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Die Freuds: Biographie einer Familie
 
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Die Freuds: Biographie einer Familie [Broschiert]

Eva Weissweiler
3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 479 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2 (1. Januar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596174694
  • ISBN-13: 978-3596174690
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 190.924 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Eva Weissweiler
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Tussy Marx, Clara Schumann, Fanny Mendelssohn. Eva Weissweiler hat sich darauf spezialisiert, Frauen aus dem biografischen "Schatten" ihrer berühmten Männer, Brüder, Väter etc. herauszulösen, um ihnen endlich den gebührenden Platz im Scheinwerferlicht der Historie zuzuweisen. Dies stieß bei der Kritik nicht überall auf Begeisterung. "Feministische Vereinnahmung", "frauenspezifischer Ansatz"; mehr eigenen Zwecken dienende Fiktion denn Fakten, wurde unterstellt. Dem Vorwurf der Subjektivität entgegnete sie im Interview: "Wir, philologische Biographen von Gottes Gnaden, legen unsere geheuchelte Objektivität ab und schreiben wie normale Menschen". Und dieser normale Mensch, dies wird schnell offenbar, hat für den Vater der Psychoanalyse wenig übrig.

Schon merkwürdig, wie die Biografiegeschichte sich jahrelang Leben und Lehre Freuds bis ins kleinste Krankheitsdetail hinein innigst widmete und die Menschen um ihn herum vernachlässigte, ja geradezu ausklammerte. Und wie schnell fündig Eva Weissweiler wird. Bereits auf den ersten Seiten präsentiert sie den jugendlichen Sigmund als künftigen Patriarchen und Zuchtmeister, der auf seine 16-jährige Schwester Anna einschlägt, als diese ihre Heiratspläne mit ihrem fast 60-jährigen Großonkel Nathanson bekanntgibt. Die erste Feindin in der Familie. Es sollte nicht die einzige bleiben. Gerade achtzehn geworden, hatte Freud beschlossen, der Liebe zu entsagen. Frauen galten ihm als "kristallisiertes Gift der Langeweile", wie er einem Freund schrieb. Dokumentiert in einem fast schon liebevoll gehegten Hass auf seine fünf Schwestern. Später sollte er Frauen, im Gegensatz zum Mann, das Über-Ich kategorisch absprechen.

Die Autorin, hochgerüstet mit bislang unveröffentlichtem Briefmaterial, kriecht in ihre Protagonistinnen förmlich hinein – und lässt sich nicht selten zu Spekulationen hinreißen, so in der nicht verifizierten Affäre Freuds mit Schwägerin Minna und deren angeblicher Abtreibung. Durchaus überzeugend und lebendig aber gelingt Eva Weissweiler die Zeichnung einer tragikumflorten Familie und ihrem kalten Fixstern, der bis heute sichtbare Wunden in seinen Nachkommen hinterließ. Der große Analytiker, der in seinem Beruf das Innerste des Menschen nach außen zu holen pflegte, ließ im Privaten – gefangen im Korsett überholter Traditionen –, die Seelen seiner Nächsten förmlich verkümmern. Eva Weissweiler hat sie wieder groß gemacht. Und Freud merklich kleiner. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Zum Freud-Jahr 2006 (150. Geburtstag von Sigmund Freud am 6. Mai) schildert Eva Weissweiler die spannende und tragische Familiengeschichte des Begründers der Psychoanalyse. Schon vor der Ehe verspricht Sigmund Freud seiner künftigen Frau Martha Bernays, es den »Biographen nicht leicht (zu) machen«.Tritt jemand mit dem Ansinnen, eine Biographie über ihn zu schreiben, an ihn heran, erklärt er, sein Leben sei nur in Bezug auf die Psychoanalyse interessant. Diese Abneigung wurde von fast allen Chronisten seines Lebens übernommen. Sie schildern den Entstehungsprozess seiner Lehren, äußern sich über seine Reisen, seine Krankheiten, seine Beziehungen zu Kollegen, klammern aber den »Familienroman« fast vollständig aus. Von seinen sechs Kindern wird meist nur Anna, die Gralshüterin, ausführlich erwähnt. Die übrigen fünf, Mathilde, Martin, Oliver, Ernst und Sophie, könnten ebenso gut überhaupt nicht gelebt haben. Seine Ehefrau Martha erscheint höchstens als schattenhafte Figur, dazu bestimmt, ihm »die Misere des Alltags« vom Leib zu halten. Auch das Schicksal der Schwestern von Freud – vier von ihnen kamen im Holocaust um – wird meist ausgeblendet. Eva Weissweiler unternimmt es, dieses Defizit aufzuarbeiten, und hat dafür eine Fülle von unveröffentlichten Quellen – Briefe von Martha Freud und ihren Kindern, aber auch solche von Freud selbst – ausgewertet. Sie schildert eine spannende und tragische Familiengeschichte, die von der Gründerzeit über die Weltkriege bis in die Gegenwart reicht, bis zu den Enkeln, die Sigmund Freud noch erlebt haben: dem englischen Maler Lucian Freud beispielsweise oder der amerikanischen Psychotherapeutin Sophie Freud. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Eva Weissweiler hat mit diesem Buch eine hervorragende Arbeit geleistet: Eine Biografie über Freud im Kreis seiner Familie. Sie betrachtet den "goldenen Sigi"- so wie ihn seine Mutter nannte -, von einer ganz anderen Seite.

