Schon immer habe ich mich gefragt: Was geht bloß im Kopf meines Chefs vor? Nach dieser Lektüre bin ich ein gutes Stück schlauer! Der Autor, ein ehemaliger Chef, deckt die Lügen und Macken der Chefs nicht nur auf: Er zeigt dem Leser, wie man einen schwierigen Chef bändigt und als Partner gewinnt.
In dem Buch erkenne ich meine Arbeitswelt wieder. Es geht um all die kleinen und großen Macken der Chefs, die uns im Alltag verzweifeln lassen. Was tun, wenn der Chef nicht lobt, nicht delegiert, sich wie die Axt im Walde aufführt? Wie reagieren, wenn er die Ideen der Mitarbeiter als seine eigenen verkauft und die Gehaltserhöhung oder die Beförderung wieder einmal verweigert?
Der Autor zeigt taktische und rhetorische Kniffe, wie man den Chef lenken kann - und zwar so, dass man von ihm doch noch bekommt, was man braucht: ein Lob, eine Beförderung, eine Gehaltserhöhung usw. Die Beispiele scheinen mir praxisnah. Das aktive Einholen von Lob habe ich am Tag nach der Lektüre ausprobiert, und es hat geklappt. Als nächstes möchte ich den nützlichen "Lügendetektor", der beschrieben wird, an meinem Fachvorgesetzten versuchen.
Der letzten Teil des 260-seitigen Buches behandelt auf 80 Seiten sämtliche Verhandlungen mit dem Chef: Mitarbeiter-, Gehalts- und Vorstellungsgespräch. Gerade das Kapitel zum Bewerbungsgespräch finde ich sehr nützlich. Hier habe ich das erste Mal gelesen, wie ein Personalchef bei dieser Gelegenheit denkt und mit welchen Fragetricks - z.B. Fang- oder Trichterfrage - er Bewerber aufs Kreuz legen will. Der Autor zeigt, wie man als Bewerber alle Fallen meidet und eine gute Figur abgibt.
Die Kernaussagen des Buches sind für mich:
1. Mein Chef hat nur so viel Macht über mich, wie ich sie ihm einräumte (ich bin also kein Opfer, sondern habe mein Berufsleben in der Hand).
2. Nicht nur mein Chef führt mich - sondern auch ich kann ihn steuern, und zwar sehr zu meinem Vorteil (dazu liefert das Buch viele, viele Tricks).
3. Chefs verwenden oft Lügen und Halbwahrheiten (das Buch führt eine ganze „Hitliste" auf) - wenn ich sie durchschaue, kann ich meine Interessen besser vertreten.
Ich bin froh, daß ich dieses Buch gelesen habe. Ob es mein Chef auch ist, daran habe ich so meine Zweifel ...