Score nur Positives zu sagen. Ganz im Gegensatz zu seinen vorausgegangenen Musiken zu Star Wars III: Die Rache der Sith und Krieg der Welten kommt John Williams diesmal nicht bombastisch, sondern auf leisen Sohlen daher. Sein oftmals minimalistisch wirkender Score zu Memoirs Of A Geisha ist ein getragenes, aber keinesfalls schweres Orchester-Opus, das von leichter Rhythmik angetrieben und durch erstklassige Soli gekrönt wird. Yo-Yo Mas Cello charakterisiert beispielsweise das Thema für die in Sayuri umbenannte Chiyo, während Perlman seine Akzente unter anderem in "The Chairman's Waltz" setzt. Anspieltipps ist zudem das betörende "Becoming A Geisha", dessen Thema sich durch die fast 62-minütige CD wie ein roter Faden zieht und in "Confluence" gipfelt.
Konträr zum Regisseur, dessen Buchverfilmung "distanziert, emotionslos und kühl wirkt" (Der Spiegel), verstand es John Williams auf eindrucksvolle Weise, mit Hilfe eines wesentlichen Orchester und nur minimaler Verwendung der dafür ansonsten üblichen folkloristischen Elemente (die Shakuhachi-Bambusflöte oder Koto-Zither werden nur sporadisch eingesetzt!) typisches Japan-Flair voller Atmosphäre zu erzeugen. Weil dies hier stets ebenso einfach wie effektvoll geschieht, steht das Resultat ganz im Einklang mit der asiatisch-wirkenden Weisheit "Weniger ist mehr"!Thomas Hammerl
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