Wie war Sigmund Freud als Sohn und Bruder, Ehemann, Vater und als Schwiegervater, Schwager und Onkel?

Und später als Großvater mit seinen Enkeln?

Sicher hat er vieles gemein mit anderen großen Männer, die wichtige Meilensteine der Menschheit gesetzt haben: Er war kein ausserordentlich sympathischer Zeitgenosse.

Seine Schwestern hasste er. Seinen jüngeren Bruder nahm er nicht sonderlich ernst. Seine Ehe mit Martha war schon füh getrübt und ist sicher nicht als glücklich zu bezeichnen -insbes. für Martha. Für seine ausgedehnten Reisen bevorzugte er ihre Schwester an seiner Seite oder seine "psychoanalytischen Ersatztsöhne".

Seine eigenen Kinder kümmerte ihn wenig - immerhin, es waren sechs! Besonders zu seinen Söhnen hatte er ein "Nicht-Verhältis". Seine Töchter durften nicht studieren, obwohl sie intelligent waren und Frauen durchaus zu seiner Zeit schon die Universitäten besuchten.

Seine Enkel mag er -bis auf zwei-, nicht sonderlich. Als Onkel, Schwiegervater und Schwager ist eine Katastrophe: krankhaft misstrauisch. Man wird nie so richitg warm mit Dr.Freud.

Sigmund Freud erscheint innerhalb seiner Familie nicht als Mann mit Charakter. Er war herrschsüchtigt, wenig versöhnlich, eifersüchtig und kaum beweglich sein Denken und Handern zu verändern. Die Familien Welt drehte sich selbstverständlich nur um ihn. Obwohl er in einer großen Familie aufwuchs und Zeit seines Lebens darin verbrachte, wirkt er nicht als Familienmensch. Als Leser erhält man den Eindruck, dass sie ihm nicht sehr viel bedeutete (ausser zu seinen eigenen psychoanalytischen Forschungszwecken). Sie ist in seinen Augen die Wurzel aller Krankheiten. Ebenso verhält er sich und trägt damit sicher einen großen Teil zum Leid ("Krankheiten")der anderen bei. Man spürt wenig Wertschätung und Anteilnahme, ja, oftmals einen Freud, der unfähig erscheint wirkliche Beziehungen einzugehen und etwas wie Liebe auszustrahlen.

