Christopher A. Bayly musste viel Mut gehabt haben, als er beschloss, eine Globalgeschichte über die späte Neuzeit, genauer die 1780-1914, auf 650 Seiten kompensiert zu schreiben. Diese Zeitraum von "nur" 134 Jahren stellen weltweit eine Zeit der Umbrüche und Veränderungen dar, die in schließlich die Grundlagen für den ersten Weltkrieg sind, aber auch die Grundlage für unsere heutige Gesellschaft. Eine schwierige Aufgabe, dies in auf so wenig Seiten zuschreiben und Bayly scheiter daran.
Dem Buch fehlt der rote Faden, der sich durchzieht, einer genauerer Aufbau, eine feste Struktur. Eine These folgt der anderen, Zeitsprünge und thematische Sprünge. Man ist froh, wenn Bayly mehr als ein oder zwei Sätze zum gleichen Thema schreibt. Dies ist keine Übertreibung! Er wechselt in schätzungsweise 70-80% des Buches das Thema in jedem neuen Satz. Man liest das Buch und es ist als hätte man es nicht gelesen. Man weiß einfach nicht mehr, was auf der vorhergehenden Seite stand.
Da ich das Buch für die Uni lesen musste, habe ich mir die Mühe gemacht, Notizen zu machen und Stichwörter aufzuschreiben. Wenn aber mit jedem neuen Satz ein neues Thema anfängt, ist das auch keine effektive Methode und ich saß fünf Mal länger an einer Seite, als im Normalfall.
Lange Rede, kurzer Sinn: Das Buch ist absolut nicht empfehlenswert. Ich ließ mir sagen, dass das Buch auf Englisch besser zu lesen sei. Vielleicht ist das eine Alternative für alle Leute, die an diesem Buch interessiert sind.
Zwei Sterne gebe ich deshalb, weil Baylys Versuch wirklich mutig war und er eine Anregung gibt, das "lange 19. Jahrhundert" nicht nur aus europäischer Sicht zu sehen.