Alexis Schwarzenbach verdanken wir eine höchst lesbare und hochinteressante Biographie über seine Urgroßmutter Renee Schwarzenbach-Wille, der Mutter der Schweizer Autorin Annemarie Schwarzenbach, die dankenswerterweise in den vergangenen Jahren einer immer größer werdenden Leserschaft bekannt wurde - mehr als sechzig Jahre nach ihrem tragischen und allzu frühen Tod. Ihre Mutter wird seither in allen Artikeln und Büchern um Annemarie Schwarzenbach als kalte, dominante und intrigante Übermutter, deren Ansprüchen nicht nur Annemarie niemals genügen konnte, dargestellt. Ihr Urenkel Alexis Schwarzenbach zeigt in dieser sehr ausführlichen Biographie, dass dieses Bild - vorallem in seiner sonst üblichen Schwarz-Weiss Malerei (Erika Mann - die Gute, Renee Schwarzenbach-Wille die Böse) so nicht stimmt. Gleichwohl lernen wir ein prinzipientreue, ihrem hohen gesellschaftlichen Stand verbundene, wenig reflektierende Frau kennen. Er stellt sie dar im Kontext ihrer Zeit, ihrer Umgebung und ihrer Prägungen, was manches eher nachvollziehbar macht, wenn auch nicht entschuldigt! Ihre besitzergreifende Art machte nicht nur Annemaries Kindheit schwer, auch ihre Geschwister litten mehr oder weniger stark unter den hohen Ansprüchen, die die Mutter stellte. Diese hohen Anprüche hatte Renee Schwarzenbach-Wille aber auch an sich selbst und gab sich nur selten mit dem Mittelmaß zufrieden. Ihre Irrtümer erweisen sich als tragisch, aber in der ihr eigenen Art geht sie auch damit pragmatisch um... Beieindruckt hat mich an diesem sehr umfangreichen Buch, dass Alexis Schwarzenbach mit sehr viel Fleiss die biographischen Fakten in einer Weise darstellt, die der eigenen Interpretation viel Raum lässt.