Persönlich hat mich am meisten das Schicksal der vier alten Freud Schwerstern erschüttert, die 1942 von den Nazis in Treblinka und Theresienstadt vergast wurden. Das ist eine belegte Tatsache, ebenso Freuds Äußerung, dass sich "für die alten Frauen eine Emigration nicht mehr lohne". Wie Freud das meinte kann jeder für sich interpretieren. Sicher ist jedoch, dass er 1938 weder unwissend noch blind vor dem Naziterror stand, denn seine eigene Haut rettete nach London.

Sicherlich kann man in anderen Freud Biografien seinen Charakter erkennen und vermuten, wie er denn so "in seiner Familie" gewesen sein könnte. Eva Weissweiler jedoch benennt klar und bringt vieles auf den Punkt. Sie stellt wichtige Fragen und hat unglaublich viel recherchiert. Viele neuen Quellen hat sie benutzt, um dieses Buch zu schreiben.

Entstanden ist ein wichtiges Buch, dass trotz seiner 1010 Anmerkungen sehr flüssig und ausserordentlich spannend zu lesen ist.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein freudloses Dasein 26. März 2007
Von Amadea
Format:Gebundene Ausgabe
war es, was die Freuds da führten. Bisher lag der Fokus wohl nur auf dem Vater der Psychoanalyse, während man von der Familie Freud - außer seiner Jüngsten, der Anna -kaum jemanden kannte. Grund genug, endlich einmal auch die übrigen Familienmitglieder in Augenschein zu nehmen.

In aufwändiger Archivarbeit hat Weissweiler diese Familiengeschichte rekonstruiert und erzählt das Schicksal der Freuds von der Gründerzeit bis in die Gegenwart. Mit seiner Frau Martha, den sechs Kindern: Anna, Mathilde, Martin, Oliver, Ernst und Sophie sowie seiner Schwägerin Minna lebt der Wiener Professor in einem aufwändig geführten Haushalt. Martha erzieht die Kinder und befehligt die Dienstboten. Die Söhne studieren, die Töchter natürlich nicht: »Bildung ist nichts für Frauenzimmer « meint Freund, sie sollen heiraten. Wen, entscheidet der Vater.

Die Biografie-Expertin beschreibt Freud als einen klassischen Patriarchen, dessen wissenschaftlichen Thesen in ziemlich krassem Gegensatz zu seinem wirklichen Leben stehen. Als Resultat der Recherchen Eva Weissweilers ist eine spannende und gleichzeitig tragische Familienchronik entstanden. Biografien sind mitunter mehr einschläfernd als anregend. Das ist hier nicht der Fall. Im Gegenteil: Ich habe das Buch mehr oder minder in einem Zug ausgelesen, wenn man davon absieht, dass ich es nach gut der Hälfte ein paar Tage zur Seite legen musste - zu groß war meine Wut auf jenen Egozentriker, nach dessen Pfeife alle tanzen mussten ...
Freud war, so viel steht fest, weder ein angenehmer noch sympathischer Mensch, sondern ein furchtbarer Despot, ein Macho in Reinkultur, ein erbärmlicher Ehemann (dem in diesem Buch ein "sehr inniges Verhältnis" zu seiner Schwägerin nachgesagt wird) und ein recht fragwürdiger Vater mit einem deutlich unterkühlten Verhältnis zu seinen Söhnen. Und wie er über Frauen dachte, spricht Bände ... Dass er seine Schwestern nicht ins Londoner Exil mitgenommen hat, weil es sich "nicht mehr lohnte", ist leider eine unbestrittene Tatsache. Blind, unwissend und nichts ahnend kann er nicht gewesen sein. Während er im sicheren Ausland saß, starben seine Schwestern in den Gaskammern!

