Der Titel dieser Rezension ist natürlich ein kleines Wortspiel, war aber auch mein erster, etwas entsetzter Ausruf, als ich den Verkaufspreis für dieses Werk zum ersten Mal gesehen habe: Dieses Buch kostet wirklich ein Heidengeld... aber es ist wirklich jeden Cent 100% wert, denn "Boa, ey!" rief ich später auch noch beim Sichten der geballten Inormationen aus, die Klaus Bonny hier zusammengetragen hat.
Mehr Infos zur Gattung Boa, und insbesondere Boa constrictor, gibt es zur Zeit wohl kaum so woanders. Der Autor aber hat nicht nur Infos von anderen Autoren und Forschern zusammengetragen, sondern sich auch selbst auf Informationssuche, oft direkt vor Ort, begeben. So konnte auch mit einigen, alten Falschinformationen aufgeräumt werden, sondern er fand u.A. auch in einem Museum das konservierte Belegexemplar einer Boaart, die fast vergessen war und von der bislang nur alte Zeichnungen und Beschreibungen existierten.
Auch geht er gut darauf ein, wie sich die Taxonomie der Gattung Boa in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten, manchmal auch nur in wenigen Jahren, immer wieder gewandelt hat, wie Arten und Unterarten getrennt, umbenannt und wieder zusammengefasst wurden... Ein Bild, das aber auch vom konfusen Zustand der Taxonomie zeugt: Kein Wunder, ist die Gattung Boa doch eine der artenreichsten Riesenschlangenfamilien... und eine der Schönsten sowieso.
Das zeigen dann wiederum die Fotos, bei der jede Art mit verschiedenen hochwertigen Bildern vorgestellt wird, manchmal, wie bei Boa constrictor imperator, sogar unterteilt nach Verbreitungsgebieten. Viele Landkarten sagen dem Leser dann zusätzlich auch genau, "wo er gerade ist".
Doch auch die Historie der Boa-Forschung kommt nicht zu kurz. Viele alte Stiche und Zeichnungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert runden das Werk hervorragend ab.
Mythen und Märchen über monströse Rekordlängen gibts nicht nur bei der grünen Anakonda (übrigens auch zur Boa-Familie zählend), sondern nicht minder bei Boa constrictor. Diesen geht der Autor auch gründlich auf den Grund. Doch auch nach dem "Niederreissen" vieler alten Stories, Märchen und Fehlinformationen bleiben immer noch einige verdammt beeindruckende "Grosskaliber" übrig, die teilweise auch im Bild vorgestellt werden.
Weiter geht es dann zur Ernährung: Was jagen und fressen Boas eigentlich alles? Nein, Boas sind natürlich nicht die menschenfressenden Ungeheuer aus alten Abenteuerromanen und Hollywood-Filmen, obwohl das historische (total übertriebene aber auch schaurig schöne) Bild auf Seite 174/175 sicher auch zu dieser lange Jahre üblichen Sicht auf Boa constrictor beigetragen hat. Aber was überbleibt, ist faszinierend genug: Leguane werden nicht verschmäht, selbst Ozelots und Hunde wurden schon von Boas verschlungen. Capybaras, Vögel, Fledermäuse, selbst Stachelschweine(!) werden erbeutet und auch der aus Indien stammende, auf vielen Inseln der Antillen engeführte und als "Schlangen-Killer" bekannte Mungo hat gegen eine hungrige Boa constrictor meist schlechte Karten... "Hasta la vista, Rikki Tikki Tavi!" ;-)
Nach dem faszinierenden Exkurs in das natürliche Beutesprektrum von Boas gibts auch jede Menge Tipps für den Boa-Halter, was er seinen Lieblingen an verfügbarem Futter servieren kann und wie man einen abwechslungsreichen Speiseplan gestalten kann: Es muss nicht immer Maus, Ratte und Kaninchen sein.
Ein weiteres, grosses Kapitel beschreibt sehr eingehend das Paarungsverhalten und die Boa-Zucht. Step-by-Step erklärt, kann man schon sagen, wie die richtigen Boas finden und in "Paarungslaune" bringen, wie läuft die Paarung ab, woran erkenne ich, das mein Boa-Weibchen trächtig ist, wie verläuft die Geburt, wie sind die Jungen zu versorgen... Die Infos zu Paarung und Zucht von Bonny sind sogar noch umfangreicher und detaillierter als im hervorragenden "Handbuch Riesenschlangen" der Stöckels.
Zum Schluss wird noch kurz auf Albino- und Farbzuchten eingegangen. Sicherlich ein Thema, wo die Meinungen auseinandergehen und/oder sogar heftig aufeinanderprallen. Mir gefallen die "natürlichen" Boas einfach viel besser, würde aber nie Farbvariationen und Mix-Boas pauschal als "genetischen Schrott" deklassieren.... bei einigen der abgebildeten Farbzucht-Exemplare wurde sogar ich als bekennender "Naturboa-Fan" schwach.
Fazit: Dies Buch ist keine Haltungs- und Pflegeanweisung wie das ebenfalls hervorragende "Handbuch Riesenschlangen" der Stöckels, aber eine super Ergänzung um noch tiefer in die faszinierende Welt der Boas vorzustossen. Legen Stöckels in ihrem Werk noch den Schwerpunkt darauf dem Einsteiger das nötige Rüstzeug zur Pflege seines Lieblings zu geben, erweitert Bonny hier ganz gewaltig mit weiterführenden Infos, insbesondere auch zur Boa-Zucht. Ich kann mich den anderen Rezensenten zu diesem Werk vorbehaltlos anschliessen: 5 Sterne und eine unbedingte Kaufempfehlung!