Nicht immer treffen die Nominierungen für große Buchpreise meinen literarischen Geschmack. Ohne auf Autoren und konkrete Werke einzugehen, kann ich mich ab und an nicht gegen den Eindruck erwehren, dass Unleserlichkeit eines der Positivkriterien bei der Auswahl zum Beispiel für den Deutschen Buchpreis ist. Dennoch verfolge ich interessiert von Jahr zu Jahr Longlist und Shortlist und entscheide mich für den einen oder anderen Titel.
Von der Shortlist des Buchpreises 2009 habe ich nun als erstes den Roman "Die Frequenzen" des österreichischen Jungschriftstellers Clemens J. Setz gelesen. Ein unter dem Strich erstaunliches Werk, das mich neugierig warten lässt auf weitere Werke des Autors. Der labyrinthischen Struktur des Romans, die etliche Handlungs- beziehungsweise Personenstränge miteinander verflicht, ist beim Lesen gut zu folgen. Unterstützt wird das Lesen durch unterschiedliche Erzählperspektiven der beiden Hauptfiguren. So wählt Setz bei Alexander Kerfuchs die Ich-Perspektive, was bei mir den Eindruck verstärkt, dass gerade in dieser Person eine Menge Autobiographisches steckt. Die Ereignisse um Walter Zmal dagegen werden vom allwissenden Erzähler beschrieben. In den vielen kurzen Kapiteln stehen weitere Wesen im Mittelpunkt: die Partnerinnen und Väter der beiden Protagonisten, Gerald, ein kleiner Nachbarjunge von Alexander, sowie dessen Vermieter, Herr Steiner. Und Uljana, der streunende Hund von Valerie, einer Psychotherapeutin, Arbeitgeberin von Walter und Freundin von Alexander. Und nicht zu vergessen erscheint der Autor selbst als namenslose Figur im Roman.
Immer gelingt es Setz die Erzählstränge gekonnt zusammen zu führen, auf durchaus amüsante Art und Weise. Eine klare Stärke in der Erzählkunst von Setz. Ein schwächeres Element scheinen mir die Dialoge zu sein. Im Vergleich zu angelsächsischen Autoren haben deutschsprachige Schriftsteller es noch nicht geschafft, den Dialog als lobenswertes Hauptelement ihrer Werke zu etablieren. (Man verzeihe mir die Verallgemeinerung und ich freue mich über Gegenbeispiele, gerne als Kommentar.) Verzichten hätte ich persönlich auf die Innenperspektive von Uljana, dem herumstreunenden Hund. Das wirkt auf mich fehlplatziert.
Die Kritik an den sprachlichen Bildern erscheint mir für den ersten Teil des Romans gerechtfertigt. Setz übertreibt es in den ersten Kapiteln ein wenig im Schaffen von Assoziationen, findet dann jedoch glücklicherweise zurück zu einer Schreibweise, die nicht mehr unnötig überbordet.
Insgesamt ein empfehlenswerter Roman von einem vielversprechenden, erst 27 Jahre alten Autor. Ein Buch, das aber auch noch Raum lässt für eine weitere Entwicklung und mich die Augen offen halten und warten lässt auf weitere Werke. Schade, dass es bisher noch keine Rezension zu seinem Erstlingswerk "Söhne und Planeten" gibt.