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Sie hält das Band hoch, es ist ein Halsband aus schwarzem Tuch. Sie ist erschrocken über die Banalität des Stoffs, entsetzt über die Entschiedenheit seiner Geste.
Sie zieht das Halsband an, sie stellt sich vor den Spiegel. Dann nimmt sie es ab, knüllt es zusammen, wirft es auf einen Sessel. Als ob jetzt alles durchgestanden wäre. Tertium non datur - das einzige Dritte, was ihr bleibt, ist, gar nicht zu ihm zu gehen.
Sie erinnert sich an eine Kritikerin, die ihren Erstling lobte, weil dessen Verfasserin »eine Frau ist, die sich von allen Rollen emanzipiert hat, auch von der einer emanzipierten Frau.«
Eine Zeitlang hat sie ihren Mann an Festtagen in die Kirche begleitet. Das tut sie nicht mehr, seitdem ein Pastor die »Demut« lobte.
Anfangs scheint es ein Ende zu sein. Anna S., Schriftstellerin, mit fünfundzwanzig Jahren plötzlich sehr erfolgreich, scheint ihre Schreibkrisen und die Misserfolge der folgenden Jahre nicht mehr überwinden zu können. Sie ist dreißig Jahre alt, als sie den zehn Jahre älteren Karl Däublin heiratet, einen Arzt aus einer reichen Hamburger Familie. Sie hört nicht auf zu schreiben, veröffentlicht aber kaum noch. Mit neununddreißig Jahren erlebt sie die größte aller ihrer bisherigen Krisen. Nur mit Mühe kann sie ihr Arbeitszimmer betreten. Sie lebt das Leben einer verheirateten Frau ohne ausgeübten Beruf, einer Hausfrau im leeren Haus.
Sie ist vierzig Jahre alt, als sie Karol J. begegnet. Sie wird auf ihren dreiundvierzigsten Geburtstag warten müssen, um sich einem Schreiben hingeben zu dürfen, in dem der Roman einer Obsession entsteht. »Die Fremde« ist das Protokoll einer Zwischenzeit, zwischen dem Schweigen und dem ersten Wort. Sie ist dann jemand geworden, auf den sie lange hat warten müssen.
Die Begegnung mit dem dominanten Arzt Karol Jerzik ist für Anna der Anstoß zu einem erneuten erwachen ihrer schriftstellerischen Begabung. Es beginnt ein Vexierspiel mit verschiedenen Identitäten, die zu einem geistigen Klärungsprozeß führen ....
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4.0 von 5 Sternen
Sicher,
Von Savina Jay (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Die Fremde. Fragment einer Obsession (Taschenbuch)
nicht jedermanns Geschmack und nur für "Betroffene" nachvollziehbar. Eine schonungslose Abrechnung mit vielen verklärten Missverständnissen zum Thema SM. Bemerkenswert: die Geschichte ist aus der Sicht der Frau (einer erwachenden Masochistin) verfasst von einem Mann, der wohl landläufig als "Sadist" bezeichnet würde und der die weibliche Gemütslage sehr genau kennt. Außerdem interessant: hier versucht ein exzellenter Schreiber, "Schund" zu produzieren. Heraus kommt dabei weder das Eine noch das Andere....
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