Der Autor war über ein Jahrzehnt, bis 1986, Großmeister aller anerkannten Freimaurer in Österreich. Aus dieser Erfahrung und Kompetenz legt er eine komprimierte Schrift über die Entstehung und Entwicklung der zentral-europäischen Freimaurerei bis gestern vor. Ein guter Überblick, in flüssigem und angenehm bescheidenen Stil.
Die Perspektive des Autors als Österreicher und autonomer Inhaber des höchsten Amtes der Freimaurerei in seiner Heimat fällt nur Sachkundigen aus anderen Ländern auf. Das liegt schon in der Natur des globalen Themas, das, ohne Untertitel, die Möglichkeiten jedes Taschenbuches sprengt.
Aus diesem Grunde wird mancher Leser zum Schluß eine aktuelle Darstellung der gegenwärtigen masonischen Situation in unserer sich globalisierenden Welt vermissen. Man könnte den Eindruck gewinnen, mit den kurzen und prägnanten historischen Schilderungen über England, Frankreich, Deutschland, Italien und Österreich wäre das Thema "Die Freimaurer" bis heute und überall ausreichend behandelt. Die Einflüsse des jeweiligen Zeitgeistes auf die Entwicklung der Freimaurerei in den erwähnten Ländern wurden für die Vergangenheit trefflich aufgezeigt, nicht aber für die Gegenwart, die allen Sinnstiftern seit über 30 Jahren krisenhafte Probleme brachte.
Die scheinbar als zeitlos vermittelten Ansichten des Autors in diesem Kontext entsprechen jüngeren Studien kaum noch. Zum Beispiel geht heute bestenfalls noch Neugier, aber keine Anziehungskraft mehr von dem Geheimnisumwobenen der Freimaurerei aus, und die Interessenten an ihr haben keineswegs mehr die Vorstellung, einer Art Elite beitreten zu wollen. Aber die Quintessenz des Büchleins ist überzeugend: Wenn es die Freimaurer nicht schon lange gäbe, müßten sie schleunigst erfunden werden!