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Die Geburt der Tragödie. Oder: Griechenthum und Pessimismus: Vol 2
 
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Die Geburt der Tragödie. Oder: Griechenthum und Pessimismus: Vol 2 [Sondereinband]

Friedrich Nietzsche , Günter Wohlfart
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Friedrich Nietzsche (1844-1900) stammte aus einer evangelischen Pfarrersfamilie, besuchte die renommierte Landesschule in Pforta bei Naumburg, studierte in Bonn und Leipzig und wurde mit 25 Jahren Professor der klassischen Philologie in Basel. Er war ein genialer Denker, Meister der Sprache und begabter Musiker und Komponist. Sein Leben war bestimmt von problematischen Beziehungen, etwa zu Richard Wagner oder Lou Andreas-Salomé, und endete in der bedrückenden Einsamkeit des Wahnsinns.

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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nietzsches Lehrer Ritschl bezeichnete sie als "phantastisch-überschwängliche, übergeistreich ins Unverstehbare überschlagende, Wagner-Shopenhauerische Kunstmysterien-religionsschwärmerei", Nietzsche selbst schrieb in späteren Jahren über seine "Geburt der Tragödie" sie sei "schlecht geschrieben, schwerfällig, peinlich, bilderwüthig und bilderwirrig". Nun, eine gewisse Berechtigung lässt sich beiden Kritiken nicht absprechen.
Zur Struktur: Nietzsches Frühwerk ist klar in drei (manche zählen vier) Teile untergliedert: Der erste Teil ist eine Analyse der griechischen Tragödie anhand des Gegensatzpaares Dionysisch und Apollinisch, das für Nietzsche's Buch eine (bzw. die) zentrale Bedeutung hat. Der zweite Teil schildert den Untergang der griechischen Tragödie, hervorgerufen durch Sokrates und Euripides und mündet daher in eine Kritik des Sokrates. Der letzte Teil stellt in Aussicht, wie der deutsche Geist den Idealzustand des frühen griechischen Geistes wieder erreichen kann - vermittels der Wagnerischen Oper.
Wer vor anspruchsvoller Lektüre dieser Art nicht scheut, wird an Nietzsches Werk sicher Gefallen finden - auch wenn Nietzsche des öfteren von seiner Linie abweicht und Gefahr läuft, sein Thema aus den Augen zu verlieren. Neben Nietzsches äußerst interessanter (wenn auch nicht von ihm stammender) Untergliederung der Kulturaspekte in Dionysisch und Apollinisch, findet man in diesem Buch auch eine aufschlussreiche Kritik an Sokrates und den Wissenschaften - mag man sie nun teilen oder nicht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Denker auf der Bühne 21. September 2006
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
'Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik' ist eine wunderbare Entfaltung Nietzsches über die griechische Götterwelt und ihren Einfluss auf ihn, auf die Menschheit aus seiner Sicht und in Folge auf das Denken. Nietzsche beginnt sein Werk mit einem 'Versuch einer Selbstkritik'.

Nietzsches Abhandlung ist in gewisser Weise dreigeteilt. Er stellt zu Beginn das Apollionische, das Dionysische und den Willen zur Macht in den Vordergrund. Die griechische Götterwelt und ihre Ausstrahlung auf den Menschen, werden beleuchtet. Bisher konnte man die ersten beiden Seinsweisen (apollinisch vs. dionysisch) als reines Gegenüber im Wettbewerb begreifen und vor allem konnte man Nietzsche als dem reinen Zugewandten des Dionysischen zuordnen. Doch fest steht spätestens mit dieser Schrift, dass die Grenzen des Dionysischen im Apollonischen liegen, ja dass das Apollinische vielmehr in seiner Gesamtheit das Dionysische erst ermöglicht. Es ist eine centaurische Geburt, wie Nietzsche selbst formuliert in dem er sagt, das eine höhere Kultur dem Menschen ein Doppelhirn geben muss, einmal um Wissenschaft, sodann Nicht-Wissenschaft zu empfinden. Gefühl und Denken sind dem Menschen eigen, Rausch und Traum, damit Ich-Grenzen gesprengt werden aber dennoch ohne das Dasein unter dem Gesetz von Maß, Grenze und schöner Gestalt zu verklären. Ergänzend sei gesagt, dass beide Seiten eine zeitliche Orientierung haben, jedes Ich ist ein im Moment gültiges Ich in der dann zeitlich definierten Gefühls- oder Denklage. Das Apollinische definiert die Grenzen, damit der Mensch an der dionysischen Wahrheit nicht zu Grunde geht. (vgl. Safranski: Wieviel Wahrheit braucht der Mensch?) Aber nicht allein dieses ist zu beachten, nein, Nietzsche sieht hier den Beginn der griechischen Tragödie.

