Ich kann mich den bisherigen Meinungen nur anschließen: In weniger als 4 Tagen hatte ich das Buch gelesen, es fällt schwer, nachts früh genug das Licht auszumachen, anstatt weiterzulesen. Die Story ist unterhaltsam, relativ spannend, kreativ aber nicht völlig unrealistisch (wenn auch nah dran).
Natürlich ist Mitch Rapp wieder der unfehlbare Superheld, der fröhlich folternd die USA inklusive aller Weichei-Politiker und Karriere-Tussis retten will. Die (nicht so ganz) unterschwellige Frauenfeindlichkeit ist selbst mir zuviel. Sie allein trübt den Lesespaß aber nicht sehr.
Politisch ist das Buch unter aller Kritik, mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung hat es definitiv nichts im Sinn.
______ (ab hier nur weiterlesen, sofern Buch schon gelesen)
Natürlich ist es unterhaltsamer, anstelle von langweiligen Beschreibungen technischer Details (worin z. B. Tom Clancy unangefochten ist) zu beschreiben, wie der Superheld permanent die Oberhand behält und Herr über Moral und Gesetz ist. Er darf foltern, morden (!), Gesetze ignorieren, entscheiden, wann er auf Vorgesetzte hört und bleibt grundsätzlich ungestraft, stattdessen gibt es Lob und Anerkennung.
Es gibt m. E. keine Notwendigkeit, in einer fiktiven Story Bezug auf existierende Politiker und reale, umstrittene Gesetze zu nehmen. Genau das verstärkt bei mir den Eindruck, dass dieses Buch eben nicht nur unterhalten soll (was es definitiv tut), sondern stattdessen ein bewusster Weg zur Meinungsmache ist. Der Autor überschreitet hier m. E. ganz klar eine Grenze, von der sich selbst Schriftsteller wie Tom Clancy in ihrem überausgeprägten Patriotismus fernhalten.
Der Autor macht dies nicht einmal ungeschickt: Die "dummen, naiven Demokraten" werden (der i. d. R. männliche Leser freut sich) durch eine gutaussehende, aber primär karriereorientierte Frau dargestellt. Ihre angeblichen Bedenken gegen den Patriot Act sind natürlich nur vorgeschoben, Moral liegt dieser Frau ja eigentlich fern. Selbstverständlich hat sie nicht nur eine Affäre mit ihrem verheirateten Vorgesetzten hinter sich (wie unchristlich), nein, sie spielt auch danach weiterhin mit ihm und anderen Mächtigen in Reichweite. Da sie nicht nur karriere- sondern auch triebgesteuert ist, findet sie den Superhelden wahnsinnig attraktiv und möchte ihn unbedingt...., was dieser selbstverständlich zu verhindern versucht, indem er seine Ehe betont (wenn auch nur durch das Zeigen seines Ringes).
Überspitzt könnte man sagen, das Buch zielt auf den männlichen, konservativen bis nationalistischen, christlich-fundamentalistischen Chauvinisten und auf politisch Unentschlossene, die gerne Nachhilfe in unkonventionellen Ermittlungsmethoden haben möchten.
Alle anderen werden auch sehr gut unterhalten, werden aber - aus o. a. Gründen - immer wieder gegen die Übelkeit kämpfen müssen.