Zen-Bücher sind immer so eine Sache: ganz oft wird in den Vorworten gesagt, daß Zen jenseits aller Worte ist und erfahren werden muß. Schweigen wäre die angemessene Form des Ausdrucks von Zen. Und was dann zumeist folgt, ist ein Buch mit 200-300 Seiten Text - eben über das Unsagbare. Das möchte ich allgemein über Zen-Bücher anmerken und was mir immer wieder negativ auffällt.
Hier wird auf dem Umschlag gleich gesagt, daß `zensho`W. Kopp "einer der bedeutendsten Zen-Meister der Gegenwart" sei und daß er noch dazu der "direkte Dharma-Nachfolger von Zen-Meister Soji Enku" sei.
Wenn Zen antihierarchisch, jeglichen Titulationen abhold, also wirklich frei von allen möglichen Bindungen ist, dann ist es schwer verdaulich, daß hier denn doch wieder ein alles überragender Meister erscheint, der meint, die Welt mit seiner Weisheit zu beglücken, die wesentlich in der Dekonstruktion der Vernunft (des nous!) liegt, um zur wahren Freiheit und dem "erleuchteten Zustand reiner Bewußtheit" führen soll.
Ich empfinde diese überspannten Ansprüche als reichlich inhaltsleer bzw. ohne tiefere Bedeutung, ja, als anmaßend. Es gibt die Zen-Klassiker von Suzuki, Heinrich Dumoulin, Philip Kapleau, Huge Enomya Lassalle und einigen wenigen anderen - was nach ihnen über Zen erschienen ist, ermangelt allzu oft einach der Tiefe. Auch von Zen-Leuten muß man - wenn sie sich denn zu äußern genötigt sehen - erwarten, daß sie sich gediegen mit Erkenntnistheorie und überhaupt mit der Philosophiegeschichte auseinandersetzen, insbesondere auch mit der Deutschen Mystik. Wir können Freiheit eben nur erfahren auf dem Hintergrund all unserer Erfahrungen. Die Vernunft im Sinne des griech. Nous zu unterschätzen, ist ein fataler Fehler!
"Kompromisslos wird alles hinweggefegt, auf dass wir fähig werden, zu jener grenzenlosen Freiheit des Geistes zu gelangen, die jenseits all dessen liegt, was Sinne und Verstand zu fassen vermögen." - Das klingt erstmal toll, kann aber auch einfach wenig sinnvolles Geschwafel eines anmaßenden Menschen sein. Ich vermute vom Inhalt her, daß letztes der Fall ist....
Sind sich die Schüler des großen Meisters wohl bewußt, daß sie sich zu diesem in ein ähnliches Verhältnis begeben wie es der praktizierende Gläubige zu seiner (insbes. kath.) Kirche hat? Daß da also im Gewande der großen Worte "Zen" und "Freiheit" dann doch wieder Abhängigkeiten, bindende Rituale und dogmatische Denkstrukturen entstehen?
Ich bin tief skeptisch gegenüber dieser Art der propagierten Freiheit, die m.E. gar keine ist!
Das Schreiben von Zen-Büchern sollte vielleicht ganz eingestellt werden, bevor es dann noch ganz in den Wellness-Bereich abrutscht oder aber dem Ich von "erleuchteten Meistern" und "Dharma-Nachfolgern" nur eine Bühne zu deren Selbstverwirklichung (im banalen Sinne)bietet und es also mästet.
Vermutlich würde der hochehrwürdige Meister (und erst recht seine ihm ergebenen Schüler) in schallendes Gelächter ausbrechen, wenn er diese kritischen Einwände lesen würde, was er ja vielleicht auch tut. Das gibt der Sache dann aber auch nur einen weiteren Effekt, aber noch lange keine echte Tiefe.