Und das Ende der griechischen Tragödie, die Trennung von der Götterwelt des Apollo und Dionysos kommt Nietzsche zu den Fragen der Philosophie eines Sokrates, der nicht die Ambivalenz des oben genanten und dessen ständiger Machtkampf verkörpert, sondern mit Sokrates steigt die reine Vernunft in den Ringkampf und scheint damit das volle Lebens zu verdrängen. Das Ende der Tragödie naht, Sokrates möge nur Musik machen, Musik, ein Bestandteil des Lebens, der Tragödie; der Chor, ein Instrument, Zuschauer und Schausteller zu verbinden, Euripides sollte sich an die höhere Form der Tragödie wieder anpassen und sich weniger der Sokratesschen Ratio verbürgen. Nietzsches Sokrateskritik ist einmalig.

Musik ist das Thema des dritten Teils. Wie schafft die deutsche Idee die Tragödie im Geiste der griechischen Tradition wieder herzustellen? Musik im Sinne Wagners ist gefragt und damit mündet für Nietzsche alles an der o. a. Vorbereitung in dieser Abhandlung hin zu dem Wunsche, seinem damaligen Freund und Zeitgenossen zu huldigen, weil dieser ihm Halt gab in einem oszillierendem Leben zwischen dem Apollinischen und dem Dionysischen. Und in der konsequenten Fortführung gelangt man zum Willen zur Macht, der aber nichts anderes ist, als der Bedarf nach einem selbstbewussten Leben, welches unter furchtbaren Selbstopfern der Wertschöpfung dient und sich mangels Anerkennung selbst verkündet. (vgl.: Der konsequente Wille, Roger Kunert)

Dennoch! Da wo Nietzsche optimistisch über Abgründe geht, macht er vor, was es heißt, Zeitgenosse zu sein. Er bejaht den Weltlauf, der ihn zu erdrücken droht und schafft damit Raum für die Bejahung seines Selbst. Er ist Zeuge für das Glück derer, die ohne Hoffnung sind. Nichts anderes ist im Jahre 2006 oder eben in diesem Jahrtausend von Bedeutung.

Insgesamt ist dieses Erstlingswerk ein wunderbarer Einstieg in die Nietzsche Welt. Ein- und Ansichten werden bestens vermittelt, ein Wissen und Denken, welches man nicht teilen muss, welches aber dennoch bereichert.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Klaus Grunenberg VINE™-PRODUKTTESTER
In einer Zeit, als der Krieg zwischen Frankreich und dem erstarkenden deutschen Reich ("bismarckscher Prägung"!) stattfand, in dieser Zeit also saß grübelnd und bekümmert, auch oftmals unbekümmert unser Philologe, Philosoph und Dichter in den Alpen und schrieb dieses Werk über die Griechen, über Apollon und Dionysos, also über die Kunst.

Gut, über die Griechen, über Apollon und Dionysos. Aber der Bezug war Richard Wagner und seine Musik.

Richard Wagner, dessen Musik er als erstaunlich musisch, also von den Musen inspiriert entdekte und diese Musik hatte es ihm angetan, weil sie, wie er meinte "dionysisch" klang.

Was ist eigentlich dionysisch, so könnte man fragen, und die Antwort lautete: das Gegenteilige von dem, was man unter dem versteht, was Apollon vermittelte, also das saubere, disziplinierte Musizieren, Dichten, eben das, was wir auch unter religiöser Musik, Kunst, Dichtung usw. bis heute zu verstehen glauben.
Wagner also ist es seiner Meinung nach, der das "Dionysische", das Zauberhafte, das Verführerische mit der Musik, ja sogar mit dem Gesamtkunstwerk der Oper wieder quasi in die Ursprungsform der griechischen Tragödie mit dem Aufbau (Chor, Einzelpersonen, Gesamtbild und Zweck, also Hinführung zur Empfindung, zu Mitleiden, Mitfühlen, Teilnehmen am Ganzen zusammen mit Text und Musik) uns zuführen will.

Daß Nietzsche später davon Abstand nahm und Wagner der Nähe zur Religion bezichtigte, der also die Kunst wieder der Gestalt des Apollon unterwarf, ist ein anderes Kapitel und steht auch in einem anderen Buch.

Hier aber schreibt sich Fridrich Nietzsche seine Bewunderung für Wagner von der Seele. In ihm hatte er einen Freund gefunden, der seiner würdig war und der ihm in mancher Hinsicht endlich Halt gab für einige Zeit.

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