Chemoshs Plan, endlich auch mal ordentliche Gefolgsleute zu haben, ist ganz gut aufgegangen: Horden vorwiegend attraktiver Untoter lauern mittlerweile auf ganz Krynn und die meisten Bewohner sind noch immer ahnungslos. Nicht so Exmönch Rhys, der ein Zweckbündnis mit Sturmgöttin Zeboim eingegangen ist und gemeinsam mit seinem Kenderfreund Nachtschatten und einigen anderen Rechtschaffenen versucht, den rapiden Untotenanstieg zu stoppen.
Währenddessen sitzt Bernstein-Mina auf dem Grunde des Blutmeers fest, wo sie sich mit Magiegott Nuitari und einem Seedrachen rumschlagen muss...
Die Sympathieträger der älteren Drachenlanzeromane sind mittlerweile eigentlich alle (teilweise mehrmals) verstorben. Selbst die ehemals "neue Generation" hat zum Großteil schon den Geist aufgegeben und Margaret Weis startet mit Charakteren wie Mina und Nachtschatten offenbar den Versuch, neue Sympathieträger zu erschaffen.
Leider klappt das zum Großteil nicht so ganz. Die Story um die "Auserwählte" und nun "Gefangene" Mina ist eigentlich gar nicht mal schlecht. Nicht völlig neu, aber auch noch nicht tausendmal da gewesen und der ein oder andere Charakterkopf, allen voran Chemosh, wurde geschaffen. Außerdem haben die krynnischen Götter bisher nicht gerade mit übermäßiger Aktion geglänzt. Takisis hat zwar das ein oder andere Mal versucht, sich die Welt unter den Nagel zu reißen, aber richtig interessiert hat das eigentlich nur den mittlerweile zum Elfen mutierten Lichtgott Paladin. Von daher hat es durchaus seinen Reiz, mal die Götterwelt näher kennenzulernen. Schließlich erfährt man nicht jeden Tag, was sich Götter so bei ihren täglichen Aktivitäten denken.
Aber dieses Potenzial wird absolut nicht ausgeschöpft! Mina ist ein arroganter Dickkopf und die eingestreuten Menschen wirken lächerlich vor den mal allmächtigen, mal doch ziemlich eingeschränkt agierenden Göttern. Ebenso lächerlich wirkt das Ende dieses 2. Teils der "Jünger der Drachenlanze". Der nächste Band wird gute Erklärungen und Rechtfertigungen benötigen, um hier wieder eine ordentliche Geschichte draus zu machen.
Trotz dieser Schwächen, die dem Leser die Leselust einschränken, muss erwähnt werden, dass "Die Gefangene" kurzweilige Fantasyunterhaltung ist, welche den ersten Band in Sachen Spannung teilweise zu toppen vermag.
Nur leider ist das einfach nicht das Leseniveau, was man von einem Drachenlanzeroman von Margaret Weis gewöhnt ist. Jemand, der die alten Sachen nicht gelesen hat und Mina nicht zwangsläufig mit ausgefeilten Charakteren wie Raistlin vergleichen muss, wird dennoch seinen Spaß haben.