Der Autor Marek Halter hat sich selbst in seinen Roman hingeschrieben. Als Schriftsteller, der ein Buch über Jerusalem schreiben will, ist er selbst mit von der Partie. Die Handlung besteht aus einer Mischung realer Ereignisse und Fiktionen. Der Leser erfährt einiges über die Geschichte Israels, Jerusalems und den gemeinsamen Ursprung der drei monotheistischen Weltreligionen. Die einzigartige Faszination der heiligen Stadt, der sich keiner ihrer Besucher entziehen kann, ist überzeugend dargestellt. Wer einmal vom Ölberg aus die Jerusalemer Altstadt mit dem Tempelberg gesehen hat, kann das verstehen, weil er diesen einmaligen Anblick nie mehr vergessen wird. Auch die dreitausendjährige Ambivalenz zwischen Traum und Alptraum, Friedenssehnsucht und Krieg/Terror, Liebe und Hass wird dem Leser glaubhaft vermittelt.
Der Roman weist einige sachliche Fehler, bzw. Ungenauigkeiten auf. Eleazar ben Yair, der Kommandant, der von römischen Legionen belagerten Festung Massada wird als aufständischer Essener bezeichnet, obwohl er und seine Getreuen zu den Zeloten (Sikariern) gehörten. Die gebrauchte Bezeichnung "ein Rabbiner der Karäer" ist paradox, da es einen solchen nicht gab/gibt, weil gerade die Karäer den rabbinischen Talmud ablehnen. Beim georgischen Namen Adjashlivi wurden die beiden letzten Silben vertauscht; denn richtig müsste er Adjashvili (=Sohn des Adjas) lauten. Obwohl die Stadt Babylon (Babel) im Roman eine besondere Rolle gegenüber Jerusalem einnimmt, gibt es an keiner Stelle eine Erklärung ihres Namens, der "Tor Gottes" (Bab-El) bedeutet.
Die "Krimi-Elemente" des Romans gipfeln in einer Zusammenarbeit zwischen Mossad und Hamas, die zur Abwehr des gemeinsamen virtuellen Feindes namens "Nebukadnezar" Informationen austauschen, machen das Buch jedoch nicht besonders spannend. Ebenso wenig gelingt dies durch "Schriften-Elemente", d. h. die Erwähnung tatsächlicher oder die Ausgrabungen fiktiver altertümlicher Schriften. Auch der Kapuzenmann auf dem Buchcover, der wohl Assoziationen an die Genreklassiker Assassini und Illuminati erwecken soll, derartige Erwartungen jedoch nicht erfüllt, macht aus dem Roman auch nicht den im Klappentext avisierten Thriller. Ein ähnlicher Roman und wirklicher Thriller zum gleichen Thema ist "Die Jagd nach dem Wüstengrab" von Valerio M. Manfredi. "Die Geheimnisse von Jerusalem" kann jedoch denjenigen Lesern, vor allem als Urlaubslektüre empfohlen werden, die die besondere Faszination der in Freude erfahrenen und Leid geprüften Stadt erfahren wollen. Zusammengenommen ist das Buch mit 3 Amazonsternen zu bewerten.