Von den Furtwänglers ist Wilhelm der bekannteste.Noch ? Straub beschreibt nicht überwiegend die äusseren Lebensdaten, sondern stellt Furtwängler in den kulturhistorischen Zusammenhang. Viele sind Jahrzehnte nach seinem Tod noch immer von seinem Musizieren beglückt. Simon Rattle bezeichnet ihn nach wie vor als grosses Vorbild. Wilhelm Furtwängler hat nach wie vor seine Fan-Gemeinde.
Straub nähert sich diesem Menschen ohne Ehrfurcht.Sein durchgängiger Narzissmus als roten Faden durch die Jahrzehnte wird in vielen Facetten beschrieben.Nachvollziehbar, wie sich dieser Narzissmus entwickelt hat, von Eltern als " Genie" gepuscht zu werden, kann eine Psyche ja kaum verkraften,umso weniger, wenn die Hoffnungen der Eltern, ein Komponisten-Genie zu werden, sich nicht erfüllten und Wilhelm Furtwängler sich erstens gegenüber jeder Kritik Mimosenhaft zeigte und zweitens dieses Defizit durch einen Kultur-Macht-Anspruch kompensierte.
Fascinierend, wie der Macht-Mensch Furtwängler sich von der Weimarer Republik fern hielt, aber den Macht-Menschen im Nazismus zum Erhalt seiner Macht vielleicht keinen Kotau, aber doch den Kompromiss anbot.Der Film von Szabo " taking sides" thematisierte dies brilliant.
Wen dieses Phänomen "Wilhelm Furtwängler" interessiert, der/die ist mit diesem Buch sehr gut bedient. Man lernt den Menschen einzuordnen, zu verstehen und zugleich wird aber ein deutscher Kultur-Begriff durchdekliniert, der über ein Jahrhundert weit verbreitet war.
Ein sehr bereicherndes Buch !