Einem weitverbreiteten Bonmot zufolge sind allein schon Puschkins Gedichte Grund genug, Russisch zu lernen - und die Rezensentin darf hinzufügen, dass das nicht der schlechteste Grund wäre. Für alle jedoch, die diese Mühe lieber scheuen, erscheint nun über 200 Jahre nach Puschkins Geburtstag erstmals sein gesamtes lyrisches Werk in deutscher Sprache - erstaunlich eigentlich, wenn man bedenkt, wie schnell die Werke anderer russischer Klassiker von verschienenen Übersetzern auf Deutsch vorlagen!
Vielleicht ist das auch der Grund, warum Puschkin, einer der bedeutendsten Lyriker (und Erzähler) der Weltliteratur, bis heute im deutschen Sprachraum viel zu wenig bekannt ist (abgesehen von Tschajkovskijs Opern-Adaption der "Pique Dame" und der alles andere als werktreuen Verfilmung des "Postmeisters" mit Heinrich George).
Dies Versäumnis wird jetzt vielleicht wieder gutgemacht, denn die nun endlich vorliegende Gesamtübersetzung von Michael Engelhardt kann man nur als gelungen bezeichnen - keine geringe Leistung angesichts der nicht nur aufgrund ihrer sprachlichen Virtuosität überwältigenden Originale.
Ergänzt wird der Band duch einen Anmerkungsapparat, der das Verständnis der vielen Anspielungen u.a. erleichtert, und ein lesenswertes Nachwort des renommierten Slavisten Rolf-Dietrich Keil.
Erfreulich ist auch, dass diese Übersetzung in zwei Versionen vorliegt; für Leser, die das Russische einigermaßen beherrschen, empfiehlt sich unbedingt die zweisprachige Ausgabe.
Und dass dem Inhalt des Buches eine schöne äußere Form (Dünndruck, Leineneinband, Schuber) "beigegeben" wurde, sollte wenigstens am Rande vermerkt sein.