Wertung:
5 Sterne für das sehr gut recherchierte und stilsicher geschriebene Buch, das Lust auf eine intensivere Beschäftigung mit den Freuds gemacht hat. Empfehlenswert ist z.B. " Im Schatten der Familie Freud", herausgegeben von Sophie Freud, der Enkelin, die sich damit im Kreise der ihren auch keine Freunde geschaffen hat ...
War diese Rezension für Sie hilfreich?
13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Viele Ungereimtheiten 16. Januar 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Ein dickes Buch. Ein umfangreiches Buch. Aber ist es auch ein solides, ein seriöses Buch?

Leicht war die Aufgabe ja nicht, die sich Eva Weissweiler mit der neuen Freud-Biografie da selbst gestellt hat. Nach Ernest Jones, der Jung und Rank nicht mochte, nach Peter Gay und einigen anderen, schreibt hier nun eine Frau, die ganz offensichtlich Freud nicht mochte, über Freud.

Das wäre noch nichts Ehrenrühriges, auch wenn Freud selbst schon mahnte "Wer Biograph wird, verpflichtet sich zur Lüge..." (auf dem Umschlagtext wird er sogar diesbezüglich zitiert), wenn sich nicht Eva Weissweilers hart recherchierte Fakten mit ihrer Phantasie und ihren Animositäten gegen den alten Meister arg mischen täten.

Schreiben kann sie durchaus, die Weissweiler, auch Romanartiges. Hintergrundwissen hat sie genug, Stil auch, nicht umsonst hat sie Germanistik studiert. Und Musikwissenschaft. Aber eben nicht Medizin oder Psychologie. Vielleicht ist es von hier aus zu erklären, dass sie vieles um Freud herum gut beschreiben kann, ihn selbst aber inhaltlich zuweilen gar nicht versteht.

So schreibt sie zum Beispiel auf S.149, dass Freud gemeint habe, "Religionen seinen kollektive Zwangsneurosen. Das klingt bestechend. Aber drei Jahre später wird er zu dem genau gegenteiligen Ergebnis kommen, dass nämlich Religion den Gläubigen vor 'neurotischen Erkankungen' schütze, indem sie ihm den 'Elternkomplex' abnehme, 'an dem das Schuldbewusstsein des Einzelnen wie der ganzen Menschheit' hänge, 'während der Ungläubige mit dieser Aufgabe allein fertig werden' müsse. Freud wäre dann also zwangsneurotisch zu nennen, weil er keine Religion hat, Martha nicht zwangsneurotisch, weil sie eine Religion hat, deren Zeremoniell wieder der Zwangsneurose ähnelt? Ist das nicht furchtbar widersprüchlich und verwirrend?"

Verwirrend offenbar mindestens für Frau Weissweiler. Da war der gute Ernest Jones bei seiner Freud-Biografie entscheidend im Vorteil, weil er selber Psychoanalytiker war.

Freud hatte (zu dieser Problematik) gesagt, dass die Religion die INDIVIDUELLE Zwangsneuose erspare - mit der Religion habe man schließlich schon die kollektive Zwangsneurose. Daran ist nicht viel Widersprüchliches zu erkennen, man muss es nur verstehen. Damit hat Eva Weissweiler aber ab und an Schwierigkeiten. Vermutlich, weil sie die Materie nicht studiert hat. Dann sollte sie sich aber aus diesen inhaltlichen Fragen weitestgehend heraushalten und sie nicht reichlich nonchalant mit den Tagesabläufen der Freud-Familie verrühren oder verschütteln.

An anderer Stelle versteigt sich die Autorin zu der Annahme, Freud habe seine Schwester Anna von Anfang an gehasst - sein ganzes Leben lang.

Wenn das so wäre, hätte er dann seiner jüngsten Tochter den gleichen Vornamen gegeben?

So finden sich auf dem langen Weg des umfangreichen Buches viele Ungereimtheiten, welche man nach so vielen Freud-Büchern nicht so ohne weiteres goutieren mag. Der Gesamteindruck bleibt daher mindestens zwiespältig.
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