Wenn Anfang der neunziger Jahre um die Weihnachtszeit "Die Fussbroichs" im WDR-Fernsehen ausgestrahlt wurden, versammelten sich bei uns drei Generationen vor dem Fernseher. Bis heute sind Aussprüche von Fred Fussbroich fest im Familienwortschatz verankert. Fred, Annemie und der hoffnungslos verwöhnte Frank sind gleichsam so etwas wie entfernte Verwandte, die einem einfach vertraut sind.
Aus der Dokumentation "Ein Kinderzimmer", die Ute Diehl Ende der siebziger Jahre drehte, wurde zu Beginn der neunziger Jahre ein mehrjähriges Projekt, dass den Alltag einer Kölner Arbeiterfamilie mit der Kamera einfing. Sozusagen wurden "Die Fussbroichs" zur ersten Dokusoap, lange bevor dieser Begriff entstand.
Der Zuschauer kann teil haben am Alltag, der aus Schichtarbeit im "Hillium" (Fa. Felten-Guillaume) bzw. Bürojob in der Kölner Verwaltung besteht und an den kleinen und großen Ereignissen der Familie. Ob im Urlaub auf Mallorca oder in der Türkei, beim Renovieren der Siedlungswohnung, beim Auto- oder Möbelkauf und bei familiären Ereignissen wie Geburtstagen, Verlobung und Todesfällen.
Fred philosophiert auch gerne über Gott und die Welt, Annemie wiederum ist vordringlich an ihrem Äußeren interessiert, dass sie mit Lust auch immer wieder durch neue Kleidung und Frisuren verändert. Frank, das einzige - erwachsene - Kind der beiden, kann sich voll auf jedwede Hilfe seiner Eltern verlassen, ob bei Renovierungsarbeiten, in Zeiten finanziellen Drucks oder bei Liebeskummer. So fährt er dauernd neue Autos mit teuren Musikanlagen, trägt nur Designerkleidung und verbringt seine freie Zeit fast ausschließlich "beim Training" in der Muckibude.
Alles in allem sind die Fussbroichs eine fast beneidenswert glückliche Familie, in ihrer Einfalt oft hoffnungslos komisch.
Das Kunstvolle an diesen halbstündigen Dokus ist aber, dass Ute Diehl sie nie vorführt. Das der Zuschauer dennoch vor allem viel lachen muss, ist allein der Lust der Darsteller, sich unverfälscht vor der Kamera in der eigenen Umgebung zu bewegen, zu verdanken. Sicherlich aber auch der Tatsache, dass die Kamera nicht zwei Jahre Dauergast bei der Familie war, sondern das Leben dieser Familie nur sehr dosiert begleitet wurde. So wird der Blick durch's Schlüsselloch nie voyeuristisch.
Und Ute Diehl hat gut daran getan, diese Arbeit nach einigen Jahren einzustellen. Alles andere wäre einer Demontage gleich gekommen, denn Franks spätere Konflikte mit der Justiz und seine peinlichen Auftritte in diversen Billig-Fernsehproduktionen zeigten, dass sich dieses Konzept irgendwann überlebt hat.
Die ersten Folgen - eben jene, die diese DVD enthält - sind allerdings wahre Sternstunden der Fernsehunterhaltung gewesen. Und es ist schön, dass man sich diese nun dank dieser DVD immer wieder anschauen kann!