Ich habe mich auf die Lektüre dieses Buches gefreut. Da die Primärliteratur zu den Bloomsburys oft ein wenig trocken ausfällt und ich sie doch schon gut kenne mag ich gerne Sekundär- oder fiktionale Bücher dazu lesen. Doch wie wurde ich enttäuscht.
Es entsteht nun beim Lesen von Die Gärten von Bloomsbury der Eindruck, daß die Autorin sehr, sehr viel über T. S. Eliot und die Bloomsburys gelesen hat und nun krampfhaft versucht in einem eigenen Stil die Fakten in eine dünne Geschichte einzuweben. Denn dünn ist die Geschichte der Holländerin Martha die ins Leben des T. S. Eliot, der Woolfs und so einiger anderer hauptsächlich weiblicher Schriftsteller hineinsehen darf, auf jeden Fall. Außerdem werden biografische Fakten aus nicht ersichtlichen Gründen - Lytton Strachey war nie mit Dora Carrington verheiratet, wie am Anfang des Buches behauptet - verändert. Da fragt man sich, ob noch mehr Fiktion um der Fiktion willen ist. Eliots extremes Verhalten, o.k. die Verwirrtheit seiner Frau ist bekannt, doch alles wirkt so aus Schnipseln die man sich angelesen hat zusammengesetzt.
Und dann noch schnell eine Begegnung Marthas mit einem schüchtern winkenden Gandhi in London miteingebaut, ewig Eliots Gedichte zitiert, die Schrecken des 1. Weltkrieges miteingeflochten (die Autorin sagt selbst im Anhang dass die Person des Billy Prior anderswo entliehen ist), Marthas Affäre mit einem reichen jüdischen Niederländer, ungewollte Schwangerschaft, der aufziehende zweite Weltkrieg.
Und als der Autorin dann in dem oft mehr als schleppend zu lesenden Roman nichts mehr einfiel, muss die arme Virginia in ihrer Verwirrtheit über Seiten herhalten. Banalpsychologie, alles wirkt wie aus den Werken der "verwendeten" Schriftsteller abgeschrieben. Alles hat so eine Schwere.
Wenn man nichts über T. S. Eliot und die Bloomsburys weiß mag die Lektüre dieses Buches vielleicht interessant sein. In allen anderen Fällen sollte man die Finger davon lassen, denn man wird sich nach dem Lesen unweigerlcih fragen: wozu wurde es geschrieben, was sollte das. Es ist noch nicht einmal Eliot- und Bloomsbury kritisch, es ist schlicht banal. Ein ehrlicher romantischer Reisser ohne Eliot und Woolf wäre da um einiges erquickender gewesen.