"Die Gabe des Boten" ist der Höhepunkt und Abschluss der Trilogie "Hüter der Erinnerung" und "Suche nach dem Blau" von Lois Lowry. Beide Bücher hatte ich mit absoluter Begeisterung verschlungen. Daher war ich sehr gespannt, wie die Geschichte von Jonas und Kira zu Ende geht, da die Vorgängerbücher stets offen endeten.
Das Buch "Gabe des Boten" schließt 2 Jahre nach der Handlung im Buch "Auf der Suche nach dem Blau" an. Der Junge Matty lebt mittlerweile im Dorf der Menschen, die in Freiheit und in Toleranz leben. Kiras Vater, der Seher, hat Matty adoptiert. Matty ist der Einzige, der den Wald durchqueren kann, ohne getötet zu werden. Diese "Gabe" ist wichtig, um den Kontakt zu anderen Gemeinschaften und vor allem zu Kira zu halten. Anführer dieses Dorfes ist der junge Mann Jonas, der im ersten Teil der Buchreihe aus seiner alten Gemeinschaft fliehen konnte. Wer hierbei die Vorgängerbücher nicht kennt, stößt an sein erstes Verständnisproblem.
Wer sie allerdings kennt, wird enttäuscht sein. Der Leser erfährt nichts über den kleinen Gabriel, der von Jonas aus seiner alten Heimat gerettet wurde.
Auch die liebgewonnenen Charaktere aus "Suche nach dem Blau" sucht man vergeblich. Jo, Jamison oder Thomas werden nicht mal erwähnt. Außerdem scheint Lowry die Inhalte ihrer Vorgängerbücher völlig vergessen zu haben, so lebt Kira in der Hütte, die eigentlich durch ein Feuer komplett zerstörte wurde.
Auch die Handlung des aktuellen Buches lässt zu wünschen übrig. Die Geschichte um Matty wird nur oberflächlich erzählt, ohne die gewohnte Tiefe aus den alten Werken.
Die Handlung bleibt unabgeschlossen und irgendwie völlig zusammenhangslos.
Matty kämpft sich mit Kira durch den Wald, um sie zu ihrem Vater zu bringen. Am Ende opfert er sich scheinbar grundlos, um Kira und den Wald zu retten.
Die neuen Probleme in seinem Dorf werden nicht mehr erklärt oder verbessert.
Alles in allem war ich wirklich enttäuscht von diesem Abschluss. Zu viele Fragen bleiben ungeklärt und die Handlung ist in sich nicht stimmig.
Wirklich schade!!!!