Die Reise der drei ungleichen Gefährten Marioette, Anicet und dem namenlosen Ritter, scheint sich dem Ende zu nähern, als sie die Tore der befestigten Stadt Montroy betreten, in deren Mauern sie die letzten Tage des Jahres verbringen werden.
Alle Fäden aus den vorangegangen Bänden laufen hier zusammen, Wahrheiten werden enthüllt, Weihnachten wird gefeiert und nichts ist oft so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Vieles wird ein Ende finden, aber zumeist kein Gutes und auch nicht leise und still, sondern laut und hässlich und niemand kann es aufhalten.
Die Dinge nehmen ihren Lauf, so wie es ein grausames Schicksal zu verlangen scheint...
"Das Fest der Narren" ist nicht einfach nur der dritte und finale Band einer Trilogie: es ist ein Epos, für sich, ein 140seitiges Monster, welches neben dem Ende des eigentlichen roten Faden, mehrere, kleinere Geschichten und detailliert über das Leben in einer mittelalterlichen Stadt erzählt.
Bourgeon gelingt es das Ganze unter einen Hut zu bringen, indem er das Tempo der Geschichte drosselt und sich in der ersten Hälfte hauptsächlich auf die weiter oben erwähnten kleineren Geschichten widmet, ehe er sich danach wieder der eigentlichen Handlung widmet. In dieser wurden die (offensichtlichen) fantastischen Elemente zurückgeschraubt, was aber auch daran liegt, dass das illustre Trio diesmal nicht in einer Traumwelt landet und daher die wahre Magie eher in den Köpfen und damit auch im Glauben der Menschen stattfindet (was thematisch durchaus passen dürfte).
Deswegen stellt sich auch die Frage, ob die "Schwarze Kraft" überhaupt bekämpft wird und über Umwege wird sie das wohl, eingepackt in Metaphern und Symbolen vor einer realistischen Kulisse, allerdings erfordert dies aufmerksam- und vor allem mehrmaliges lesen und ein gewisser Grad an Kenntnissen über mittelalterliche Mythologie. Glücklicherweise gehört "Das Fest der Narren" zu jenen Geschichten, die mit jeden Mal lesen immer besser und besser werden, aber wie schon geschrieben, es ist keine leichte Lektüre.
Vor allem wird auch dieses Mal wieder nichts geschönt, von Enthauptungen bis hin zu Vergewaltigungen ist alles dabei, was man vom "finsteren Mittelalter" erwartet, aber gleichzeitig wird auch geliebt und gelacht, sodass auch die schönen Seiten des Lebens nicht außen vor gelassen werden und dem Band einen kleinen Hauch von Hoffnung verleihen.
Am Ende sind es jedoch wieder die Charaktere, die einen dazu bringen weiterzulesen. Man hofft das Beste für Marioette, den namenlosen Ritter und (vielleicht) Anicet, die sich alle weiterentwickeln und einen schon wie alte Freunde ans Herz gewachsen sind und am Ende verspürt man vielleicht sogar einen kleinen Stich, wenn die Reise für alle endlich ihr Ende gefunden hat.
So wird man also zumindest auf emotionaler Ebene sehr gut bedient, sollte man mit dem Symbolismus und den versteckten Metaphern nichts anfangen können.
Zeichnerisch schöpft Bourgeon noch einmal aus allen vollen. Überlebensgroße Zeichnungen von Burgen, geben sich mit kleinen Details wie die eingemeißelte Abbildung von zwei Liebenden, die wie eine Person wirken, die Klinke in die Hand und jedes Mal entdeckt man etwas Neues oder betrachtet manche Bilder sogar in einem anderen Licht (mit dem wiederum auch sehr häufig gespielt wird) und mit den erneut wunderschönen Farben, wird "Das Fest der Narren" auch visuell zu einem Hochgenuss.
Gibt es also am Ende nichts zu kritisieren, außer vielleicht, dass die Geschichte eventuell etwas zu subtil zu Ende geht? Nun, eine kleine Sache gäbe es da doch, auch wenn dies natürlich Ansichtssache ist.
In diesem Band dreht sich vieles um Sex. Nicht nur im unappetitlichen und verstörenden Sinne ( Vergewaltigung), sondern auch in dem Sinne, dass viele Hauptfiguren scheinbar an nichts anderes zu denken scheinen. Das mag im Falle von Marioette und des namenlosen Ritters durchaus Sinn ergeben, da deren Bedürfnisse unerfüllt und damit ungestillt sind, aber wenn sich die Anspielungen auf die schönste Sache der Welt mal mehr (mit entblößten Brüsten), mal weniger deutlich ( ein Wort: Eingang) äußern, hat dies schon etwas fast pubertäres an sich.
Aber wie geschrieben, auch dies ist Ansichtssache, es schadet der Geschichte zumindest nicht.
Ohne Fehl und Tadel ist auch wieder der Hardcoverband selbst. Auch hier bekommt man wieder gutes Papier und eine feste Bindung geboten und als besonderer Zusatz ein DIN-A4 großer Kunstdruck Marioettes (mit entblößten Busen).
Ein wunderschöner Band also, der sich perfekt zur vorliegenden Geschichte ergänzt, die aus der Trilogie der "Gefährten der Dämmerung" den Klassiker machte, der sie heute ist. Spätestens nach Ende des Narrenfestes, dürfte man dieser Betitelung mit Freuden zustimmen.