"Ich beneide die mit der großen Sprache
die reden von den Leuten
als ob es die Leute gäbe
sie reden vom Vaterland
als ob es ein Vaterland gäbe
und von Liebe und von Tapferkeit und von Feigheit
als gäbe es alle drei
Tapferkeit Feigheit Liebe
und sie reden vom Schicksal
als gäbe es ein Schicksal
Und ich bestaune die mit der scharfen Sprache
die reden von den Leuten
als ob es sie gar nicht gäbe
und vom Vaterland
als ob es kein Vaterland gäbe
und von Liebe und von Tapferkeit und von Feigheit
als wäre es klar
dass es das alles nicht gibt
und sie reden vom Schicksal
als gäbe es kein Schicksal
Und manchmal weiß ich nicht
wen ich beneide und wen ich bestaune
als gäbe es nur Staunen und keinen Neid
oder als gäbe es nur Neid und kein Staunen
als gäbe es nur Größe aber nicht Schärfe
oder als gäbe es nur Schärfe und keine Größe
und ich weiß dann nicht ob es
etwas gibt wie Reden und Wissen
oder wie Geben und mich
nur dass es so nicht geht"
Diese Reflexion über die immer noch allgegenwärtige Debatte über einen vernünftigen Konsens des Seins in der Literatur, schrieb Fried in den frühen siebziger Jahren zwischen 70-72. 1972 erschien dann der Band "Die Freiheit den Mund aufzumachen". Es setzt teilweise die Art des Bandes
Unter Nebenfeinden fort, jedoch spürt man wieder die aufkommende Auflehnung und Kraft in Frieds Versen, die im Vorband eher in der Hoffungslosigkeit von Abgründen gebadet worden war.
Dieser Gedichtband ist sehr fixiert auf Aktuelles (Krieg in Nahost, Vietnam, amerikanische Außenpolitik) und Poetikphilosophisches, also Gedichte über Dichtung, der Art wie das obere.
Auch bekanntere Gedichte von Fried sind enthalten, so z.B. "Befreiung von den großen Vorbildern":
"Kein geringerer
als Leonardo da Vinci
lehrt uns
-Wer immer nur Autoritäten zitiert
macht zwar von seinem Gedächtnis Gebrauch
doch nicht
von seinem Verstand-
Prägt euch das endlich ein:
Mit Leonardo
los von den Autoritäten."