Das sehr persönlich gehaltene Buch beschreibt eine amerikanische Erfolgsgeschichte: Ein computerinteressierter Junge schmeißt in den frühen 80-ern die Schule, jobbt, gerät in die Software-Testbranche und steigt dort zum anerkannten Experten auf. Dementsprechend ist es ein typisch amerikanisches Buch: Viele Anekdoten, Erfolge und Fehlschläge, für den eiligen Leser gespickt mit Merksätzen, die unter dem reißerischen Titel "Mein großes Geheimnis" daherkommen, häufig aber nur elementare Grundwahrheiten bieten (z.B. "Die meisten Menschen geben sich meistens keine große Mühe"). Anschließend dann noch einige Zitate, die die Anerkennung des autodidaktischen Autors in seinem Fach belegen sollen.
Eher ein Sonderfall ist auch das Umfeld: Die damals im Entstehen begriffene Softwarebranche und der US-Arbeitsmarkt, in dem jemandem mit Engagement und Selbstbewusstsein leichter die Chance gegeben wird, auch ohne akademischem Abschluß einfach mal seine Leistung unter Beweis zu stellen - da ja auch die Trennung von einem Mitarbeiters unkomplizierter möglich ist. Von daher ist Bachs unkonventionelle Vorgehensweise wohl kaum geeignet, zum Beispiel stark wissensbasierte, strukturierte Fächer wie Jura oder Mathematik zu studieren und dann in Deutschland in den Beruf einzusteigen. So viel als Relativierung vorab.
Dennoch ist das Buch auch für deutsche Leser empfehlenswert, beschreibt es doch ein grundsätzliches Vorgehen, eine Offenheit Neuem gegenüber und einer Lernweise, die gerade in Umbruchszeiten Erfolg verspricht. Als "Freibeuterstrategie" bezeichnet Bach seine Einstellung, auf dem (durch das Internet enorm erweiterten) Meer des Wissens umher zu segeln, sich interessante Dinge herauszuziehen und sich damit zu beschäftigen, auch ohne bereits eine aktuelle Verwendung dafür zu haben. Lieber "regelmäßig seine Vorräte im Supermarkt des Wissens aufstocken, als einmal seine Speisekammer zu füllen" (und dann von altbackenem Brot zu leben) ist sein Rat zur permanenten Fortbildung.
Bach sieht Freibeuter als Teil eines Rudels auf der Jagd, die Veränderung als Chance begreifen, statt ängstlich in einer Herde Schutz vor dem bedrohlichen Unbekannten zu suchen. Kritiker und eigene Fehlschläge sind dabei notwendige Lernzutaten und den Satz "ich verdiene mein Geld mit meinem Guten Ruf" hätten sich einige Finanzjongleure hinter den Spiegel stecken sollen. Auch das "ungeheuer stimulierende Gefühl, gebraucht zu werden" ist bekannt - und sei es nur in der Negativversion, nämlich als anonymer Student in einer Massenvorlesung oder als entmündigter Angestellter in einer großen Organisation demotiviert zu werden.
Wissenslücken sind verzeihbar - nicht aber die Unfähigkeit, sie bei Bedarf schnell zu füllen, ist Bachs Credo. Dabei muss Wissen verdaut werden, d.h. durch eigenes Umsetzen müssen die Fakten vernetzt, mit Bedeutung versehen und möglichst bei der Lösung von Problemen angewendet werden. (Wie wenig das bisher in unserem "Aus-Bildungsprozess" geschieht, kann man tagtäglich in Klassenzimmern und Hörsälen beobachten).
Deshalb ist der Rat, sich als Freibeuter auf dem Wissensmeer zu tummeln, statt ängstlich in der Herde vorgegebene Lehrpläne abzuarbeiten, sicher kein Rezept zur erfolgreichen Absolvierung unseres Bildungssystems und vor dem leichtfertigen Hinschmeißen der Schule sei meinerseits ausdrücklich gewarnt. Wertvoll ist diese offene, neugierige Einstellung aber für die Bewältigung des weit längeren und wichtigeren Lernprozesses, der das ganze Leben umfasst.