von oberflächlichen beurteilern, z.b. hochschulprofessoren, wird immer wieder behauptet, steiner hätte die inhalte seiner geisteswissenschaft/anthroposophie von anderen übernommen, z.b. von blavatsky. man will sich das phänomen "steiner" wegerklären, dass man darauf hinweist, wo steiner das - angeblich - her hat, was er dann als ergebnis seiner eigenen forschung dargestellt. das ist ja auch z.b. die methode "zander".
wer sich gründlicher auf steiner einlässt, auch auf seine philosophischen schriften, wird bald bemerken, dass dies nicht stimmen kann. nicht nur hat steiners geisteswissenschaft, im unterschied zu blavatsky, das christus-mysterium zum mittelpunkt, er bietet auch darstellungen geistiger tatsachen, die man sonst in der literatur nicht findet. steiner legte wert darauf zu betonen, dass er nur das vortragen würde, was er selber durch seine eigene geistige forschung überprüft hätte. insofern handelt es sich bei der, vor allem unter kirchenvertretern und theologen beliebten unterstellung, er hätte die inhalte seiner anthroposophie nur aus anderen quellen übernommen, um eine gewöhnliche verleumdung. das oberflächliche urteil macht es sich eben zu leicht mit der beurteilung dieser inhalte, bewertet eine ähnlichkeit in einzelnen details als nachweis einer quelle, von der steiner angeblich abgeschrieben hätte.
wer fortgeschritten ist in der arbeit mit steiners geisteswissenschaft gibt auf solche "nachweise" aus professoraler oder sonstiger borniertheit nichts. für ihn sind steiners schriften auch keine "information", wie man sie sonst aufnimmt, z.b. aus zeitungen und solchen büchern, in denen steiner dann vor das urteil der öffentlichen meinung gestellt wird, sondern mittel zum eigenen forschen. und da zeigt es sich, dass es vor allem auf den stil ankommt, in der steiner seine darstellungen verfasst hat, wie er geistige tatsachen, zusammenhänge darstellt - und dieser stil unterscheidet sich eben doch sehr von allem, was man sonst lesen kann.
die professorale "weisheit" würde aus der tatsache, dass zwei reiseberichte über dasselbe land vorliegen, schließen, dass der eine von dem anderen abgeschrieben haben muss, nämlich der jüngere von dem älteren, woraus man weiter schließen würde, dass es 1. dieses land nicht gibt, 2. der abschreiber ein gewöhnlicher betrüger ist. auch für die vorausgesetzt ursprüngliche quelle, von der also etwa steiner abgeschrieben hätte, hat so ein professor seine erklärung. so begründete ein mir bekannter professor seine vorbehalte gegen steiner damit, dass dieser zu viel von blavatsky übernommen hätte, die er als "wahnsinnige" bezeichnete ...
wer von eigenen geistigen erfahrungen berichtet, riskiert also, von der "weisheit" des wissenschaftlichen und sonstigen spießertums entweder als betrüger oder als wahnsinniger hingestellt zu werden. - sicher kein anreiz, um für die wahrheit einzutreten, und sicher ein grund, warum man früher dieses spießertum seinem wahnsinn überlassen hat, während man das, was man wusste, lieber für sich behielt. heute geht dies aber nicht mehr. heute besteht die notwendigkeit, dass das geisteswissenschaftliche grundwissen populär gemacht wird, wenn nicht die barbarei sich über die sog. zivilisierte westliche menschheit immer weiter ausbreiten soll. dieses opfer hat steiner auf sich genommen. denn ein opfer war es sicherlich, sich so behandeln lassen zu müssen für das, was einem selber das höchste ist.
so geht die hochschulwissenschaft also mit steiner um, das hält man für eine wissenschaftliche leistung, etwa die wissenschaftlichen kolportagen eines zanders. dabei kommt man natürlich gar nicht auf das, worum es sich wirklich handelt. nicht von blavatsky u.a. hat steiner "abgeschrieben", um etwa seine geheimwissenschaft zu schreiben, sondern das, was er vorher jahrelang aus der gewöhnlichen naturwisswenschaft, z.b. des darwinismus, aufgenommen, in sich verarbeitet hat, wurde ihm zum mittel, um diese zusammenhänge in der geistigen welt erforschen zu können! das durchschaut man natürlich nicht, wenn man mit seinem urteil immer nur auf der oberfläche sich bewegt, wie es etwa der journalismus tut. der inhalt der geheimwissenschaft ist keine zusammenstellung von inhalten schon vorhandener dokumente, sondern ist die "antwort" der geistigen welt auf das, was der mensch sich mit der naturwissenschaft als wissen zunächst erarbeiten kann! wer heute noch auf dieses naturwissenschaftliche wissen allein schwört, sich also eine weltanschauungs-theorie daraus macht, hat noch gar nicht den fortschritt bemerkt, der darin liegt, von der naturwissenschaft zu einer geisteswissenschaft im steinerschen sinne aufzurücken.
wenn man sich ehrlich zunächst auf den boden der naturwissenschaft stellt, dann versucht von diesem punkt aus, auf den man nicht stehen bleiben kann, ohne sich als mensch zu verlieren - und der westen ist mit seiner naturwissenschaft nicht weiter gekommen, als im menschen das höchste oder "erfolgreichste" säugetier zu sehen -, vorzudringen, müsste man also zu ergebnissen kommen, die steiner in seiner geheimwissenschaft dargestellt hat. nur: so weit kommt ein gewöhnlicher gebildeter eben gar nicht, der etwa in seine hochschulwissenschaft eindressiert worden ist, in seinen traditionellen kirchenglauben, der angst hätte sich "unmöglich" zu machen in seiner zunft, wenn er sich etwa auf steiner beziehen würde ... das sei "obskurantismus" wurde mir von professoraler seite einmal versichert, also etwas, womit sich ein auf der höhe der hochschulwissenschaft stehender prinzipiell nicht beschäftigt.
man braucht keine andere voraussetzung, um steiner zu verstehen, als innere ehrlichkeit und vorurteilslosigkeit.