Gegenspieler ist die Beschreibung der beiden mächtigsten Männer des 12. Jahrhunderts - Friedrich I. von Hohenstaufen, genannt Barbarossa, und Heinrich aus dem Hause der Welfen, genannt der Löwe. Ihr Mit- und ihr Gegeneinander - ein großer Stoff. Herausgekommen ist ein höchst interessantes Buch, schon weil es schwer fällt, es den gängigen Bücherstapeln in unseren Buchhandlungen zuzuordnen. Auf keinen Fall gehört es zu den ach so beliebten historischen Romanen und genauso wenig zu den staubtrockenen, vor lauter Abgewogenheit aussagelosen Konvoluten aus der Zunft der Mittelalterwissenschaftler. Es ist ein Sprung in ein fernes Jahrhundert, das die Phantasie anregt und zum Erzählen anstiftet. Und das versteht der Autor. Vor dem Auge des Lesers platschen die Kontrahenten in den Waschzuber, parlieren, fluchen, geben Befehle und ihr Wort, um es wieder zu brechen. Sie heiraten, gehen fremd und lassen sich scheiden. Man besäuft sich, huldigt der Völlerei, friert in schlecht geheizten Gemäuern, schlägt um sich und intrigiert. Einer kratzt sich am Sack, und der Drallen dort am Herd wird an den Busen gegrapscht. Das etwa ist die Tonlage. Keine Lektüre für den Klosterschüler (oder vielleicht doch?). Das Buch hat einen breit angelegten Spannungsbogen, der seine Kraft aus der Gegensätzlichkeit seiner Helden schöpft - zwei kompliziert angelegte Charaktere, die eines gemeinsam haben, den unbedingten Willen zur Macht. Doch die Handelnden tragen ein Korsett: Das sind die historischen Fakten, in denen das Buch passgenau sitzt. Jedes der 18 Kapitel endet mit einer sehr kurz gefasste Ereignis-Tabelle, die der Autor Zeitraffer genannt hat. Das ist ein wunderbares Repetitorium, das es kolossal vereinfacht, die bunte Pracht noch einmal in ein Schwarz-Weiß zurück zu übersetzten. Zum Schluss legt man das 570 Seiten dicke Buch aus der Hand, gut gelaunt, weil gut unterhalten und fragt sich, warum der eigene Geschichtsunterricht vor jenen Jahren so langweilig gewesen ist.
Helmut Roewer