Wer kennt es nicht? Peinliche Momente, in denen man am liebsten im Erboden versinken möchte. Momente, in denen andere am besten im Erdboden versinken sollten und es nicht merken. Claire Bretécher schaut den Leuten sehr genau auf den Mund und stellt kurze Situationen jeweils auf einer Seite in 8 - 12 Szenen dar.
Überforderte Mütter, die sich von ihren (Klein)-Kindern drangsalieren lassen; sich über ihre Männer beklagende Frauen, die überzeugt davon sind, dass sie das schwächere Geschlecht sind; Männer, die Frauen ihre neu erworbene Stereoanlage mies machen; gehemmte Männer, die sich noch höflich entschuldigen, wenn sie angerempelt werden; Chauvies, die ihre Frauen knechten, aber von "Klassenunterschieden" sprechen u.v.m ... Claire Bretécher hat in den Jahren 1974-1980 ihre fünf Bände "Die Frustrierten" geschaffen, die zunächst in der linksliberalen Wochenzeitschrift "Le Nouvel Observateur" erschienen sind.
Frau Bretécher hat sich in der Männerwelt der 70er Jahre behauptet und durchgesetzt. Mit ihren sozialkritischen Arbeiten errang sie den Ruf als bedeutendste feministische Comic-Künstlerin Europas. 10 Jahre zuvor hatte sie ihre Werke noch schlicht mit "Bretécher" signiert, um nicht als Frau erkannt zu werden.
Bretéchers Karriere begann mit einer Zusammenarbeit mit René Goscinny; in den 60er Jahren arbeitete sie für das belgische Comic-Magazin Tintin. Der Text nimmt eine gleichberechtigte Rolle neben dem Bild ein. Sie zeichnet mit wenigen Strichen, stark vereinfacht, aber ausdrucksstark - sozusagen "auf Punkt und Strich gebracht". Ihre frühen Karikaturen sind immer noch sehenswert.