Es gibt nur wenige Bücher, die man nach dem Lesen mit solcher Ehrfurcht aus der Hand legen wird wie das rund 500 Seiten starke Buch "Die Götter von Eden" des amerikanischen Hobbyhistorikers William Bramley. Der Autor hat nach eigenen Angaben viele Jahre seines Lebens darauf verwendet, für "The Gods of Eden", so der Originaltitel, zu recherchieren. Und der Leser kann sich darauf verlassen, daß William Bramley seine Hausaufgaben gemacht hat: Der rote Faden, der sich ihm im Laufe seiner peniblen, lückenlosen Nachforschungen über die historische Ursache kriegerischer Handlungen in Staatsarchiven, historischen Bibliotheken, alten Originalschriften und erstaunlicherweise sogar in den bedeutendsten Schriften der Menschheit erschloß, ist schlicht und ergreifend überwältigend und beängstigend zugleich.
Doch auch da, wo Bramley im Abwägen der erdrückenden Beweislast und der enormen Brisanz und globalen Dimension seiner Ergebnisse schon selbst gar nicht mehr zu entscheiden wagt, ob man die sich zwangsläufig ergebenden, teilweise bizarren Schlußfolgerungen überhaupt ziehen darf, ist er seinen Lesern gegenüber stets fair genug und bekennt, daß jedes Weiterdenken an dieser Stelle nur noch spekulativen, theoretischen Charakter haben kann und der Leser sich bitte sein eigenes Bild machen möge.
Bereits zu Beginn des Buches bittet Bramley seine Leser, sich an gewisse Regeln zu halten, die eigentlich vollkommen selbstverständlich sind. Doch je weiter man sich in den von Bramley mit stoischer Konsequenz nachgezeichneten, unglaublichen Bericht über die hinter den Kulissen der Menschheitsgeschichte gelenkten Abläufe einarbeitet, desto dankbarer ist man dem Autor für seine anfänglichen Hinweise, die dem Leser die Lektüre dieses Buches ein Stück weit erleichtern.
Mit "Die Götter von Eden" hat William Bramley nicht zuletzt auch ein Denkmal für den Humanismus geschaffen, das hinsichtlich der profunden, kompromißlosen Vorgehensweise des Autors sowie im Hinblick auf die erschreckende Bedeutung seiner Ergebnisse absolut beispiellos ist. Schaut man sich die vor und nach Bramleys langjährigen Recherchen (ca. 1980-1989) erschienenen Bücher zum betreffenden Thema an, wird man entdecken, daß Bramley weder der erste noch der letzte war, der dieses Thema erschöpfend behandelt hat (wobei erwähnt werden sollte, daß zahlreiche Forscher der verschiedensten Couleur in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten fleißig bei "Die Götter von Eden" abgeschrieben haben).
Was aber in jedem Fall über ihn gesagt werden kann, ist, daß Bramley unter all den Autoren, die sich vor oder nach ihm an dieses brisante Thema herangewagt haben, zweifellos der mit Abstand gründlichste und überzeugendste ist.