Der Ich-Erzähler stammt (wie der wirkliche Bassani) aus einer gutbürgerlichen jüdischen Familie, nennen wir ihn deswegen und wegen vieler anderer Parallelen zu seiner Biografie getrost Giorgio. Die Zeit: die späten dreißiger Jahre des italienischen und deutschen Faschismus, der Ort: Ferrara. Meistens spielt sich das Geschehen in den Gärten der hocharistokratischen jüdischen Familie der Finzi-Contini ab, hierher laden der jugendliche Alberto Finzi-Contini und seine gleichaltrige Schwester Micòl fast täglich ihre jüdischen Freunde und Bekannten ein, denn in Ferrara werden sie zunehmend diffamiert, und bei den Finzi-Contini ist reichlich Platz, um Tennis zu spielen oder für Giorgio, um nach dem Studium in der Bibliothek des Hauses seine Doktorarbeit zu schreiben. Man hat zunächst nicht den Eindruck, dass die jungen Leute stark von den zunehmenden Rassendiskriminierungen tangiert sind, sie scheinen sie eher leichtsinnig zu ignorieren oder reagieren sarkastisch auf sie, aber am Schluss resümiert Giorgio, dass die von ihm geliebte Micòl ihr Leben unter der Vorahnung des kommenden Unheils geführt haben muss. Sie will das Leben genießen, so weit es ihr möglich ist. Mit Giorgio jedenfalls ist es kaum möglich, denn er gehört wie sie zu den Menschen, für den "nicht so sehr der Besitz der Dinge als die Erinnerung an sie" wichtig ist (268)....
Das autobiografische Material Giorgio Bassanis wird also Gegenstand der Darstellung, denn Giorgios Veranlagung ist, "die Gegenwart sofort zur Vergangenheit werden zu sehen, um sie dann mit aller Muße lieben und anschauen zu können." (268f.). So erklären sich auch Stil und Struktur des Romans: Da das wirkliche Leben in der Regel (selbst in seinem Fall) nicht besonders dramatisch verläuft, geht es in dem Buch auch eher gleichförmig und realistisch zu: Man spielt endlos Tennis, man diskutiert, man telefoniert oder treibt sich mit dem Freund ein wenig im Rotlichtmilieu herum. Aber Bassanis Kunst besteht darin, diese Gleichförmigkeit in ein sanftes und am Schluss magisches Licht zu tauchen und unauffällig, aber ständig mit Symbolen zu arbeiten. Man muss also diese Atmosphäre, diese Nuancen und dieses Licht lieben, um den Roman zu genießen - was erklärt, dass das Buch eher ein Geheimtipp geblieben ist denn ein populärer Renner.