Also: die Personen sind unrealistisch, der Stil stellenweise allzu schwülstig, stellenweise rührselig und stellenweise gekünstelt, die Schilderungen sind an zahlreichen Stellen oberflächlich. Die Vorstellungen der Autorin von Europa stammen aus zahlreichen Liebesromanen und Schnulzen. Soweit zum Schlechten.
Jetzt kann man fragen, wie ich angesichts dieses verheerenden Befundes an dem Roman überhaupt etwas Gutes finden kann? Um es vorsichtig auszudrücken, der Roman funktioniert an vielen Stellen nicht, er würde aber an vielen Stellen (nicht an allen) sehr gut funktionieren, wenn die Autorin in der Lage (im Sinne von: wäre es ihr erlaubt) gewesen wäre, über Erotik mehr Worte zu verlieren als keusche Küsse zuzulassen und die Wendung "sie heiratete". Aber das wiederum darf sie (zu ihrer Zeit, an ihrem Ort) gerade nicht, so daß das Ergebnis ein Text ist, der nichts anderes als eine sexuelle Obsession schildert, ohne jemals über Sex und Erotik ein Wort zu verlieren. Zwischen den Zeilen ist die Spannung jedoch überdeutlich zu spüren.
Für den Leser des 21. Jahrhunderts nun liest sich ein Roman, bei dem sich der Leser wesentliche Teile selbst dazudenken muß, nicht unbedingt sehr spannend. Mit dem zwischen-den-Teilen-Text aber wird es eine runde Sache und ich kann der Autorin (der es versagt war, über alles zu schreiben, was ihr auf den Nägeln brannte) meine Hochachtung nicht versagen.
Zum Inhalt: Rosamond Vivian wächst bei ihrem Großvater auf, als eines Tages Phillip Temepst zu Besuch erscheint, der von der 18jährigen so fasziniert ist, daß er sie ihrem Großvater beim Kartenspielen abgewinnt. Des Großvaters einzige Bedingung besteht darin, daß Tempest Rosamond heiraten muß. Das Paar bezieht eine Villa bei Valrosa bei Nizza. Als Rosamond erfährt, daß Tempest schon mit einer anderen verheiratet ist und ihre Ehe daher nicht gültig ist, ergreift sie die Flucht. Tempest, der wegen ihrer Flucht gekränkt und von seinem egoistischen Begehren getrieben wird, jagt ihr durch halb Europa nach...