Wer mal wieder richtig Lust auf einen handfesten Thriller hat, der kommt wohl dieser Tage nicht an Jonathan Nasaw vorbei. Nasaw verknüpft geschickt eine Geschichte aus Gewalt, Mißbrauch, Schuld und Angst und mixt daraus einen Cocktail mit wohl bekannten Zutaten, aber mit einer neuen Geschmacksrichtung. Nasaws Killer ist brutal, wahnsinnig und unbestreitbar krank, was sich durch seine multiple Persönlichkeit ausdrückt. Und gerade hier ist auch die große Stärke des Romans. Nasaw benutzt dieses Krankheit nicht einfach für einen plakativen Thriller, sondern macht sie zum Hauptthema des Buchs. Der Killer, der durch Zufall auf der Straße wegen einer Verkehrsmmißachtung gefangen wird und von dort aus sofort ins Gefängnis wandert, da in seinem Auto eine sterbende Frau sitzt und er der Streifenpolizistin ein Messer durch den Kiefer jagt, wird von der Psychologin Irene Cogan begutachtet. Ihr wird schnell klar, das sie es mit einer nie dagewesen starken Persönlichkeitsstörung zu tun hat. Und obwohl sich der Killer auf der einen Seite brutal zeigt, dann wieder ängstlich wie ein kleines Kind, wird deutlich, das er geheilt werden möchte. Bevor es zu weiteren Sitzungen kommen kann, kann der Killer fliehen und entführt Irene. Von nun an muss Irene versuchen sein Vertrauen zu erhalten, um nicht zu sterben, während gleichzeitig der abgewrackte FBI Agent E.L. Pender auf der Jagd nach ihm ist.
Ich muss vorweg sagen, der Thriller ist teilweise harter Tobak. Wenn der Killer tötet, dann tut er es wie ein Metzger und der Autor beschreibt dies teilweise sehr genau. Auch wenn die Polizei bereits getötete Frauen findet, wird dies detailliert beschrieben. Komischerweise habe ich das nicht als Effekthascherei empfunden, was wohl auch daran liegt, das im Laufe des Romans auch immer mehr über den Killer selbst offenbart wird. Sein eigener Mißbrauch, sein furchtbares Leben. Man kann nichts dafür, aber es gibt Szenen, in denen man Mitleid mit ihm hat
Interessant auch, das der Fokus auf den Killer gelegt wird, der gleichzeitig Täter und Opfer ist. Die Serienfigur E.L. Pender, der man auch im nächsten Buch "Angstspiel" wiederbegegnet, spielt eigentlich keine große Rolle.
Für mich jedenfalls ein wirklich sehr spannender und informativer Thriller, bei dem man sich schon manchmal konzentrieren muss, da es oft Wechsel in die verschiedenen Persönlichkeiten des Killers gibt. Jedenfalls ein zu empfehlender Thriller für Leute, mit nicht all zu schwachem Magen.