Frankreich im Mittelalter, zu Zeiten des hundertjährigen Krieges.
Durch die Schuld der Ausgestoßenen Marioette wird das Dorf ihres Erzfeindes, den Schönling und Feigling Anicet, geplündert, der wiederum nur knapp von einem namenlosen Ritter gerettet wird. Von da an sind sie alle drei aneinander gebunden und machen sich auf die Suche nach der legendären "Schwarzen Kraft", die letzte von drei Mächten, die die Welt beherrschen.
Ihr erstes Abenteuer führt das illustre Trio in einen magischen Wald, wo schwer zu unterscheiden ist wo der Traum beginnt und die Wirklichkeit wieder anfängt.
"Die Gefährten der Dämmerung" gehören zu den großen Klassikern des frankobelgischen Comics und dies nicht zu Unrecht. Autor und Zeichner Francois Bourgeon entwarf in seiner Trilogie ein entromantisierte und vor allem düstere Version des Mittelalters, die wesentlich näher an der Realität dran sein dürfte, als man selbst heute vorgesetzt bekommt und auch in heutiger Zeit frisch und unverbraucht anfühlt, da der düstere Ton sich natürlich anfühlt und nicht aufgezwungen, wie dies bei manchen "düsteren" Publikationen der heutigen Zeit der Fall ist. Die Grausamkeiten des Krieges werden in einem Band deutlich gemacht, ohne sich all zu sehr in blutrünstigen Details zu verlieren.
Aber auch die Handlung (oder Handlungen) selbst weiß zu begeistern.
Die Hälfte des Bandes beschäftigt sich damit, die drei Hauptfiguren vorzustellen, um sie danach auf eine wahrhaft traumhafte Queste zu schicken. Beides wird gekonnt miteinander verwoben und führt den Leser langsam an die Themen der Serien heran und macht neugierig auf das was danach noch kommen mag. Bourgeons Zeichnungen tragen dies sehr gut, da der gelernte Glasmaler, sehr gut weiß wie man seine Farben einsetzt und seine realistisch proportionierten (wenn auch für heutige Verhältnisse doch sehr gealtert aussehenden) Figuren, sorgen schnell dafür in die Atmosphäre der Serie hineingezogen zu werden.
Der Hauptgrund für das Funktionieren des Bandes sind jedoch die drei Hauptfiguren selbst. Bourgeon gelingt es sie nah an ihrer Zeit zu bauen und trotzdem liebenswert zu gestalten, zumindest Marioette und den namenlosen Ritter (obwohl oder vielleicht gerade weil dieser eine schreckliche Person ist und mit seinem zynischen Mundwerk das Geschehen in seiner Umgebung recht locker kommentiert) und es macht einfach nur Spaß, wie sie sich in den Dialogen regelrecht die Bälle zuwerfen (im Anicets Fall wohl eher an den Kopf) und dem Leser das Gefühl geben, Zuhause zu sein, sodass es auch nach fünf Mal lesen (dies wurde in einem Selbstexperiment ausprobiert) noch Spaß macht, den Band zu lesen.
Ein insgesamt schöner Serienstart also, der seinen fünften Stern jedoch durch das weiter oben erwähnte Charisma seiner Hauptfiguren erhält.
Die Ausgabe des Splitterverlags weiß in allen Bereichen zu begeistern. Die Bindung ist stabil, der Einband fest, das Papier qualikativ hochwertig und am Ende des Bandes finden sich noch eine Artworkgalerie, mit mehreren Konzeptzeichnungen, die die Detailverliebtheit der Serie noch etwas betonen und einen Artikel über "Das Tier von Tollund", welcher über geheimnisvolle Knochenfunde im Jahre 1937 berichtet und sich schön in den Gesamtkontext des ersten Bandes, wenn nicht gar der ganzen Serie einfügt (aus Gründen der Spannung wird sein Inhalt an dieser Stelle nicht verraten).
Am Ende hat man also ein nahezu perfektes Album vor sich liegen, welches neugierig macht, immer wieder Freude bereiten und eine Zier im Regal sein wird.