Die Rezension bezieht sich auf die gesamte Trilogie, sowie den
vierten, quasi-unabhängigen Fortsetzungsroman über Birger Jarl.
Guillous verfolgt mit dieser Romanserie zwei Hauptintentionen.
Die eine bezieht sich auf das Verhältnis zwischen der christlichen und der islamischen Welt. Guillou beschreibt sehr plastisch, wie bereits im europäischen Mittelalter eine auf Unkenntnis basierende feindliche Haltung gegen den Islam selbst in den Köpfen der Intellektuellen herumspukte. Erst im zweiten Teil der Romanserie lernt der Held Arn Magnusson in Jerusalem eine ganz andere Perspektive kennen und revidiert seine früheren Vorurteile. Der von Guillou beabsichtigte Bezug zur aktuellen Zeit ist nicht zu übersehen. Im dritten Teil zeigt der Autor auf, wie sehr die europäische Entwicklung im Mittelalter von dem Kontakt mit der technologisch weiterentwickelten islamischen Welt profitiert hat. Das vierte Buch handelt von Birger Jarl und der von ihm vorangetriebenen Einigung Västergötlands, Östergötlands und Svealands.
Die zweite Hauptintention des Autors ist weniger offensichtlich. Es geht Guillou nicht einfach nur darum, ein Bild vom Mittelalter zu zeichnen, sondern um das durchaus brisante Projekt, die hergebrachte schwedische Geschichtsschreibung des Mittelalters und damit das Selbstverständnis der Schweden radikal in Frage zu stellen. Bis tief in die 80er Jahre waren sich die schwedischen Historiker weitgehend darüber einig, dass die Wiege Schwedens bei Uppsala liegt und bis in die Wikingerzeit zurückreicht. Guillou ist der Meinung, dass diese Auffassung falsch ist. In einer im schwedischen Fernsehen ausgestrahlten Dokumentarserie argumentierte er, dass diese Auffassung auf die im frühen 19. Jahrhundert virulente Nationalromantik und sogar auf noch frühere historische Fehldarstellungen zurückgeführt werden kann. In der Romanserie hält er diesem konventionellen Geschichtsbild eine andere Hypothese entgegen, die sich immer mehr durchzusetzen
scheint. Guillou sieht die Wiege Schwedens in Västergötland und meint, dass die Wikinger mit dem Zusammenwachsen der schwedischen Nation äusserst wenig zu tun hatten. (Die aus der Gegend um Uppsala stammenden Svear werden durchweg als recht ungehobelte und kulturell rückständige Raufbolde charakterisiert.)
Gemessen an seinen beiden Hauptintentionen halte ich die Romanserie für äusserst gelungen, und verzeihe Guillou gerne, dass er seine Mühen mehr auf beeindruckend umfangreiche historische Recherchen als auf die differenzierte Charakterisierung der Romanfiguren konzentriert hat.